Auf die Achterbahn

der Gefühle schickt mich unser Dicker, auch Stackel genannt, derzeit täglich.

Vorgestern wirkte er, als könne er sich kaum auf den Füßen halten. Und hat fast nichts fressen wollen. Davor und seitdem ist er wieder etwas munterer und standfester, aber egal, was wir bisher versucht haben (unterschiedliches Futter, anwärmen, pürieren ….) und wie gut die Lage ist, er mag nur etwa die Hälfte dessen fressen, was in so einen Kater täglich mindestens reinsollte.

Die beste Taktik ist: ihn immer wieder dran erinnern, daß er doch eigentlich jetzt gerade ein bißchen was essen könnte. Sprich: wir legen ihm fünf oder sechs Bröckchen vor die Nase. Vorgestern führte das nur zu einem flüchtenden Kater, gestern und heute aber frißt er die aber meist auf. An Ohren und Blicken merkt man, ob Nachschlag erwünscht ist. Sind die Ohren gespitzt und Katz guckt interessiert? MEHR! Blick weg, Ohren normal? Schluß. Legt man dann noch mehr hin, stinkts ihm: er geht weg und mag für die nächste Zeit nix mehr sehen und hören….

Eben habe ich nochmal mit der TÄ telefoniert. Einig sind wir uns, daß keine größeren Untersuchungen oder Stressereien mehr gemacht werden sollen (wie Blutuntersuchungen oder röntgen). Also wird aber auch zunächst unklar bleiben, ob wir es derzeit mit Antibiose-Nebenwirkungen zu tun haben oder mit einer Nicht-Verbesserung der Lage.

Alte oder kranke Tiere, sagt sie, mögen manchmal plötzlich Futter, das sonst nie in Frage kam – testen, testen, testen also. Und wir holen ein pastöses Kalorienbomben-Päppelfutter, davon reichen kleine Mengen, und zur Not kann mans per Spritze eingeben. Das tun wir mit seinem Schmerzmittel seit Tagen, der Druck, daß er fressen MUSS, weil sonst auch das Schmerzmittel nicht im Kater ist, ist seither raus. Gut für alle Beteiligten.

Momentan „hoffe“ ich, daß nach den 14 Tagen, die das Antibiotikum wirkt, sich ein wenig wieder alles normalisiert. Wir werden sehen, ob und auf welchem Level.

 

 

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Sonnenbrillen-Punker

🙂

Ganz schön winzig! Der riesige Blütenkelch, an dem der kleine Punker sich labt, ist ja nur ein kleines Blütenbällchen einer an sich schon kleinen Traubenhyazinthe!

Von oben sieht es so aus, als hätte das (Sand-)bienchen eine Heino-Sonnenbrille auf.

An näherer Bestimmung als „Sandbiene“ bin ich übrigens gescheitert, und nichtmal damit bin ich mir so richtig sehr sicher *g* Falls Jemand mehr weiß – bitte, gerne!!

Außerdem sind, vornehmlich über der Buchsbaumhecke, rastlose Bienen unterwegs, die genau aussehen wie Honigbienen – bloß sind sie vielleicht drittels so groß. Im fliegen sehe ich denn auch bloß „da ist was“, aber wenn eine sich dann doch mal setzt, dann – siehe Beschreibung. Auch da weiß ich nicht: wer ist das???

A propos Sonnenbrille: vorgestern habe ich meine (Sehstärkengläser und ein nicht ganz billiges Gestell, das ich dazu noch optisch sehr gern mag) wiedergefunden, die ich nach über 2 Jahren verschütt geglaubt hatte – in einer „total falschen“ Schublade, der mit den Ersatzschlüsseln. Wie die da reingekommen ist? Ich habe NULL Ahnung. Verblüfft konnte ich feststellen, daß trotz 2 neuer Gleitsichtbrillen seit Kauf dieser Brille sie zum autofahren durchaus noch taugen könnte. Ich werden es mal testen, ob das auf längere Sicht Fahrt stimmt.

…aber erstens kommt es anders….

Ladypark hat uns gestern darauf aufmerksam gemacht, daß Flensburg am Ostersamstag (der ja eigentlich nicht der Ostersamstag ist, wie ich gestern in den Kommentaren gelernt habe) der Horror ist: überrannt von Dänen, voll!!!!! Also vielleicht Eckernförde? Aber Eckernförde wird heute auch übervoll sein.

Von „warum eigentlich wollte ich in die Stadt?“ zu „ich will eigentlich gar nicht in die Stadt“ ist es nur ein winziger Schritt, und so sitze ich jetzt mit grünen Fingern am Computer, weil ich grad zum 1. Mal den Rasen gemäht habe, hinten, wo wir sitzen wollen und vielleicht heute spätnachmittags ein Feuer machen und grillen. Vorn ist das mähen noch nicht nötig – und ich mähe natürlich erst, wenn sonst kein vernünftiges durchkommen und sitzen mehr möglich ist. Die Gänseblümchen, der Ehrenpreis und der Gundermann freuen sich, zur Blüte zu kommen.

Derweil steht der Herr F. am Spalter, und ich gräme mich, weil ich wegen der ollen Gelenke nicht selbst dort stehe. Nuja… stattdessen werde ich mich gleich mal über das Bad hermachen. Schlechter Ersatz, aber nötig. Morgen kommt Besuch und ich habs auch selbst gern sauber 😉

Es ist schön, bei solchem Wetter noch mehrere Tage zur freien Verfügung zu haben!

Euch Lesenden (und hoffentlich öfter auch mal Kommentare schreibenden) da draußen wünsche ich ein ebenso entspanntes Osterfest,

die Fjonka

Ostern

Vier freie Tage (!!!!) bei herrlichem Wetter – was also tun?

Einen Doppelkopfabend haben wir in der Planung, ein Osterfrühstück, einen Besuch bei de ole Lüüd und wir wollen an die Bienen. Das wars. Der Rest ist freie Zeiteinteilung, und das ist schonmal per se toll!

Ostersamstag will ich noch in irgendeine der Städte, so lange schon war keine Zeit, einfach mal sich in der Stadt treiben zu lassen.

Und dann kann ich nicht so ganz, wie ich will, denn freie Zeit bei gutem Wetter – das heißt immer auch „Garten“. Rumsitzen, lesen oder gucken, und „da – plötzlich hüpft sie wieder in die Beete! Ich hab schon drauf gewartet!“ , so drückte es die Malerfreundin aus, als sie kürzlich hier war. Aber das wird nur begrenzt gehen, denn wiedermal ist mein ganzer Körper auf „Laß mich bloß in Ruhe!!“-Modus. Anstrengend waren die Vor-Ostertage. Ich habe ordentlich Mehrstunden aufs Arbeitszeitkonto gehäuft – und Vor-Ostern ist offenbar im Zentraldorfbioladen eine heftige Zeit. Einerseits löst ein (in Worten nochmal EIN) Tag mit geschlossenen Läden offenbar immer noch Hungerfantasien aus – SA ist ja offen, trotzdem kaufen die Leute ein, als gebe es wochenlang nix – andererseits gab es noch vier Schiffslieferungen zu bearbeiten. Eine Besonderheit dieses Ladens: es gibt mehrere alte Segler, die Törns für bis zu 35 Leute und 14 Tage anbieten – und dafür vom Laden beliefert werden. Das erfordert logistische Leistungen, die sich mir erst langsam erschließen sowie körperliche und zeitliche Zusatzarbeit. Es gibt ein gutes, erprobtes System, das dafür sorgt, daß letztlich alles zum rechten Zeitpunkt am Laden ist (was bei 5-6 unterschiedlichen Lieferanten bzw sortimentsunterschiedlichen Bestellterminen nicht ganz ohne ist) und es gibt Chefins Kopf, der dafür sorgt, beim packen und bonen nicht den Überblick zu verlieren. Das macht Spaß, aber es ist halt auch nicht grad gelenkschonend, denn jeder einzelne Posten will oft bewegt werden:

Vom Liefer-Rolli in Kisten auf Rollbrettern (oft mit dem Umweg übers Ladenregal), dann von dort auf den Kassenscanner, in Kartons, die auf Rollis und dann nochmal ins Liefer-Auto. Die „kleine“ Lieferung gestern hatte bereits 5 Bananenkartons plus 4 kleinere. So war denn auch erst um halb acht statt um sieben Feierabend.

Also heißt es nun, viel rumzusitzen oder -zuliegen, um die Gelenke ausruhen zu lassen. Tja. Dabei liegen noch zwei große Findlinge rum, die ich mit des Herrn Hilfe an den rechten Platz bringen möchte, Holz ist zu spalten, Silber-Goldnesseln wollen ausgebuddelt werden, der Rest des Wiesenstücks will von Rasensoden befreit werden….. außerdem ist herrliches Wetter zum fensterputzen, die Wohnung gehört dringend gesaugt und …… ommmmmmmmmm ….. ich hole mir jetzt mal wieder mein Buch und setz mich hin *gg*

Eine Bildergeschichte

Erstes Bild anklicken, bitte. Dann werden die Bilder groß.

Ich werde immer mal wieder gucken gehen (ohne zu wühlen). Bin mal gespannt, ob ich irgendwann mal erfahre, was da nagt.

Update: Tierarztbesuch. Jetzt mit Update *gg*

Eine Erkältung hat der Dicke!!!

Kein niesen, kein Nasetropfen, nix haben wir bemerkt, außer einem komischen Geräusch beim fressen, das ich gehört und den Herrn F. habe berichten lassen. Als Frau TÄ den Kehlkopf betastete, hat der Stackel dann auch verräterische Geräusche gemacht.
Und wenn Katz erkältet ist, dann kann er schlecht riechen, und wenn er nix riechen kann, dann schmeckt das Futter nicht und wenn er dann noch Probleme beim schlucken hat….. und daß er so besonders matt und steif ist, erklärt sich so auch.
Der Rest ist „alt“, meint sie, und sonst wirkt er ganz gut in Schuß.
Nun bekommt er heute abend eine Spritze, und wir hoffen, daß er dann wieder besser auffe Füße kommt.Dummerweise hatte sie die Medizin, die sie ihm hätte geben wollen, nicht dabei, und nun muß der Herr F. ran, er traut sich’s zu. Hoffentlich klappt das!

Update am „morning after the Spritze“:

Der eine Tag Verzögerung hatte sich bemerkbar gemacht: nun leckte ein Auge, der Katz lag platt am Boden und die Geräusche beim essen waren stärker (allerdings wäre meine Assoziation weiterhin nicht „Erkältung“ gewesen, gut, daß die TÄ da war!!) Also rein mit dem Medikament! Sowohl der Herr F. als auch der Kater haben sich gut geschlagen, was die Spritze angeht. Ich habe vorne schön abgelenkt und den Dicken auf dem Arm gehabt – er hat nichtmal gezuckt!

Jetzt warten wir auf die erhoffte Besserung. Und jedenfalls hat der Stackel über Nacht schon fast eine volle Portion Futter vertilgt. Gut so!

 

 

… wenn der böse Mann kommt….

…sind wir von nun an gewappnet:

Beim graben stieß ich erst auf Plastik, dann auf dicken Stein und dann – siehe Foto.

Haueha!

Links unten ist ein Abfluß erkennbar, rechts nicht

Also bin ich mit der Leiter reingeklettert. Um die unten liegende Erde ein wenig wegzuschaufeln, mußte der Herr die Leiter rausholen, so eng ist es. Nach ein wenig schaufeln wurde erkennbar: es gibt auch auf der Seite zu des Mieters Terrasse hin einen Ab- oder Zufluß. Der Boden unten war allerdings nur feucht, obwohl es ordentlich geregnet hatte und er betoniert ist. Also fließt wohl kein Wasser.

Offenbar war ich brav: der Herr F. hat die Leiter danach wieder reingestellt, und mit dem draufstemmen der Betonplatte gewartet, bis ich draußen war

Oben rechts ragt ein Metallstück hinein, links ist eine weitere dicke Steinplatte, die etwas tiefer liegt als die, auf die ich gestoßen bin.

Wir haben keine Idee, wofür dieser Schacht ist. Er wirkt nicht alt, und die Verschlußplatte ist mit Plastikfolie abgedichtet, so daß ich vermute, daß er nicht von 1920 ist. Ein Zusammenhang zur (zugeschütteten) alten Betonschacht- Dreikammer-Kläranlage scheint ebenfalls unwahrscheinlich, der räumlichen Verhältnisse wegen.

Jetzt haben wir alles wieder zugemacht, die Grassoden wieder draufgelegt. Aber wenn der böse Mann kommt, wissen wir nun, wohin mit ihm! 😉

 

Tja

Um das mal zu vervollständigen – es wechselt heftig!

Gestern abend mochte der Dicke nur wenige Häppchen fressen, erstmals auch ging über Nacht nicht der Rest weg, und heute morgen – kein Hunger 😦

Einzeln(!) vorgelegt, hat er „mit langen Zähnen“ sieben(!) Trockenfutterbröckchen genommen.

Tja.

 

Heimliches Blog-Abo??

Ich glaube, unser Stackel liest hier mit!

Keine zwei Stunden nachdem ich über ihn geschrieben hatte, kam er ins Wohnzimmer, hat erstmal den Rest vom Frühstück verputzt (jedenfalls einen guten Teil davon) – und sich dann erst zu mir gesetzt, laut schnurrend, und danach auf des Herrn F. Bauch gelegt.

Und so liegen sie jetzt in diesem Moment da:

Wenn DAS nicht gemütlich und zufrieden aussieht!?

Wahrscheinlich hat der Katz keinen Bock auf Tierarztbesuch…….

Stackelchen

In den letzten zehn Tagen etwa ist es sehr schnell abwärts gegangen mit dem Befinden des Dicken. Er schläft fast nur noch, er zieht sich zurück, kommt höchstens einmal alle paar Tage für Minuten zum Herrn auf den Schoß. Er putzt sich nicht mehr. Er jagt keinen Bröckchen mehr nach, sondern geht nur, wenn überhaupt, SEHR gemächlich zu ihnen hin. Abends frißt er erstmal nur die kleine Medikamenten-Portion seines Futters, immerhin aber zuverlässig den Rest über die Nacht verteilt. Die Morgenportion wird meist bis abends nicht leer. All das war vor 14 Tagen noch anders.

Nach wie vor besteht er darauf, die Treppe zu des Herrn Zimmer hinaufzugehen. Dort liegt er den ganzen Tag über auf seiner Decke. Als die Malerfreundin da war, ist er auch auf das Bett im Gespensterzimmer gehopst (das Zimmer ist ihm sonst versperrt) – das geht noch, sieht aber deutlich mühsamer aus als noch vor wenigen Wochen

Nach wie vor geht er raus, um zu trinken und sich zu entleeren. Aber nur noch dafür. Da er recht lange draußen bleibt, bin ich gestern abend mal mitgegangen:

Erst ging er zur Emailleschüssel, stellte sich mit den Vorderbeinen auf den Rand und trank in mehreren Portionen. Zwischendurch längere Pausen. Dann ging er ein paar Schritte und stand rum. Das kann dauern. Er wirkte eher in sich versunken. Schließlich ein Gang unter den Buchsbaum. Hier saß er eine Weile. Dann ins Gebüsch, pinkeln, scharren, zurück zur Emailleschüssel. Trinken. Danach dann saß er lange am Eck, aber nun spielten die Ohren, reagierte er auch auf Geräusche oder wenn ein Auto an der Straße längsfuhr. Irgendwann dann, es zog doch sehr kalt, einmal ums Eck, dort ist es windmäßig ruhiger, und weiter durch die Gegend gucken, alles im sitzen. Und dann zurück in die Wohnung. Alles in allem etwa zwanzig Minuten.

Insgesamt wirkt unser Dicker sehr verlangsamt, teils auch wackelig. Besonders nach den langen Schlafphasen habe ich das Gefühl, daß es lange dauert, bis er ganz in der Welt angekommen ist. Und ich glaube, daß das hinlegen ihm wehtut, weil er’s gaaaaanz langsam und in Etappen tut. Trotz Schmerzmittel. Liegt er erst, wirkt das allerdings immerhin entspannt. Er kauert nicht, sondern rollt sich ein oder liegt platt auf der Seite

Wenn ich sicher sein könnte, daß das alles das ganz normale „jetzt gehts verstärkt dem Ende zu“ ist, wäre alles okay, wenn auch traurig. Bloß fällt es mir so verdammt schwer, dessen sicher zu sein. Es kann ebensogut sein, daß er starke Schmerzen hat, die über ein „ich bin uralt, da tun halt sämtliche Knochen weh“ hinausgehen und es nach Katzenart halt nur wenig zeigt.

Dummerweise habe ich in der nächsten Woche nur an den Feiertagen frei, aber ich werde morgen vormittag mal die Tierärztin anrufen und bitten, sich ihn mal anzusehen. Hier, zuhause. Muß dann halt der Herr F. mit ihr reden, wenn es mir auch lieber wäre, ich wäre dabei.

Wie auch immer, es kommt mir so vor, als rücke der Abschied von unserem Stackel merklich näher.

Ein Prachtstück!

Der hat die Futterstelle offenbar nicht zum ersten Mal aufgesucht – und wirklich sah ich ihn einige Tage drauf wieder dort 🙂 Und dann nochmal…. und im Hof… und im Gebüsch bei der abgesägten Mirabelle, da hatte er sich versteckt und mich fürchterlich erschreckt, als er aufflog. Der wohnt offenbar tatsächlich jetzt hier!

Seit Jahren der erste Fasan – 2012 gabs eine „Fasanenschwemme“ mit zeitweise allabendlich einem Dutzend Jungfasanen im Garten und dicken Hennen im Baum (siehe Link). Dann nochmal vereinzelt hier und da einer, so selten, daß er nicht mal in der Tierliste gelandet war. Vergessen….

Aber jetzt! 🙂

Brrrrrrrrrr – unbritisch

Kalt ist es geworden! Nachts frierts ordentlich, und tags – wolkig und 5° ist nicht grad, was frau sich so wünscht.

Aber da ich eh diese Woche Überstunden schiebe, ists nicht so schlimm…. hoffen wir mal auf Ostern!

Vorteil: da sich keine Biene draußen blicken läßt, konnte ich heute die schon voll bebrütete Drohnenwabe, die wir letzte Woche dem Mondvolk geklaut haben, den Vögeln zum auspicken hinhängen. Es ist gut zu erkennen, welcher Vogel älter, welcher Frischling ist 😉 die alten erinnern sich genau, die jüngeren sind scheu, sitzen erstmal und gucken zu und tun sich dann schwer, sich an der Wabe festzuhalten.

Bisher sind dagewesen: Kohl- und Blaumeisen, Hausspatz und – Frau Specht, die ich seit Wochen nicht am Futterplatz gesehen hatte!

Brrrrrrrrr – exit

(Diese Kolumne hat Tonio Keller geschrieben und es mir netterweise erlaubt, sie hier zu veröffentlichen. Ich fand sie so witzig und treffend, daß ich ihn darum gebeten hatte. Danke, Tonio!)

Jeder sich selbst

Der italienische Schriftsteller Leonardo Sciascia hat einmal beschrieben, wie er als Lehrer im Sizilien der 1950er Jahre in einer verwilderten Schulklasse das Amt des Klassensprechers einführen wollte, um sie zur Demokratie zu erziehen. Beim ersten Wahldurchgang stellte er fest, dass jeder sich selbst gewählt hatte. Das blieb noch ein paar Mal so, bis den Schülern allmählich dämmerte, dass es so wohl nicht geht.

Ähnliches können wir derzeit im britischen Parlament beobachten, der ältesten noch bestehenden Demokratie der Welt. Da werden gerade immer wieder aufs Neue verschiedene Vorschläge zum Brexit zur Abstimmung gebracht. Auch hierbei sollte es rein rechnerisch klar sein, dass schon bei mehr als zwei Anträgen mit genügend großer Unterstützung nie einer von diesen die Mehrheit bekommt, wenn jeder immer alle außer dem eigenen ablehnt – erst recht bei acht oder zwölf Anträgen, wie sie in London derzeit vorgelegt werden.

Wie ging übrigens die sizilianische Geschichte aus? Nach zähem Ringen gelang es einem, durch Versprechungen und Drohungen genügend Anhänger um sich zu scharen. Kaum gewählt, sah er es als seine Hauptaufgabe an, die anderen zu drangsalieren. Dies nur der Vollständigkeit halber, mit den Briten hat das natürlich nichts zu tun.

 

Ich bin Fan!!

Und zwar ganz plötzlich! Erwischt hat mich ein Tierchen mit dem etwas sperrigen Namen

Anthophora plumipes

oder auch Frühlings-Pelzbiene

Das ganze begann vor etwa einer Woche, als ich unglaublich schnelle, sehr abrupt fliegende kleine UFOS über dem Lungenkraut fliegen sah. Erster Gedanke: Wildbiene. Zweiter Gedanke: neeee, geht nicht, die stoppen mitten im Flug und stehen in der Luft – das müssen irgendwelche Fliegen sein. Dritter Gedanke: oder Wollschweber?

In den nächsten Tagen hab ich sie mir immer wieder angeguckt, immer sind sie an denselben Orten zu beobachten, immer wieder auch an genau denselben Blüten. Und dann habe ich eine gleich zweimal erwischt. Beim ausruhen!

Auf dem Foto sah’s dann doch wieder eher wie eine Pelzbiene aus. Hmmmmm, aber mit DEN Bewegungen? Abends nix wie ins Netz, suchen. Und tatsächlich, weil die (nein, DER! Siehe unten) Lütte mir so nett ihr (SEIN!)Beinchen hingehalten hat (linkes Bild), dazu noch das Hinterteil gut sichtbar ebenso wie die helle Gesichtsmaske konnte ich sie (IHN!) recht schnell identifizieren:

Merkmale: 14–15 mm, W. in 2 Farbvarianten: 1. mit graubrauner Behaarung, rostroter Beinbürste und beigen Binden am Abdomen. 2. mit schwarzem Thorax und Abdomen. M. mit auffälligen langen Fransen auf den ersten vier Tarsengliedern des mittleren Beinpaares.

Die Pelzbiene Anthophora plumipes (ehemals A. avervorum) ist vielen Gartenbesitzern incognito gut bekannt: Im März und April sind sie plötzlich da und flitzen von Blüte zu Blüte, vor allem denen des Lungenkrauts (Pulmonaria officinalis), des Blaukissens (Aubrieta) und des Lerchensporns (Corydalis). Ihre offenkundige relative Kälteunempfindlichkeit und vor allem ihr gedrungener pelziger Körper läßt an Hummeln denken, nur ihre Geschwindigkeit läßt Zweifel an der Hummelthese aufkommen. Diese noch recht häufige Pelzbiene ist dem Bienenfreund ein lohnendes Beobachtungsobjekt – nicht zuletzt an ihren Nistplätzen.

Die Männchen dieser gut untersuchten Art durchfliegen dieselbe geschlossene Runde immer nur in einer Richtung – mit oder gegen den Uhrzeigersinn – und behalten sie für Wochen bei. Dabei führt die Flugbahn das Insekt immer wieder zu denselben Blüten, sobald deren Nektarvorräte wieder aufgefüllt sind. (Ähnliche zeitlich genau abgestimmte Patrouillen kennt man von Kolibris.) Der Anflug zu den Blüten geschieht oft abrupt durch unvermitteltes Abweichen von der Flugbahn und Zustoßen auf die Blüte.

Quelle: Wildbienen.de

Das paßt doch alles wie Plumipes auf Lungenkraut 😉 (eine zweite Familie fliegt übrigens vorn im Staudenbeet über dem Lerchensporn) – und ich war Fan, nachdem ich auch noch das anschauliche Portrait gelesen hatte, von dem Ihr eben den Auszug zitiert bekommen habt. Dort gibts noch mehr über die Frühlings-Pelzbiene zu lesen. Selbst beobachten konnte ich übrigens, daß die patrouiliierenden Männchen nicht gut auf Hummeln zu sprechen sind. Zweimal habe ich gesehen, daß einer dicken Erdhummelkönigin nicht erlaubt wurde, an des Machos Lungenkrautblüten zu naschen. Er hat sie angegriffen und dann meterweit (über seine normale Flugrunde hinaus) verfolgt und vertrieben!

Ich habe außerdem gelesen, daß die Weibchen senkrecht in den Boden ihre Niströhre bauen, die sich im Boden dann verzweigt – jede Made bekommt eine eigene Abzweigung mit Proviant. Flexibel sind sie auch – denn lieber bauen sie wohl in senkrechten Lehmwänden (Fachwerk!!) – aber wo gibt’s die noch??

Tolle Tierchen, das! Ich freue mich, sie zahlreich im Garten begrüßen zu dürfen, übrigens auch in der schwarzen Variante. Da hat sich das mühsame ansiedeln des Lerchensporns doch gelohnt!!


Erst dachte ich, das Tierchen, das ich in seiner Niströhre geknipst habe, sei auch eine Plumipes, aber das ist wohl nicht der Fall: die Weibchen der Frühlingspelzbienen haben NICHT das weiße Haarbüschel im Gesicht. Und der Pelz ist wohl auch zu rot.

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