Die Essenz …

… des BookCrossing – das kam mir eben in einem Forumsthread so aus den Tasten geflossen- ist irgendwie ja auch die Essenz überhaupt:

Im Grunde muß es so sein, daß man wirklich den Anspruch an ein Buch aufgibt, wenn man es freiläßt.
Ich vergesse all diese Bücher sofort- und dementsprechend kann ich mich dann über jeden Journaleintrag immer noch freuen! Und ärgere mich nicht über all die NICHT erfolgten Einträge…
Für mich ist der wildrelease die eigentliche Essenz des BookCrossing – alles andere folgt nur daraus: die netten Bekannt- und Freundschaften, die schönen Erlebnisse (für die Neulinge mal wieder ein Hinweis auf die Geschichtensammlung), all das sind Nebeneffekte…sehr tolle Nebeneffekte, aber eben nur Nebeneffekte des wilden freilassens und eben auch LOSlassens. 🙂

Beim bookcrossen fällt mir das loslassen nicht schwer- bei vielem anderen wird es mit den Jahren etwas leichter, aber es bleibt schwierig:

  • Freundschaften, die sich auseinanderleben – inzwischen muß ich nicht mehr jahrelang damit hadern und kämpfen, aber trauern tu‘ ich noch immer
  • alt werdende Tiere (und Menschen, aber nuja, das ist NOCH ein ganz anderes Thema) – all das „sich schonmal vorbereiten“ wird letzten Endes wohl wieder überhaupt nichts geholfen haben, wenn der Tag des Verabschiedens gekommen ist
  • Lebensträume, für die es ja kein 2. Leben gibt, die aber in diesem nicht mehr verwirklichbar sein werden – der Resthof zum Beispiel ist so ein Traum: selbst wenn ich jetzt sofort einen bekommen könnte, wäre er mir doch inzwischen eher eine Belastung, die kaum zu stemmen wäre. Und deshalb ist er inzwischen ein Traum, den ich losgelassen habe. Und doch….

Und so kann ich nur hoffen, daß mir irgendwann wie beim loslassen meiner inzwischen über tausend Bücher auch im richtigen Leben die tollen Nebeneffekte des frei- und loslassens klar werden, statt mich über die nicht erfolgten Einträge (die dann vielleicht all die nicht erlebten Erlebnisse sind) zu grämen…

meint eine
heute mal ganz grundsätzliche
Fjonka

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7 Kommentare zu “Die Essenz …

  1. neckarhex sagt:

    Ein spannendes und schönes Thema, und sehr schön formuliert. Grundsätzlich fällt mir das Loslassen gar nicht einfach, in fast jeder Hinsicht, und wenn ich jetzt darüber nachdenke glaube ich daß mir das Bookcrossing dabei durchaus geholfen hat. Ich bin zwar erst seit zwei Jahren dabei, aber gerade ganz zu Anfang habe ich das Aussortieren meiner Bücher als regelrecht kathartisch empfunden. Ich bin quasi von A bis Z durch die Regale gegangen und habe sortiert in „können weg“, „muß ich drüber nachdenken“ und „kann ich mich nicht von trennen“. Ein Drittel ist in die Kategorie „können weg“ gefallen, bestehend zum kleinen Teil aus Büchern, die ich nie gelesen habe und es wohl auch nicht mehr tun werde (meistens spontan gekauft oder geschenkt bekommen, aber nicht mein Ding) und zum großen Teil aus geliebten Büchern, die ich aber nicht mehr lesen werde und ohne die ich leben kann. Gerade die letzte Kategorie gehört dabei für mich zu den Büchern, die ich auch wild releasen möchte, oder ggf. erst verringen und dann wild releasen – denn auch für mich stellt das die Essenz dar, und das Schönste überhaupt am Crossen. Zwar bekomme ich auch nur sehr wenige JEs, aber hin und wieder mal erfahre ich doch, daß mein Buch jemandem wirklich eine Freude bereitet hat, für jemanden wirklich einen kleinen Unterschied gemacht hat – und empfinde jedesmal wieder: ja, DAS ist es!
    Ich inszeniere dabei auch nicht und vergesse die Fotos meistens, sondern sehe lieber zu, ein Buch an der Stelle mit möglichst guten Findechancen auszustatten, je nachdem was für Finder ich mir an dieser Stelle erhoffe.

    Und allgemein fällt es mir seither auch definitiv leichter, Dinge loszulassen oder loszuwerden, die mich belasten. Aber es ist noch ein weiter Weg, mit den Büchern klappt das doch viel besser *lach*.

    • Fjonka sagt:

      Bookcrossen als Helferlein! Auch spannend! Aber wenn ich so drüber denke, durchaus wahr! Mir persönlich hat’s zu mehr Offenheit und größerer Kontaktfreudigkeit verholfen.
      Mir selbst ist das gar nicht so bewußt, aber alte Freunde melden mir das immer wieder zurück . „Wie, Party? Was, 30 Leute? Wie, da kommen welche, die Du vorher noch nie gesehen hast!“ Und wenn ich dann das Fragezeichen auf der Stirn habe: „Na, überleg mal, stell Dir Dich mal vor, wenn Du vor 15 Jahren mehr als 5 Leute um Dich hattest. Und jetzt lädst Du 30 ein!“
      So ähnlich.
      Und sie haben recht, ich habe früher Ansammlungen von mehr als 5 Leuten großenteils vermieden, und so richtig Lust auf „neue Menschen“ gabs auch eher weniger *g* Das hat sich SEHR geändert, und zwar seit BC (wenn ich auch denke, nicht NUR WEGEN BC)!

  2. Bibo59 sagt:

    Ist glaube ich auch ein Unterschied, ob man mit Bookcrossing im Rahmen einer Entrümpelungsaktion anfängt. (Ich habe viel zu viele Bücher) Oder ob die Verfolgung im Internet im Vordergrund steht.
    Ich mache aus meinen echten wild Releases ja meistens so ne Art Kunstevent. Also: passenden Ort zum Buch suchen, Buch hübsch hindrapieren, Abschiedsfoto, anstatt das Buch einfach irgendwo hin zu klatschen. Da spielt dann der Eintrag eher eine untergeordnete Rolle. Trotzdem schön, wenn einer kommt.

    • Fjonka sagt:

      Ja, vielleicht. Aber die Einstellung ändert sich auch mit der Zeit, das frei- und loslassen fällt (mir) leichter.
      Meine Releases sind absolut unspektakulär und kunstlos. Aber hinklatschen tu ich das Buch auch nicht, ich suche einen geeigneten Platz, der aber nicht vom Titel abhängt, sondern davon, ob ich meine, daß dort das Buch eine gute Chance auf einen Fund hat. Denn „wilde Einträge“ finde ich im Prinzip viel schöner als solche von anderen Bookcrossern, weshalb ich auch mehr wild freilasse als kontrolliert.

      • Bibo59 sagt:

        Da ich ja ein paar „hungrige“ OBCZs zu versorgen habe, lasse ich momentan fast nur halbwild frei. Aber manchmal mache ich mir den Spaß. Wenn ich schon vorher genau weiß, das Buch passt genau an diesen! Ort, dann nehme ich auch schon einmal ein Buch aus einer OBCZ um es dort hin zu bringen. Damit steigt auch die Chance auf einen Fund oder Eintrag. Wildreleases nach treffen mache ich aber nur in Absprache mit dem Vorbesitzer. Ich persönlich finde es nicht sooo toll, wenn ich ein gut erhaltenes, frisch registriertes Buch zu einem Treffen geschleppt habe, weil ich denke das sollte, könnte, möchte vielleicht noch jemand lesen und dann bekomme ich unmittelbar danach den Eintrag: „Auf dem Rückweg in einem Hauseingang freigelassen.“ Das verstehe ich unter irgendwo hinklatschen.

        • Fjonka sagt:

          Ich tu sowas- und empfinde es überhaupt nicht als hinklatschen- bei Treffen, bei denen ich dabei bin, also „frische“ Bücher wieder einstecken 😉

  3. Bibo59 sagt:

    Das hast Du aber schön gesagt. 😉

Platz für Klönschnack ...

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