Das scheitern war erfolgreich – vom Umgang mit schwierigen Nachschlagewerken

Vor ein paar Tagen bei BookCrossing:

Ich ändere was, drücke auf „enter“ und dann, im wegklicken des tabs, lese ich aus den Augenwinkeln diesen schönen Satz:

Das scheitern war erfolgreich.

Häh?? denke ich, klicke den tab nochmal an und sehe: ich war am lesen gescheitert, denn dort stand: Das speichern war erfolgreich. Ah!!

Das hab ich dann gestern dem Herrn F. erzählt, und wir kamen so ins spekulieren.  Scheitern – was ist das überhaupt für ein Wort?? Hat es was damit zu tun, daß man ja nicht gescheit ist, wenn man scheitert? Oder mit Holzscheiten, wie auch immer? Mit der Bescheidenheit, die uns nach dem scheitern überkommt? Hört sich alles nicht nach einem gleich faßbaren Zusammenhang an. Wir scheitern erfolgreich daran, uns dieses Wort herzuleiten.

Aber da gibt es ja noch den Kluge, viel zu selten aufgeschlagen, aber hochinteressant: Ein dicker, fetter, knallblauer (und zugegebenermaßen unglaublich häßlicher) tausenddreiunzwanzigseitiger Wortfindungsexzeß… – ein etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, so der Untertitel.

Dort hab ich also eben mal nachgeschlagen, und? Was ist?

Scheitern Vsw std. (16.Jh) Aus dem früheren zu scheitern werden gebildet; von Fahrzeugen und Schiffen gesagt, die in Stücke (Scheiter; /Scheit) brechen. KLUGE (1911), 685

Ahja. Begrenzt klüger hat mich der Kluge schonmal gemacht, unser Holzscheit-Gedanke war also nicht mal so doof, wenn wir auch nicht darauf kamen, wieso 😉 Am Rest aber scheitere ich erneut.

Vsw std.? KLUGE1911, 685?

Letzteres könnte ja heißen, daß es diesen klugen Kluge schon laaaange gibt, und er sich nun selbst zitiert: In der Ausgabe von 1911, auf Seite 685 war das scheitern dann zum allerersten Mal erklärt!? Kann das sein? Zu Vsw std fällt mir aber ü-ber-haupt nichts ein.

Gucke ich also nach.

Nicht so einfach, denn vor den hinten nachgeguckten 1023 Seiten sind eine nicht unerhebliche Anzahl in römischen Zahlen(!) durchnumerierter Seiten, die sich ausschließlich damit beschäftigen, mir zu erklären, wie ich denn nun mit diesem Buch umzugehen habe. Und in mehreren verschiedenen mehrseitigen Listen Abkürzungen erklären.

Aber was ist denn nun Vsw std? Eine „allgemeine Abkürzung“? Eine „Abkürzung einer Sprachbezeichnung“? Eine „von Zeitschriften und Reihen“? Oder eine von der Liste „Abgekürzt zitierte Literatur“ ? Wenn ich nun die XLI Seiten lange Einführung gelesen hätte, wüsste ich’s wahrscheinlich – ich denke, ich könnte daran, daß es kursiv geschrieben ist, erkennen, in welcher Liste ich gucken müsste. Ich aber wühle mich lieber durch alle Listen (immerhin alphabetisch geordnet) und werde tatsächlich fündig:

Vsw ist eine „allgemeine Abkürzung“ für schwaches Verb.  Okaaaaayyyy…. und std. finde ich in derselben Liste: Standardwortschatz

Jetzt noch der KLUGE. Ich tippe auf „Abkürzungen der Zeitschriften und Reihen“, weil ich dort Großbuchstaben sehe- und scheitere schon wieder….

Fündig werde ich bei „Abgekürzt zitierte Literatur“, bin aber nicht sicher, ob auch richtig fündig, denn: Es gibt zwar jede Menge „Kluge“, aber keine KLUGE. Und alle Kluge haben Vornamenkürzel. Nicht aber „mein“ KLUGE beim „scheitern“.

Naja, inhaltlich paßt der Kluge, der der einzige ist, bei dem (1911) dahintersteht. Das wäre dann

Kluge, F. (1911): Seemannssprache. Wortgeschichtliches Handbuch deutscher Schifferausdrücke älterer und neuerer Zeit. Halle/ S.1911. Nachdruck: Kassel 1973

Und damit bin ich dann auch am Ende. Inhaltlich sowie seelisch-geistig *g*. Informiert, und das so ausführlich, daß ich mich wesentlich dümmer fühle als noch vor einer Dreiviertelstunde- denn so lange hab ich nun gebraucht, um die 2 Zeilen zum scheitern zu verstehen.

Ich glaube, irgendwann muß ich wohl doch mal die LXXXIX Einführungsseiten lesen……

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2 Kommentare zu “Das scheitern war erfolgreich – vom Umgang mit schwierigen Nachschlagewerken

  1. DieHenkerin sagt:

    Die Faulen fragen bei so etwas bei Doktor Wort an. 😉

    • Fjonka sagt:

      …und da wir den nicht kannten, haben wir mal ge-ixquickt. Fatal! Denn der Herr erklärt alte Redewendungen, so wie mein Buch, aus dem ich manchmal zitiere, und es gibt eine Menge Beispiele auf seiner Seite…. DAS hat gedauert, bis wir da durch waren…. *g*

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