Paralleluniversum – eines davon

Es gibt an meiner Postkartenwand eine, die ist wie für mich gemacht.

Laß mich- ich muß mich da mal kurz reinsteigern

steht drauf, und als ich letztlich eine der neueren Ausgaben des Spiegel las, da war’s mal wieder so weit. Thomas Middelhoff. Den Namen kannte ich, aber ich hatte die Assoziation „Fußballtrainer“. Stimmt nicht- er ist Manager. Offenbar, so steht’s da, Top-Manager. Und zwar hat er einst, vor deren Untergang, die Arcandor gemanagt (Karstadt und so- spektakuläre Pleite und so…).

Ich weiß nicht (mehr, das gemeine Volk und so auch ich, vergißt schnell) ob und wie weit der Herr Middelhoff für diese Pleite mitverantwortlich war. Aber ich lese nun, daß er gegen eine Bank klagt.

Diese Bank hat Gelder von fast 24 Millionen eingefroren, um sie als Sicherheit zu nutzen, weil die stinkreichen  die bauernschlauen die wohlhabenden Ms ihre Millionenkredite (HUNDERT Millionen) nicht mehr bedient haben. Aufgenommen hatten die Ms diese 100 Millionen Euro, um (per Immobilienfonds- Käufen) für 30 Millionen, die Herr M an Prämien und Abfindungen eingenommen hatte, keine Steuern zahlen zu müssen. Nun lief dies aber nicht wie erhofft, also mußten Middelhoffs Zinsen und Tilgung schuldig bleiben, also fror die Bank ihre Restgelder ein. Nicht alle, nur das bißchen, was oben erwähnt wurde … Zu viel aber für Herrn M – er klagte, forderte eine Art Schonvermögen.

Schonvermögen: Jene Summe, so erklärt’s der Spiegel, die Bürgern bleibt, wenn ihnen alles andere genommen wird. 750 Euro pro Lebensjahr ist der Satz für Jemanden, der gezwungen ist, Hartz4 zu beziehen.

Wenn ich den Herrn mal auf 50 Jahre schätze, wären das 37.500 Euro an Vermögen, das er behalten dürfte. Insgesamt.

Middelhoffs aber berechnen den Satz des unverzichtbaren für ihre Lebenshaltungskosten mit – jetzt bitte hinsetzen- 35.000 Euro. Monatlich. Ganz klar wurde mir aus dem Artikel nicht, ob diese Summe bescheiden für Beide gilt oder pro Person….

Jetzt kommt das „immerhin“: Immerhin wurde ihr Antrag, die Gelder per einstweiliger Verfügung freizugeben, abgelehnt. Die Richter meinten, daß es zB zumutbar sein könnte, daß die Ms ihre Lebenshaltungskosten von dem liquiden Vermögen bezahlen könnten, das bei anderen Banken läge (über eine halbe Million) Oder daß sie ihre Villa in St.Tropez verkaufen könnten, die um die 20 Millionen wert sei. (Angabe von Herrn M. in besseren Tagen) Das, so die Middelhoffs, hätten sie ja versucht, aber Niemand habe sie kaufen wollen! Für 40 Millionen.

Also, ich wünsche mir einen Knüppel in die Hand und den Herrn M. als Gegenüber, wenn ich sowas lese. Und das ist ja nicht das erste Mal, daß man sowas mitkriegt- Peanuts, wulffen undundund… inzwischen ist da ja ein Paralleluniversum der schlimmsten Art enstanden, von Leuten, die nicht die geringste Ahnung haben, wie ein ganz normaler Mensch lebt. Und leider leben in diesem Universum genau die Leute, die die Macht haben. Und das wird sicherlich auch so bleiben, denke ich. Es gibt ein recht interessantes Buch über den „Elite“- Nachwuchs

„Gier frißt Hirn“ hat wohl einmal Jürgen Schneider in diesem Zusammenhang gesagt (Erinnert Ihr Euch? Schneider, dieser Immobilienschwindler ) – ein wahres Wort.

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20 Kommentare zu “Paralleluniversum – eines davon

  1. Hier zur Ergänzung ein Artikel aus der TAZ online:
    Zitat:
    „US-Studie
    Lügen haben reiche Beine

    Reiche Menschen sind eher dazu bereit, moralische und andere Regeln zu brechen, so eine Studie. Sie nehmen sich, was sie wollen – im Gegensatz zu ärmeren Leuten.“
    Der Link dazu:

    http://www.taz.de/US-Studie/!88616/

    Und ja, ich weiß, Studien und Studien sind immer zwei paar Stiefel. Aber haben wir es nicht immer schon geahnt? Oder im Alltag erlebt….

    • Fjonka sagt:

      Na, ich weiß nicht… zu Tanke-Zeiten hab ich häufig die offenbar recht gängige Geisteshaltung des dörflichen Prekariats erleben dürfen:

      „Unverschämtheit, das! Das Sozialamt bezahlt mir keine Jalousien für mein Wohnzimmer!“
      „WAS!?“
      „Ja, die sagen, ich brauch keine, im Wohnzimmer und weil’s doch im 2. Stock ist und keiner gegenüber, kann ja eh Keiner reingucken“
      „Eine Frechheit, und DESHALB kriegst Du keine Jalousien?“
      „Ja, mal sehn, vielleicht klag‘ ich.“

      „Ich krieg kein Geld bei der Bank, von meinem eigenen Konto nicht!“
      „WIE???“
      „Die sagen, ich soll warten, bis wieder Geld kommt, ich brauch keine neue Glotze“
      „Ist die kaputt?“
      „Nee, aber so’n kleiner Bildschirm, ich will ’n richtiges, wo man was sehen kann!“
      „Und Dispo?“
      „Krieg ich nicht, aber ich wollte nen Kredit, man muß sich doch auch mal was gönnen!“
      „Die stellen sich auch immer an da! Naja, nächste Woche gibts ja Stütze“
      —-
      Tut sich allns nix….

      • Ist nochmal ein Unterschied, ob ich beim Sozialamt nachfrage, ob ich was kriege und dann trotzig werde und mich an der Tanke umme Ecke auskotze oder ob ich mir was einfach rausnehme oder ergaunere. Plus die eigene Erfahrung ist IMMER subjektiv, wer weiß wie viele Menschen du getroffen hast, die prima mit dem bisschen Stütze auskommen und sich viel von Ämtern gefallen lassen (und man muss sich richtig nackig machen bevor man bisschen was bekommt) und halt NICHT drüber reden bzw. jammern. Kann man mit ner Studie nicht vergleichen und auch da gibts immer Ausreißer.

  2. Ja, die armen reichen Leute habens schon schwer. Ich kann ja das Geld auch raushauen, wenn ich welches in der Hand habe, (das schöne ist ja, ich habe von klein auf gelernt mit ganz wenig auszukommen, also kann ich’s auch lassen) aber was ich mit 35 000 Öcken im Monat machen sollte ist mir schleierhaft. Also nur um mich am Leben zu erhalten. Und das Öko-Lohas-Trulla.

    • Fjonka sagt:

      Das Öko- WAS????
      Und: allein die Personalkosten für ihre Anwesen beliefen sich ja schon auf 32.000, haben sie gejammert (deshalb ja auch mein Verdacht, daß die LHK pro PERSON gemeint waren) …

      • http://de.wikipedia.org/wiki/Lohas
        Ach Gottchen, da MUSS man sich ja beinahe schon wünschen, dass der ganze Zivilisationsspaßß ein Ende hat und das Überleben von der Fähigkeit sich selbst was zu Essen zu ziehen (respektive sich selbst den Arsch abzuwischen, entschuldige mein klatschnianisch) abhängt und das Geld auf der Bank keinen Appel und kein Ei mehr Wert ist…

        • Fjonka sagt:

          Habbich noch nie von gehört, von den Lohas- meine Herren, was es alles gibt… Lovos und Parkos sind mir übrigens auch neu.

          Können wir ja froh sein, wir Bioladen-Gängerinnen, daß wir wenigstens kein hohes Einkommen haben und deshalb nicht in die Schublade passen 😉

          Allerdings bin ICH persönlich an dem Tag, an dem es davon abhängt, sein Essen selbst zu ziehen, verloren.. Arsch abwischen geht aber noch, obwohl ich vorgestern ob meines grusligen jeder-Knochen-tut-weh-Tages selbst damit ein Problem hatte *g*

          • Kein Thema, wir sind ja nicht allein. Ich kann Futter kultivieren, du kannst ne Unterkunft bauen mit dem Herrn F. zusammen und in Stand und warm und Zugluft frei halten. Und Honig kannst du auch „anbauen“. Ist wichtig, da es ja keinen raffinierten Zucker mehr gibt. Ich mach Klamotten und Schuhe, wir alle machen Werkzeuge und sammeln Zeugs. Und machen uns die Finger dreckig. Im wörtlichen und nicht im übertragenen Sinn wie so manche andere Leute.

            • Fjonka sagt:

              …und die Rosenfrau brauchen wir auch, die leitet die schnurrtherapeutische Praxis (da bau ich ein Extra-Räumchen im Unterstand), das wird dann mehr denn je gebraucht, und ertauscht, was wir nicht erhandwerkern/ anbauen können. Und sorgt mit ihren unendlichen Restbeständen an Gute-Laune-Tee für die passende Weltuntergangsstimmung….

              • Den Tee bauen wir auch selbst an, wenn der Rosenfrau Vorräte aus sind….

                • Rosenfrau sagt:

                  Gute Idee; wir könnten zusätzlich neue Kreationen ausprobieren:
                  – „Miesepeter“, „Weltuntergangsstimmung“..f – für alle die, die lieber jammern
                  – „Zartes Lächeln“, „Total neutral“, „Fröhlich, aber nicht albern“… für die, denen die G-L-Droge zu dolle ist…

              • Rosenfrau sagt:

                Eiwei – da brauchen wir aber noch „wahllose“ Miesekatzen… Mit unseren insgesamt drei vorhandenen wird das schwierig bis unmöglich mit der fremd-beschnurrung 😉

                • Fjonka sagt:

                  Na, der Kilian freut sich über jede Möglichkeit, endlich mal in Ruhe und bis zum Schluß (also ca 7 Stunden- von Futter- morgens- bis Futter-abends- Jemanden beschnurren zu können, der schnurrt (und liegt) momentan mindestens für 5 Patienten *gg*

          • Naja, für einen Lohas verdiene ich auch lange nicht genug. Und ich kenne so viele Leute die im Bioladen kaufen und auch wenig verdienen. Scuppies sind das auch nicht (Tante Wiki: In den Vereinigten Staaten existiert zudem der Begriff „Scuppie“ für „socially conscious upwardly-mobile people“.), es versucht ja keiner aufzusteigen. Für Menschen, die versuchen genügsam und nachhaltig zu leben obwohl sie dadurch Abstriche machen müssen gibts keinen soziologischen Fatzke-Begriff. Aber die sind wohl uninteressant, weil sie insgesamt nicht genug konsumieren.

Platz für Klönschnack ...

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