Qualitätssiegel: fünf bookdarts.

Luc hatte mir schon vor längerer Zeit von einem Buch berichtet, sehr angetan davon war er gewesen. Ich hatte es mir in Gedanken als „vielleicht mal nehmen, wenn BC mir’s über den Weg spült“ notiert. Und dann war Xirxe hier gewesen und hatte es mir dagelassen, auch sie schwer begeistert. „Ok“, sagte mein innerer Schmierzettel,“das steht eh auf mir, lies‘ das mal!“. Und so stand das Buch dann auf meinem „Zu lesen“-Regal. Und stand. Und stand. Und ich weiß auch, wieso es da so lange stand:

Trotz zweier Empfehlungen hatte ich die Handlung des Buches im Kopf, so wie Luc, Xirxe und der Klappentext sie mir vorgestellt hatten. Und diese Handlung ist:

Ein Mann, der Lehrer Raimund Gregorius, verläßt nach der zufälligen und kurzen morgendlichen Begegnung mit einer portugiesischen Frau ganz plötzlich den Unterricht sowie sein sehr eingefahrenes Leben und nimmt den Nachtzug nach Lissabon auf  der Suche nach den Spuren eines Autors, aber auch nach sich selbst.

Das stimmt. So ist die Handlung, und sehr viel mehr davon hat das Buch auch nicht anzubieten. Aber mich hat diese Handlung nicht besonders gereizt. Und so stand es also, das Buch. Und stand.

Irgendwann endlich habe ich es aber doch mal zur Hand genommen- und da hat es dann gefunkt zwischen mir und dem dicken Schinken! Denn die 2 haben recht: das ist wirklich ein ganz besonderes und schönes Buch, was ich da zwischen den Fingern hatte!

Und deshalb schließe ich mich jetzt den Empfehlungen an. Der „Nachtzug nach Lissabon“ (denn so heißt das Buch) war das erste Buch seit vielen Jahren, in dem am Ende 5 Bookdarts steckten, die Stellen markieren, die ich noch einmal lesen und bedenken wollte. Und als ganzes hat es mich oft zum nachdenken und überlegen gebracht.

Es gibt auch Kritik- gegen Ende hat mich ziemlich genervt, wie der portugiesische Autor, Amadeo de Prado, schon fast zum superman stilisiert wird. Ist es glaubhaft, daß wirklich jeder Mensch, der ihn mal traf, ihn sowas von beeindruckend fand, daß die Begegnung das ganze Leben beeinflusst? Das war mir doch ein bißchen arg und hat auf Dauer auch gestört, auch wenn Pascal Mercier, der Autor des „Nachtzug“ dann noch die Kurve kriegt 😉 Ich möchte da mal Xirxe zitieren, – sie kann so viel besser als ich über Bücher schreiben, und sie hat mit dem, was sie schreibt, einfach recht!!

(…) ist der Schwerpunkt dieser Reise nach Lissabon eine Suche. Die Suche nach dem, was den wahren, echten Menschen ausmacht.
Klingt, als ob sich um einen weiteren der zahllosen Lebensratgeber handelt: Wer bin ich? Was will ich? Erkenne dich selbst! Das Ganze verpackt in eine unterhaltsame Rahmenhandlung, die Gregorius auf der Suche nach einem portugiesischen Autor (Prado) nach Lissabon führt. Doch weit gefehlt. Statt der üblichen mittlerweile alltäglichen Ratschläge wie ‚Gönnen Sie sich eine Auszeit und entdecken Sie, was SIE wollen!‘, legt der Autor Schicht für Schicht all die Einflüsse offen, die das eigene Ich einzwängen, bedrängen, leiten…. Doch ist das was dann bleibt, das eigene ICH?
Durch das Lesen der Schriften des verstorbenen Prados und der Erforschung dessen Lebens erfolgt Gregorius‘ zunehmende Erkenntnis seines eigenen Ich. Prado war besessen von dieser Frage, wer er selber war und Gregorius beginnt verstärkt sich ebenso diesen Fragen zu stellen wie ganz zwangsläufig auch die Leserinnen und Leser.
Doch dies ist nur ein Thema (wenn auch das hauptsächliche) um das dieses Buch kreist. Es geht um Gott, um den Tod, das Miteinander der Menschen… Ein ungemein reichhaltiges, inhaltsschweres Werk das sich dennoch nicht allzu schwer liest. Doch es ist keine Unterhaltungslektüre die nur zu konsumieren ist. Um’s eigene Gedanken machen wird man kaum herum kommen 🙂

Das folgende Zitat ist aus dem „Buch im Buch“, dem Buch, auf dessen Spuren Gregorius wandelt. Über das ganze Buch sind immer wieder lange Zitate in Schrägschrift eingestreut, hier ist also eines, das mich angesprochen hat:

Tja.

——

Auszug aus: Pascal Mercier- Nachtzug nach Lissabon – btb 2006 – S. 163

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Lesen!.

2 Kommentare zu “Qualitätssiegel: fünf bookdarts.

  1. tilda sagt:

    Willkommen im Club. Ich kenne kaum Leute, die dieses Buch gut fanden. Hab’s auch eher zufällig gelesen und da ich zu der Zeit gerade selber „auf der Suche“ war, hatte es prima gepasst. – Bis nächste Woche 🙂

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