Eine Bahnfahrt, die ist lustig, eine Bahnfahrt, die ist schööööön….

Eine Überschrift, die ich voll unterschreiben kann. Ich fahre gern Bahn. Gemütlich im Warmen sitzen, stricken, lesen, die Landschaften an sich vorbeiziehen lassen – wunderbar entspannend!

„Ja, da kann man was erleben, und da kann man etwas sehn“ – so geht das schöne Lied weiter, und da fühlt sich die Bahn offenbar in die Pflicht genommen (und jetzt meine ich mal diese Firma, die sich ja nur noch die Bahn nennen lässt – als gäbe es keine Konkurrenz, aber das ist ein anderes Thema)

In den letzten Jahren habe ich wirklich viel erlebt und geseh’n. Ein besonders nettes und spannendes Erlebnis von vor etwa einem halben Jahr:

Volle Bahnsteige mit wartenden Menschen (bunt anzusehen, ich bin im Hamburger Hauptbahnhof – einem Landei wie mir erschließen sich ungeahnte modische Paralleluniversen vom Turban über den Kaftan bis zum VokuHila – die Bahn sorgt für meine Weltoffenheit, indem sie uns allen mindestens eine halbe Stunde Zeit gibt, uns gründlich umzusehen), die sich – endlich ist der Zug da – versuchen, in den Wagen zu pressen. Ich steh schon drin, dicht an die Menschen vor mir gedrückt (wann hat man in modernen Zeiten schonmal die Chance auf so viel Körperkontakt??) Hinter mir ein Mann mit Kinderwagen, das größere Kind (vielleicht 3) wird noch von einer freundlichen Dame von draußen reingehoben, wir versuchen, zentimeterweise nach vorne zu rücken, denn hinter uns warten noch Dutzende auf den Einstieg.

Da! – Die Türen schließen, und auf die Minute pünktlich fährt der ICE ab!!!

Ich stutze, schaue rückwärts – fassungslose Gesichter auf dem Bahnsteig!! Im losfahren sehe ich noch gestikulierende Arme, Menschen, die versuchen, die Türen noch zu öffnen – ja, was wollen die? Ständig das Gejammer wegen der Verspätungen, nun wird kon-se-quent Pünktlichkeit vorgelebt, und es ist auch nicht richtig?

„Falleri, fallera, falleriariariafallera!!“

Ich bin ja drin, alles gut, also warte ich, bis die Staus sich auflösen. Sorgen machen muß ich mir nicht, ich hab ja einen Platz reserviert. Wobei- da fällt mir ein – Die Bahn wird doch  nicht…… einige Zeit vorher waren wir zu 2. unterwegs, hatten Sitzplätze reserviert – der Zug kam auch tatsächlich (irgendwann) angefahren – aber ohweh! Ohne den Waggon, in dem unsere reservierten Plätze sind!!

Aber: ois easy!! Inzwischen bin ich am Sitzplatz. Abteil gabs diesmal nicht. Also kann ich ganz entspannt sein, denn ich kann mich eh nicht auf eine ruhige Fahrt freuen. Nicht wie damals: da hatte ich extra einen Platz im  Ruheabteil gebucht. Prima, ich setze mich da rein und freute mich – bis 5 Minuten später meine AbteilgenossInnen auftauchten: eine junge Mutter mit 3 Kindern im Alter von wenigen Monaten bis zu ca 3-4 Jahren. Mein verzweifelter Blick zu dem „Psssst“-Symbol an der Wand entging ihr nicht, die Frau war wirklich nett und entschuldigte sich sogar- sie hatte nicht Ruheabteil gebucht, aber ihre Platzreservierungen lauteten auf diesen Wagen und diese Plätze …. das Ganze ging übrigens gut aus: ich habe mir im (diesmal recht leeren) Zug einfach einen anderen Platz gesucht.

Puh, mein Platz ist frei, ich muß ihn mir also nicht einmal mit einem schlechten Gewissen ersitzen wie auf der Fahrt, auf der in meinem Abteil im total überfüllten Zug auch ein wirklich uraltes Pärchen saß. Kein Problem – bis ein junger Mann kam, der den Platz des zittrigen, gehbehinderten Herrn reserviert hatte….. auch das ging gut aus – jedenfalls für die alten Leute (die übrigens, ganz vom alten Schlag,  sofort den Platz räumen wollten. Sie bestand auch darauf, zu stehen, aber er durfte sitzenbleiben – wir anderen 4 haben uns mit stehen abgewechselt) Jetzt kann das „lustig und schön“ kommen…..

Gut, ich gebe zu, für das letzte Abenteuer hatte nicht die Bahn gesorgt – aber man muß zugeben, das Unternehmen tut, was es kann, damit das schöne Volkslied nicht Lügen gestraft wird. Ich bin schon ganz gespannt, was sie sich für morgen ausgedacht haben. Ich werde das Wagnis eingehen, von hier nach Bonn zu fahren!!
Heute gabs schonmal Lokführerstreiks… Ich werde auch älter und bin nicht mehr ganz so abenteuerlustig wie früher, deshalb hab ich den Herrn F. gebeten, mich schonmal bis Kiel mitzunehmen – eine Möglichkeit weniger, bis zum ICE in Hamburg so viel Verspätung zu haben, daß ich ihn nicht mehr kriege. Das passiert nämlich zimelich häufig auf der Strecke Süderbrarup-Kiel-HH.
Gerne erinnere ich mich immer noch an damals, als Altona Stellwerksausfall hatte, wir Alle S-Bahn bis Hauptbahnhof fahren mussten, von der S-Bahn im Laufschritt Richtung ICE-Gleis rannten – und ich (die Bahn hat extra für die dramatische Wirkung eine lange Schautreppe zu den Gleisen errichtet) von der Treppe aus zusehen durfte, wie der ICE – auch diesmal auf die Minute pünktlich- die Türen schloß und mehrere Dutzend Leute zum service-point (!) stürmten – auf meine zugegebenermaßen in relativ patzigem Ton vorgebrachte Frage, wieso der Zug nicht gewartet habe, spätestens 5 Minuten später seien wir Alle drin gewesen, wurde mir beschieden „Ein ICE wartet nicht“

Da sieht man: Die Pünktlichkeitsoffensive wirkt!! Service wird großgeschrieben!! Erlebnis pur!!

Wie gesagt: ich bin schon gespannt….

6 Kommentare zu “Eine Bahnfahrt, die ist lustig, eine Bahnfahrt, die ist schööööön….

  1. recyclemouse sagt:

    Das schlechteste Beispiel in meinen Augen ist und bleibt der Uelzener Bahnhof.
    Hundertwasser, schön und gut. Aber die Gänge sind dadurch so eng geworden, dass jedes Umsteigen zu einer Viehtreiberei wird.
    Die, die Umstände kennen rempeln ohne Ende, Behinderte fallen dabei untern Tisch.

    Auch sind die Bahnsteige zu schmal, zusätzlich teilweise abschüssig, weil man diese eigentlich hübschen Aufpflasterungen angebracht hat.
    An und für sich eine von der Idee für einen Bahnhof eine sehr gute Idee, ist nur nicht zu Ende gedacht worden.

  2. coco7 sagt:

    Wie war das mit dem Kinderwagen? War dann das Kind schon im Zug und der Vater noch nicht, oder hatte er es noch geschafft, bevor die Türen zugingen? Was für ein Alptraum.

    Das erinnert mich daran, dass ich in drei Wochen auch mal wieder ICE fahren muss, schwanger auch kein großes Vergnügen.

  3. Bea sagt:

    Danke für diese lustige Abhandlung, hat mich doch tatsächlich von meiner schlechten Laune etwas abgelenkt.

    Ich fühlte mich unweigerlich an eine Bahnreise erinnert, bei der sich mein reservierter Sitzplatz gegenüber von einem Notsitzplatz befand, auf dem ein dicker alter Herr mir so dicht gegenüber saß, dass seine stinkende Zigarre mit fast die Haare versengt hätte. Aufstehen ging auch nicht, alle Stehplätze waren restlos besetzt.

    Wollte dich noch informieren, dass ich vorgestern im Radio von einer Aktion hörte, wo man den besten Überraschungs-Heiratsantrag sucht. Das Gewinnerpaar soll dann eine Traumhochzeit gewinnen. Nun gut, im Leben würde ich da nicht an dich denken, aber als es hieß, das ganze solle ein Antrag verbunden mit einer geocaching-Schatzsuche sein, da wurde ich doch hellhörig. Hat das etwa doch etwas mit euch zu tun??? *grinsundwech*

    Bea

    • fjonka sagt:

      „Nun gut, im Leben würde ich da nicht an dich denken“

      Brav!!

      Wünsche ganz schnell viel bessere Laune! Was auch immer sie verdorben hat, möge sich verflüchtigen wie ein Zigarrenhauch im Winde….

Platz für Klönschnack ...

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