Politsch korrekt – oder vielleicht doch erstmal informieren????

Jetzt wissen wir es: „Schwarzfahren“ ist rassistisch!
Darauf aufmerksam gemacht hat der Münchener Linken-Stadtrat Orhan Akman. Der Begriff denunziere unsere dunkelhäutigen Mitbürger als notorische Schummler im öffentlichen Nahverkehr, findet er. Das wollen wir ja wirklich nicht. Doch wie sollen wir die Trittbrettfahrer in Bussen und Bahnen denn dann nennen? Nichtzahler? Das sind auch die, die dubiose Rechnungen zurückweisen.
Leistungsverweigerer? Das sind auch die, die ein Aufsatzblatt leer abgeben.
Oder sollte etwa auf Warnschildern stehen: „Missachten der Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Verkehrsbetriebe lohnt sich nicht“?
Und was ist mit Schwarzwild, Schwarzpulver, Schwarzsauer, dem Ort Schwarzenbek oder dem Tee Schwarzer Friese?
Wie singen wir „Schwarzbraun ist die Haselnuss“?
Wie sprechen wir künftig den Präsidenten unseres Bauernverbandes an?
Noch nie hat sich übrigens jemand über ein Weißbuch, über Weißblech oder eine Weißwurst beschwert – es sei denn, sie ist kalt. Vielleicht weil wir Weiße sind? Aber das sind wir ja in Wirklichkeit gar nicht, sondern rosa! Das sollte man den Roten in München mal sagen – und ich betone, dass damit sind nicht die Indianer gemeint sind!

Tonio Keller

Tja, politisch korrekt sein zu wollen ist eine Gratwanderung immer dicht am Abgrund der Absurdität entlang … und Herr Akman hängt schon mit mehr als einem Fuß in der Luft, was?

Und dann, wo er schon so korrektelt, dann vergißt er das Innen hinter Mitbürger!! Also ehrlich!!

Danke, Tonio, das war mal wieder eine richtig schöne Glosse, und ich überlege schonmal, wo ich mich beschweren kann, weil der Name des Örtchens Mohrkirch ganz klar rassistisch ist: „MOHR“kirch!!!! Das beleidigt sämtliche dunkelhäutigen MitbürgerInnen (!) nicht-christlichen Glaubens! Wen kümmert’s da, daß der Ursprung ein ganz anderer ist, genau wie übrigens auch beim schwarzfahren

6 Kommentare zu “Politsch korrekt – oder vielleicht doch erstmal informieren????

  1. Danke wieder mal für diesen interessanten Beitrag! Etymolgie interessiert mich immer 🙂

    Und hach, was hat man uns nicht alles beigebracht.

    In den 70ern: „Sagt nicht Neger, das sind Farbige oder coloured people!“

    In den 80ern: „Farbiger Mitbürger“.

    In den 90ern dann:“ Coloured people“ ist diskriminierend, es sind jetzt Bürger mit afrikanischem Hintergrund. Oder Einwanderer mit schwarzafrikanischem Hintergrund. Oder Blaaa.

    Ich habe in meiner Putztruppe einen stockschwarzen Mann aus Georgia (!Südstaaten), der war als Soldat im Irak, in Arabien, in Afghanistan. Er heißt Earl und ist eine Persönlichkeit. Nach Vertrauensbildung hab ich ihn mal vorsichtig gefragt, was er so sagen würde. Sein lapidarer Kommentar: „I’m black. So what?“

    Meine eigene Erfahrung: ich war im Schüleraustausch ein Jahr in Amerika. Nach wenigen Wochen hab ich in der Neighbourhood gar nicht mehr gemerkt, ob ich mit einem Schwarzen oder Weißen spreche, sind doch alles Menschen. Ich habe es nicht mehr gesehen. Danke Schüleraustauschprogramm, Danke Mama und Papa, dass Ihr es finaziert habt.

    Cut

    Jamaica, 1998. Ich gerate mit dem gemieteten Roller abseits der Touristengebiete an die Südküste in die Slums. Die Blicke wurden immer feindlicher, die Atmosphäre immer ungemütlicher, zum Schluss dachte ich nur noch.“Rette Deinen weißen A*sch da raus.“ Was ich dann auch tat.

    Zurück im touristisch erschlossenen Jamaica ging ich dann in einen Telefonladen. Um zu telefonieren (war vor Handyzeiten). Stelle mich in die Schlange, alle werden bedient, nur ich werde konsequent ignoriert.

    Tja, 200 Jahre Kolonialismus hinterlassen halt Spuren.

    Die Erfahrung als Weißarsch lass ich jetzt mal so stehen. Hätte schlimmer kommen können.

  2. Bibo59 sagt:

    Ist das Absicht?
    Schwarzbraun ist die Haselnuss wurde in der Hitlerjugend und der Wehrmacht gern gesungen.

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