Speziell

Hier oben im Norden ist die Bedeutung von „speziell“ etwas speziell 😉

Es ist nämlich so, daß einerseits „speziell“ einfach „speziell“ heißen kann, andererseits „speziell“ aber auch in dem Sinne gebraucht wird, in dem ich es jetzt gleich verstanden wissen will- wenn man nämlich sagen will, daß etwas (oder Jemand) ziemlich…. äh…. naja…. nun…. speziell eben ist.

Ganz in diesem Sinne speziell  ist das Haushaltswarengeschäft Ahrens am Ende dieser Fußgängerzone, das ich Euch  mal etwas näher vorstellen möchte:Geöffnet bereits seit 1904, trägt es seit 2004 (wie lange ist das noch gleich her? 2004?) stolz in den Fenstern, daß es bereits 100 ist.
Wenn man genau hinschaut, kann man noch ahnen, daß es mal ein sehr schönes, stolzes Gebäude gewesen sein muß:

Aber so wie außen ists auch innen: man muß schon genau hinschauen- Der Blick durchs Schaufenster läßt ahnen, wieso mir von einem meiner seltenen Besuche diese Momentaufnahme im Gedächtnis blieb:

Verkäuferin am Telefon: „….Ja, haben wir…… nein…. nein, nein, wir bleiben. Das Gerücht geht immer wieder um! …..Nein, wir schließen nicht!…. Nein, haben wir nicht vor, wir machen weiter! Ich weiß gar nicht, wie die Leute da immer drauf kommen!“

Ich schon….

Das spricht Bände

Ahrens ist wirklich ein Phänomen. Ich kenne sonst kein Geschäft, das so wenig aus dem macht, was es zu bieten hat, und trotzdem immer weiter lebt:

Innen gibt es noch einige der schönen, alten Holzschränke und- tresen. Sie sind zugestellt mit 60er-Jahre-Tischen, und es ist so duster, daß man sie auch sonst kaum sehen könnte. Das lockt keinen Touristen in den Laden.

Karstadt hat dichtgemacht, es gibt kein einziges Geschäft mit „Täglich-Bedarf“ in der Innenstadt. Ahrens verkauft weiter Teekessel, Porzellan, das eventuell meiner Oma gefallen könnte- wenn überhaupt- , Spielzeug, Kinderbedarf  (dafür gibt es mehrere andere Läden) und Haushaltswaren. Aber, zumindest sagt mir das das feedback unserer Kunden, eben nicht DIE Haushaltswaren, die man eben mal so braucht. Ich fand zB auch keine Pausenbrotdose für meine Arbeit (hätte mir Pumuckl oder ein süßer Clown zugesagt, hätte ich immerhin eine bekommen…) Ich konnte zwar eine bestellen, aber nuja- mehr als ein Dutzend verschiedene Teekessel, aber offenbar keine Schnürsenkel, keine Naschitütchen, keine Kurzwaren…..

Jede Menge 1A- Schaufenster – zu deren Gestaltung muß ich wohl nichts weiter schreiben.

Auch der Eingangsbereich zeigt noch Reste alter Pracht, ist allerdings durch Glasanbauten (mit hübscher rosa Plastikfolie auf den Regalen!) so verengt, daß Jemand mit Platzangst sich kaum reintrauen wird, zumal auch dort das Gefühl von „Jetzt geh ich in eine dunkle Höhle“ vermittelt wird.

im Bild sieht's übrigens heller aus als in echt. Und die Neonröhrenhalter oben sind leer. Wobei - Neonröhren würden auch nicht wirklich helfen...

im Bild sieht’s übrigens heller aus als in echt. Und die Neonröhrenhalter oben sind leer. Wobei – Neonröhren würden auch nicht wirklich helfen…

Über den Fenstern gibt es Werbeflächen. Es ist doch schön, wie man den Namen aufs Haus gebracht hat- keine Neonreklame, sondern draufgepinselt. Warum darf Niemand wissen, was es hier alles zu kaufen gibt? Man könnte diese Flächen doch prima beschriften, aber offenbar geht man davon aus, daß einfach so Jeder zu wissen hat, was Ahrens ist. Weiß aber nicht Jeder…

Aber Ihr wisst jetzt hoffentlich, was „speziell“ heißt, wenn man es kursiv schreibt oder spricht…

Alles klar??

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Stadtbild.

21 Kommentare zu “Speziell

  1. Haha, *lach*, danke für diese ausführliche Spezialerklärung von „speziell“ im Norden. Ich weiß ja nicht, ob ich da so weit gehen oder fahren müsste, „speziell“ hab ich hier schon öfters gehört, meist im Zusammenhang mit Personen („Der/die is scho sehr speziell“ mit Betonung auf sehr.

    Im Sinne von „Das muss ma scho mögen“, mit leicht abwertendem Beigeschmack, eigen, seltsam, eigenbrötlerisch, verschroben, aus der Norm fallend.

    Ich hab sooo gegrinst, so einen Laden hatten wir hier auch bis vor ein paar Jahren. Eisen- und Haushaltswaren Lievert. Ewig hohe Albtraum-, äh Altbauräume, große, allerdings „dekorierte“ (= maximale vertikale Schaufensterfläche benagelt mit fast allem, was es im Laden gab) Schaufenster, von außen sah der Laden immer aus, als wäre er geschlossen.

    Ging ich ins verstaubte, finstere Innere musste ich geraume Zeit warten, dann kamen entweder Opi oder Omi Lievert in Schurz/Kittelschürze angeschlurft und schalteten erst mal die fiesen Neonröhren ein, dann wurde ich nach meinem Begehr gefragt.

    Ich fand diesen Laden aber gar nicht soooo schlecht. Z.B. war die gesamte Front hinter der Ladentheke deckenhoch mit alten Apothekerschränken bestückt, an jedes Schublädchen war das Einzelteil angebracht, das es beherbergte. Eine Rollleiter wie in alten Bibliotheken verschafften selbst Omi Lievert Zugang, falls ein Teil unter der Decke angesiedelt war.

    Im vorderen Ladenteil gab’s Haushaltswaren. Dort hab ich manches Stück gefunden, dass sonst in ganz G-P nicht mehr erhältlich war, z.B. eine Kartoffelpresse (wer braucht das noch in Zeiten von Zauberstab und TütenPü?) Und, wie schon von Dir erwähnt, Einzelkleinteile, die ich sonst, wenn überhaupt, nur übers Internet und natürlich nicht einzeln bekommen hätte.

    Witzig: anscheinend gab es vor ein paar Jahren immer noch ein Klientel für Nachtscherb’n (Nachttöpfe), sie standen ganz offen zwischen Thermoskannen und Wärmflaschen in den Regalen 😉

    Natürlich gehörte das Haus den Ladenbesitzern, deshalb ging es so lange gut. Irgendwann übernahmen es dann die Jungen, renovierten teuer, machten ein Café draus, kamen mit den Hygienebestimmungen nicht klar und gingen unter. Was heute mit dem Laden ist weiß ich nicht, war schon lange nicht mehr im P-Teil von GaP.

  2. Hoefi sagt:

    Diesen Konsumtempel hast Du mir bislang vorenthalten! Ich bin entsetzt! Das muss nachgeholt werden.

    Ist übrigens jemandem aufgefallen, dass Wahrenshaus auch locker in einem Pratchett stehen könnte (sowohl als Wort und vermutlich auch als Laden)

  3. Hallo Fjonka,
    ach dieser Laden hat bestimmt Massen an tollen Schätzen in den hinteren Ecken versteckt und die gemalte Hausfassade finde ich soweiso wunderschön. Wir haben hier so ein obskures sehr eigenes und spezielles „Grünes Warenhaus” dort liegen Hundeleckleri neben Bonbons daneben die Rasensaat. Auf dem prominentesten und größten Verkaufstisch direkt am Eingang auf 3 Metern Hüte und Mützen. Ich bin immer ganz fasziniert wie individuell doch die bäuerliche Kopfbedeckung ist. ( Reiseroute auf Anfrage – Horst SH)

    viele Grüße Stephanie

  4. Sabienes sagt:

    Ein spezieller Dinosaurier!
    Aber schöne orangene Teekessel, sehr modern!
    LG
    Sabienes

  5. Bea sagt:

    Ja, das gute alte Warenhaus Ahrens war schon in meiner Kinderheit irgendwie verstaubt. Nichts desto trotz war ich als Kind immer glücklich, wenn wir dort einkauften, denn hier gab es so wunderbares Spielzeug.

    Ende der 70er Jahre dann war Ahrens sehr hilfreich, wenn es darum ging, mal nur eine ganz bestimmte Schraube kaufen zu wollen. Hier musste man nicht Schrauben im 10er oder 100er Pack nehmen, da ging es auch einzeln.

    Ich weiß nicht, ob es da noch diesen alten Holzschrank gibt, in dem in unzähligen winzigen Schubladen lauter Kleinkram gelagert wurde, aber vemutlich gibt´s den noch.

    Ich finde diesen Laden auch ziemlich speziell, wäre aber unsagbar traurig, wenn es ihn nicht mehr gäbe.

    • Fjonka sagt:

      Gehst Du denn dort noch einkaufen? Und was genau findest Du heutzutage dort, was Du schätzst? (Das soll jetzt nicht so negativ sein, es interessiert mich wirklich, weil ich von unserer Kundschaft natürlich immer nur mitkriege, was man dort nicht oder nur zu wohl recht hohen Preisen bekommt)

      • Bea sagt:

        Nee, da kaufe ich heute nicht mehr ein. Es ist mehr das Stück Kindheit und Jugend, das in diesem Geschäft liegt. Da werde ich dann schnell mal sentimental.

        In der selben Straße wohnte ja mein damaliger Freund, so dass ich wirklich täglich an diesem Haus vorbei kam und die Schaufensterauslagen bewundern konnte.

        Heute ist es einfach nur skurril, was sich da so präsentiert.

        Ich war auch ganz entsetzt, als der Dani-Grill geschlossen wurde, der hat mich auch so viele Jahre durch mein Leben begleitet: als Kind, wenn wir von Opa zurück kamen, da gab es dort immer ein halbes Hähnchen. Und später sind wir nachts mit der Band oft dort eingekehrt, weil man sonst nirgends mehr was zu futtern bekam.

        Später habe ich da nie wieder was gegessen (puh, das war auch ein echter Schmierimbiss), aber traurig war ich trotzdem, als er weg war.

    • neckarhex sagt:

      Sowas gibt es bei uns bis heute, allerdings war das von Anfang an vor allem ein Eisenwarengeschäft, das vor allem Handwerker bediente. Haushaltswaren gab es ebenfalls schon immer in begrenztem Umfang, aber eher Messer und andere metallorientierte Teile; das hat sich auch nicht geändert seit die sonstigen Haushaltswarengeschäfte nicht mehr existieren. Und dort bekommt man bis heute Schrauben noch einzeln – und bestimmte Modelle und Formen sowieso nur da.

      • Fjonka sagt:

        In einem Großdorf in der Nähe- da gibt es auch noch einen RICHTIGEN Landhandel. Lebensmittel hat er seit ein paar Jahren nicht mehr, aber da gibt’s vom Ersatz-Drehverschluß für die Zinkwärmflasche bis zu Geschenkartikeln, Haushaltswaren, Gartenmöbeln und Sieben für die Schubkarre (zum Kompostaussieben) Alles. Angelkram, ne Toner- und Druckertankstelle, Werkzeug, Schrauben (auch einzeln), Paketdienst, Farben und Lacke, Bürsten…. DAS nenne ich einen Laden. Da geh ich immer hin, wenn ich was haushaltsmäßig spezielles suche. Das gibts da. Zum Beispiel auch eine Fensterputzbürste am Stiel mit Abzieher. A-L-L-E-S. UND ansprechend präsentiert. Unser Fondue-Set haben wir auch von da. In der Stadt war’s 3 tage vor Sylvester nicht zu haben (oder nur für über 100 Ocken) Bei Schween gabs das.
        Haben sogar ne website: http://schween-landkaufhaus.de/
        *gg* seh grad: Ahrens hat auch eine- vergleicht selbst 😉 http://www.kaufhausahrens.de/ – ich habs also einfach nicht kapiert, es ist gar kein Haushaltswarenladen sondern ein Kinderwagenfachgeschäft!!!!
        Und das, obwohl ich täglich dort längs gehe… sie sollten meinen Rat mit der Beschriftung wohl wirklich beherzigen….

        • Ja, Schween ist toll, sowas gibts bei uns nicht, dazu ist es hier nicht ländlich genug, hier musste von Industriegebiet zu Industriegebiet zu Innenstadt fahren um alles zu kriegen was Schween so hat. Ohne Auto gar nicht so einfach manchmal. (Und trotzdem bekommt man kein „Kehrwoche“-Schild mehr. Das letzte seiner Art ist letztens gen Norden gereist. Hihi.)

        • neckarhex sagt:

          Mann, das erinnert mich sehr an den herrlichen Isenkram in Rudkøbing (einzige und Hauptstadt auf Langeland), den es seit ein paar Jahren auch nicht mehr gibt… dort bekam man auch alles, UND noch dazu eine unschlagbare Auswahl an genialem skandinavischen Design zu normalen Preisen. Ein gut Teil meiner Küchenausstattung kommt aus diesem Laden, glaube ich…

  6. neckarhex sagt:

    Alles klar! :o) Und was für ein faszinierendes Phänomen. Das läßt sich vielleicht nur so erklären, daß die Immobilie im eigenen Besitz ist, keine fremden Verkäufer bezahlt werden müssen, und da nichts in die Ausstattung investiert wird ist der gemachte Gewinn dann quasi der Reingewinn… und davon leben muß auch keiner. Oder es ist der Treffpunkt der Secret Society of teakettle lovers, die sich hier heimlich im Dunkeln trifft und nur hier ihre rituellen Teekesselkäufe tätigt, natürlich zu (gnadenlos überteuerten) Spezialpreisen… ;o)
    Wobei ich im zweiten Regal von unten meinen Traum-Teekessel sehe, den Le Creusot in knallrot. Eigentlich hätte ich den schon längst, aber wir hatten schon eine blaue Variante, der beim ersten vorschriftsmäßigen Einsatz überall das Emaille absprang. Ich habe alles nach Vorschrift gemacht, was den Rückschluß zuließ daß diese Art Kessel vielleicht doch nicht wirklich für Gasherde geeignet sind… – daher haben wir das erstmal nicht weiter verfolgt. Zum Gück konnten wir den ersten Kessel zurückgeben, da eben kein Bedienfehler vorlag, aber meine Motivation als Versuchskaninchen ist stark geschrumpft. Ich weiß auch nicht, aber wenn ich 2 Liter Wasser zum Kochen bringen will, dann ist es doch normal, den (passenden) Brenner/die Herdplatte auf volle Stärke aufzudrehen, oder?

    • Fjonka sagt:

      Mir scheint das die einzig normale Vorgehensweise und dieser Teekessel dann eventuell von der Produkt-Unterart „schön, aber taugt nix“ –

      Meine Idee war auch schon ähnlich: „das Haus gehört uns, und Nachfolger gibts eh nicht, also lohnt auch investieren nicht und was immer schon so war ist auch immer schon gut so und also machen wir einfach genauso wie immer schon weiter bis zur Rente“. Wer weiß? Schade ist es trotzdem!

  7. DieHenkerin sagt:

    Das erinnert mich ganz stark an /interessant/. 🙂

Platz für Klönschnack ...

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s