Fliegende Geschäftsmänner

Nein- es geht jetzt nicht um Orkane. Es geht um ein so schönes  kleines Alltagserlebnis, daß ich wirklich oft daran denke und auch schon öfter davon erzählt habe.

Jahre ist es her, daß ich noch immer wieder gen München aufgebrochen bin, um den Herrn F., der dort wohnte und dem meine noch frische Liebe galt, zu besuchen. Das ist gar nicht so einfach, wenn frau am A***** der Welt wohnt und dazu noch ungern reist. Auto kam nicht in Frage (ZWÖLF Stunden Fahrt!!), Bahn dauerte auch eeewig und war, wenn’s mal etwas spontaner sein sollte, teuer – also bin ich ab und an geflogen.

Und das ist nicht so richtig toll, denn ich habe Höhenangst. Ist ja nicht weiter schlimm, solange frau am Gang sitzt, nicht rausguckt und an was anderes denkt. Normalerweise sind nur die Starts und Landungen furchtbar.

Aber.

Manchmal herrscht schlechteres Wetter – und wenn dem so ist, dann wackelt es im Flugzeug. Und wenn ich OBEN bin und es wackelt, dann schlägt die Angst zu.

Ich hatte mir eine Taktik zurechtgelegt, die ganz gut funktioniert: wenn ich ins Flugzeug eingestiegen war und mich hingesetzt hatte, dann hab ich mir immer einen Yuppie rausgesucht. So einen, der eine rosa Zeitung in der Hand hält, Anzug trägt und blitzende Schuhe, und der die Aura des Vielfliegers um sich verströmt. Meist also irgendeinen Zappergecken. Zu irgendwas müssen die ja gut sein. Wenn der dann noch 1-3 Reihen weiter vorn saß- wunderbar. Konnte ich unauffällig gucken. Und wenn’s dann gewackelt hat – ein Blick: entspannte Zeitungshaltung, kein nervöser Rundumblick – ist wohl alles gut….

Eines Abends setz ich mich also wieder ins Flugzeug, Rückflug nach Hamburg, und sehe: der einzige Yuppie in meinem Blickfeld ist der Mann direkt neben mir. Etwa Mitte Zwanzig, aber seeeeehr vertrauenerweckend- alle Insignien vorhanden. Gleich nebendran schlecht unauffällig zu betrachten, aber egal, werd ihn wohl eh nicht brauchen…..

Denkste!

20 Minuten noch, da kam das Gewitter!! Und wir mussten langsam runter, also da durch. Ich brauchte Beruhigung, wirklich, unbedingt, schiele also unauffällig immer mal wieder rüber, halte mich an den Sitzlehnen gut fest und versuche, gaaaanz entspannt zu bleiben, so wie der junge Mann neben mir- da spricht er mich an. Fragt mich, ob ich noch weiter muß, erzählt mir von den großen Flughäfen und davon, wie sie sich unterscheiden und von Reisen hier- und dorthin, sagt, daß für ihn heute Hamburg Endstation ist …. und eh ichs mich versehe, sind wir auf der Landebahn.  Und da ich wieder Boden unter mir habe, kann ich auch wieder denken – und merke erst jetzt, was er da getan hat!

Der Liebe hat sich der älteren Frau sehr, sehr nett angenommen, die da mit in die Lehnen gekrampften Händen saß und ganz offensichtlich fürchterliche Angst hatte- und hat sie sehr gekonnt abgelenkt!!! Richtig väterlich war das, so ein Lütter, der auch noch so aussieht, und dann DAS! MIR!

Bevor wir ausgestiegen sind, hab ich mich noch sehr bei ihm bedankt – und mit einem freundlichen grinsen ist er Richtung Hotel geeilt ….

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Sonst so.

9 Kommentare zu “Fliegende Geschäftsmänner

  1. Rosenfrau sagt:

    *pffft* Ich muss gleich auch wieder… Und von mir kann wirklich nienienienieniemand auch nur was im Ansatz Nettes erwarten! Ich bin von diesen Gepäckbestimmungen, unfreundlichem Flughafenpersonal, bekloppten Passagieren etc immer so genervt, dass meine Umwelt schon froh sein kann, wenn ich nur todbringende Blicke um mich werfe *grrrrrr* Meist klappt’s ganz gut, wenn ich ein dickes, spannendes Buch mit habe und mich während der gesamten Dauer da reinversenken kann. Ohne dass mich jemand anspricht – ist gesünder für alle ;-p

    • Fjonka sagt:

      Weia- dann einen guten… nimm keine rosa Zeitung!! Nicht daß Du nachher dann doch noch einen furchtbar ängstlichen jungen Mann (oder so) betreuen musst, der auf Deine wenig mütterlichen Reaktionen hin erst recht zu hyperventilieren beginnt *g*

      • Rosenfrau sagt:

        Da besteht in keiner Richtugn Gefahr:
        – habe eine spannenden 500-Seiter im Handgepäck
        – hyperventilieren ist gar nie nicht mehr ein Problem, wenn ich irgendwen mit einem Blick atomisiere *veg*
        Und jetzt muss ich los, so ein Mist.

  2. neckarhex sagt:

    Was für ein netter Mensch! 😀

  3. Ach so, einen hab ich noch:

  4. Ja, so was gibts auch bei Zappergecken. Als ich im November total grippig von euch nach Hause fuhr und mich im zweiten ICE wegen Verspätung irgendwo reingequetscht hab und noch nicht mal an meinen Platz konnte weil kein Durchkommen war. Und mich zuletzt an einem Stehplatz in einem Ziehharmonikatunnel zwischen zwei Waggons etablierte, um mich rum lauter gelangweilte bis genervte, gestresste und egoistische, sogar schubsende Zappergecken. War da ein junger Mann, offensichtlich der Geckigste von allen (ich erkenne Schlangenlederschuhe und handgenähte Maßanzüge und Hemden, wenn ich sie sehe) der nicht nur die Gelassenheit in Person war sondern sich auch sehr humorvoll und aufmerksam mit mir unterhalten hat (mir war ganz fies zumute und zum heulen, er hat mich innerhalb kürzester Zeit wieder auf den Boden und in gute Laune gebracht). Er hätte mir sogar einen Sitzplatz erkämpft. Ein echter Ritter. Es gibt sie noch.

Platz für Klönschnack ...

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