Honigernte- Praxistest

Also, mal zuallererst: Alles kam anders als gedacht.

Und nicht besser.

Aber von Anfang an: Der Herr und ich, listenbewehrt und dadurch mit allem nötigen versehen, öffnen unseren Bienenkasten. Diesmal in Schutzkleidung, denn unsere Bienen sind biestig, das merkten wir schon beim hingehen. Das Wetter ist bei 20° und Sonne gut, aber allzu viel ist ja nicht mehr los in der Natur- und die Bienen sollen in dieser Jahreszeit auch ruhig biestig sein: schließlich gehts um die Verteidigung der Wintervorräte.

Wir also los. TBs lupfen, gucken. Außen Honig. Unverdeckelt. Naja, Randwaben sind eh feuchter, das wird schon. Weiter innen der doofe Krummbau mit aneinander befestigten Waben. Die wollen wir ernten, um da mal büschen klar Schiff zu machen. Aber bei der ersten dieser Waben ist auf der Außenseite viel zu viel noch unverdeckelt, die nächste sieht gut aus- bis der Herr sie rausholt und ich mit dem abfegen beginne- da sehe ich: och nöööööö: auf der Rückseite beginnt schon das Brutnest, das ist also auch keine zu erntende Wabe… Ok, also doch (noch) kein Honig.

Beim zumachen fällt mir auf: oh, da ist unten was abgerissen vom Krummbau, und das hol‘ ich raus!- Verdeckelter Honig. Ok, also doch ein bißchen Ernte. Jetzt runter mit den Bienen…. während der Herr fegt, merke ich: es krabbelt was in meinem Jackenärmel. Ich sag Bescheid, und die restlichen Bienen werden mitsamt Wabenstück im Honigeimer versenkt. Dann versuche ich, den Jackenärmel abzustreifen, ohne die drinsitzende Dame zu ärgern- aber wieso geht das denn nicht??? Ach, Kacke, der Schutzhut hat ja Gummis, die man unter die Achseln klemmt- diese Gummis müssen erst runter- „Herr F.!! Zuhülf!!!“

Tatsächlich geht’s ohne Stich, die Jacke ist aus. Jetzt schnell den vorbereiteten Sirup rein und die Beute zumachen! Ein bißchen Geklecker entfernen, und dann zusehen, daß wir die an der Honigwabe klebenden Bienen aus dem Eimer rauskriegen. Auch keine tolle Aktion: das zieht gleich eine Hummel und andere Bienen an: Räubereigefahr!!!

Schließlich aber ist auch das geschafft, rein mit der „Ernte“ ins Haus!

Bei dem bißchen sind unsere 12-l-Eimer der totale overkill, also basteln wir uns ein Kleinernte- Gefäß.

Und stellen, als alles steht, fest: Näääääh! Das Auffanggefäß brauchen wir doch für unsere Puderzuckerdiagnose! (Das war übrigens auch noch so’n Ding: wollten wir auch heute machen- bis wir feststellten, daß wir zwar alle 2 davon überzeugt waren, daß da noch ein Pack Puderzucker steht. Aber es steht keins da. Nirgends. Verschoben…..)
Schnell runter in den Keller, ein großes Glas geholt- und nun steht er und tropft.

Erste, kostbare Tropfen des flüssigen Goldes

Der Herr wollte noch sein Refraktometer ausprobieren (das ist ein Gerät zum messen der Honigfeuchte)- es geht wunderbar mit destilliertem Wasser. Mit Honig allerdings geht’s nicht. Man sieht keine klare Linie, an der die Feuchte erkennbar wäre…. Keine Ahnung, was er da falsch gemacht hat, oder ob’s am Gerät liegt….

Naja, als wir mit der ganzen Aktion durch waren, haben wir dagestanden, uns angeschaut, gelacht und festgestellt: das war ja jetzt echt der totale Schuß in den Ofen….

Wir werden nächste Woche nochmal schauen, ob wir die eine Wabe, die noch nicht genügend verdeckelt war, eventuell doch noch ernten können (die ist ja voll und zT schon verdeckelt, da denken und hoffen wir, daß das, was wir nun zufüttern, da nicht reinkommt).
Dann werden wir auch die Puderzuckerprobe machen- denn auch das suchen nach Varroen in der Windel klappt in diesem Jahr nicht so dolle: wenn wir die Schublade ganz schließen, ist sie am anderen Tag pitschenaß. Das liegt sicher dran, daß die Bienen nach diesem heftigen Wetter noch so damit beschäftigt sind, die Feuchte aus dem Honig zu ventilieren, wie sie’s sonst um diese Jahreszeit längst nicht mehr sind . Und die Linde hat ja auch extrem spät geblüht, aber gut gehonigt- wir haben ja heute gesehen, daß noch viel Honig unverdeckelt ist, also noch viel Feuchtigkeit vorhanden.

Wir würden gern BEIDES machen- Puderzucker UND Windel, um zu gucken, ob Beides dasselbe Ergebnis bringt. Auch hier heißt es: abwarten….

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Jahr 2.

10 Kommentare zu “Honigernte- Praxistest

  1. haunibeinl sagt:

    ohhh, lecker! dafür wird der erste honig umso besser schmecken! da klebt herzblut dran… und die story ist ja auch was wert. wäre ja langweilig 😉

    • Fjonka sagt:

      Ja, langweilig… das ist ein Wort, das kennt man gar nicht mehr, wenn man Bienen hat! *g*
      Gute Übung in Flexibilität und Spontaneität für Jemanden wie mich, die immer (wahrheitsgemäß) sagt: „Ich bin flexibel wie ein Amboß!“

  2. Da braucht Ihr am WE kein Kino oder sonstige Zerstreuungen mehr, das ist spannender!

    Aber was meinste, wie Euch die kostbaren Tropfen munden werden? 😉 Ich mache gerade erste Erfahrungen mit der Herstellung von Ziegen(frisch)käse, und zwar aus Rohmilch ohne Erhitzung über 40°. Ähm, interessant, mal auf mal ab, ich sehe, von wie vielen Faktoren Erfolg oder Misserfolg abhängen – aber gerade dadurch sehe ich Käse jetzt mit ganz anderen Augen!

    So wird’s Euch bestimmt auch gehen. Ich drücke jedenfalls Daumen 🙂

    • Fjonka sagt:

      >Herstellung von Ziegen(frisch)käse
      Dazu gibt’s ja gar nichts in Deinem blog!? Fände ich hochinteressant *winkmitdemZaunpfahl*

      • Ich dachte es mir schon beim Schreiben, dass so was kommt, aber ich sitz doch schon arbeitstechnisch so lange am PC, dann noch die Praxis. Da ruft halt im Sommer in jeder freien Minute der Berg. Oder der Badesee, Geocache oder whatever.

        Muss ich mal im Winter machen (obwohl die Sommermilche besser ist).

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