Tassen im Schrank

Seit Jahren habe ich DIE Kaffeetassen. Woher ich sie habe, weiß ich nicht mehr. Aber ich hatte vier Stück, und das hat gereicht. Irgendwann ist eine kaputtgegangen. Dann noch eine. Irgendwann auch eine Untertasse. Noch eine. Und noch eine. Schrecklich! Aber da gab es schon den Herrn F. in meinem Leben, und zum Geburtstag bekam ich gleich zwei neue. Dann war’s soweit: wieder gab es Bruch, Mist! Und keine neuen Tassen aufzutreiben, der Herr hat’s versucht! Nun war guter Rat teuer.

Monate verstrichen.

Eines Tages besuchten wir Freunde auf dem Campingplatz bei Langballigau, und dort am Imbiß seh‘ ich: MEINE Tassen! In großer Stückzahl! Ich hab mich ermannt und gefragt, ob ich nicht ein paar davon kaufen könne, aber ich biß auf Granit! Nicht mal eine einzige wollte man mir abgeben, man habe selbst nicht mehr so viele. Aber man glaubte mir nicht, als ich berichtete, diese Tassen seien nicht mehr zu bekommen- man habe sie im letzten Jahr erst im internet gekauft…. also hab ich mich selbst hingesetzt, und siehe da: gar nicht so schwierig, plötzlich! Bei amazon für 24, 90 Euro, 6 Stück!

Aber Fjonka, nicht dumm, guckt sich noch die hp des Verkäufers an- und da gab es die 6 für nur 18,40 Euro- gesehn, gekauft! Selbst mit Versand noch billiger als bei amazon….

DIE Kaffeetasse: schön anzusehen, gut in der Hand liegend, mit angenehmem Mundgefühl und optimal abgestimmt:  1 Löffel Espresso in die Kaffeemaschine, Tasse voll- optimaler Geschmack!

Und doch, auch hier bewahrheitet sich, was heutzutage wahrer ist denn je:

(*sing*) daß nichts bleibt, daß nichts bleibt wie es war (*nichtmehrsing*) – denn waren schon die vom Herrn besorgten Nachschubtassen farblich, was den modifizierten Schriftzug betraf und am Henkel etwas anders als das – optimale – Original, so stellte sich beim auspacken der Neulinge heraus: man hatte inzwischen den Schriftzug schon wieder leicht verändert, und leider sind auch Größe und Dicke nicht mehr ganz dieselbe. Die neuen Tassen sind etwas größer, dünner und leichter als die alten.

Von alt nach neu von links nach rechts. Ich gebe zu, man sieht auf dem Foto die Unterschiede nicht allzu gut.

Und?
Geschmacklich macht das, so weit ists inzwischen durchgetestet, nicht allzu viel aus.
Es paßt alles nicht so recht zusammen  – auch das nicht so schlimm, weil meist eh nur wir Beide diese Tassen nutzen.
Was aber schade ist, ist, daß durch das dünnere Material Mund- und Handgefühl nicht mehr so schön sind.

Ich werde ja niemals begreifen, warum man ständig Dinge ändern muß, wenn sie doch gut sind, wie sie sind- der Wahn, anders sei immer auch besser hat sich mehr und mehr durchgesetzt in den letzten Jahren, und so ist es inzwischen kaum noch möglich, irgendetwas nachzukaufen, was man durch ausprobieren für gut befunden hat:

  • die optimale Jeans, mit Etikett beim Händler angefordert, ist „nur ganz leicht im Schnitt angepaßt“ und paßt jetzt nicht mehr;
  • die bewährte Espressosorte wird nun etwas feiner gemahlen- und verstopft unsere Maschine;
  • für das feine Spülmaschinensalz, das es jahrelang überall gab, müssen wir inzwischen in einen Extra-Laden, der es als einziger (noch?) hat, besorgen – unsere alter Franz streikt aber mit jeder gröberen Sorte, und auch tabs kann er nicht ab.

Sowas halt.
Ich finde das je nachdem schade bis ärgerlich, aber diese Entwicklung ist wahrscheinlich nicht mehr zurückzudrehen.

Und nein, ich bin noch NICHT in dem Alter, da früher immer alles besser war….

19 Kommentare zu “Tassen im Schrank

  1. neckarhex sagt:

    *grins* Ich kann Dich gut verstehen! Gerade bei Tassen ist für mich der haptische Genuß ein Bestandteil des Ganzen. Auch wenn es sich bei uns um anders gearteten Tasseninhalt dreht. Mein aktueller Lieblings-Ceylon, ein Kenilworth von Mariage Frères schmeckt nur in den altmodischen, geerbten kleinen Jenaer-Glas-Tassen richtig gut, der darf auf keinen Fall in einen der Becher. Bei denen haben wir es allerdings gut: trotz großer Auswahl trinken wir beide am liebsten entweder aus den handgetöpferten unserer dänischen keramikerin, oder aus unseren Mumin-Tassen. Die Mumin-Tassen sind von Material und Form her erfreulich einheitlich, aber jede ist im Dekor anders und wird zumindest von mir nach Stimmung ausgesucht. Die handgetöpferten Tassen kommen in diversen Variationen daher, sehen auch alle anders aus, weil absichtlich in verschiedenen Dekoren gewählt, aber „fühlen“ sich alle gleich an, zumindest wenn es um die gleiche Form geht. Da sie alle nach und nach gekauft wurden stammen sie aus verschiedenen Jahren und Serien, und das „gleiche“ Gefühl kommt vielleicht daher, daß sie alle unter denselben Händen entstanden sind.

  2. Schon lustig, wie viele Tassenfetischisten es gibt 😀 Ich hatte diese Diskussion mal mit gato, evtl. sogar im Forum (? Weiß nicht mehr genau). Sie benutzte interessanterweise genau dieselben Kriterien wie Du. Ich schickte ihr ein Photo meiner Lieblingstasse, und siehe da, es war exakt dieselbe (bis aufs farbliche Design, aber das ist bei dieser Tassenreihe kein Wunder).

    Die Alfredo-Tassen finde ich auch klasse – bloß trinke ich vielleicht 3x/Jahr einen Espresso, lohnt sich also für mich nicht, den Tassen nachzujagen.

    Volle Zustimmung zu den verschlimmbesserten Produkten. Aus meiner Lieblingstasse brach nach Jahren der Boden raus (zu heftig abgestellt), bei der Suche nach einer neuen griff ich zunächst unaufmerksam nach einer ähnlichen – zu Hause das böse Erwachen. Zu schwer, Wand zu dick, Material anders. Steht heute noch weitgehend ungenutzt im Schrank. Hab aber inzwischen wieder eine der ursprünglichen gefunden.

    [PS: und OT]: war ein paar Tage offline, Festplattencrash].

    • Bea sagt:

      O.K. ich oute mich auch als Tassenfetischistin. Nur diese Alfredo-Tassen sind so ziemlich das Gegenteil von dem, was mir in Sachen Tassen gefällt. 😉

      Außerdem bin ich noch eine Teller-, Messer-, Gabel-, Löffel- und Glasfetischistin. Und immer wieder bekomme ich dieses ätzende Messer hingelegt, das ich partout nicht leiden kann, wenn ich nicht selbst den Tisch decke.

      In der Tat gibt es Menschen, die die Unterschiede zwischen gut in der Hand liegenden Besteck- und Geschirrteilen und solchen, die sich absolut schrecklich anfühlen, nicht spüren.

      Mir ist das ein Rätsel.

      • Fjonka sagt:

        Mir auch.
        Ich geb Dir dann mal ne Alfredo-Tasse ….eine von den alten. Dieses Mundgefühl…. phantastisch!!! 😉

      • Steffi teff42 sagt:

        Immerhin gibt es doch Möglichkeiten die ungeliebten Tassen sinnvoll zu verwenden:
        http://www.weupcycle.com/tag-243-schnabeltassen/

        • neckarhex sagt:

          Die Tassenidee ist ja witzig! Aber macht es da nichts, daß Regenwasser reinlaufen könnte? Ich bin noch nicht so Wildvogelfütterfahren, aber mein Vater predigt mir immer Regenschutz wegen Schimmelgefahr.

          Das mit dem Aufhängen ist aber klasse, das muß ich mal dekorativ ausprobieren – für kleine Blumensträußchen oder kleine Pflanzenableger…
          Bei uns werden Tassen, aus denen nicht (mehr) getrunken wird, oft anderweitig eingesetzt. Sind allerdings meistens kaputtgegangene und geflickte Lieblingstassen, die nicht mehr dicht sind oder zu fragil, oder geschenkte schöne, aus denen es sich aber nicht so angenehm trinkt. Die dienen dann als Stiftebecher, Blumenübertopf, Teefilterablage, Pflaster- und Kleinkramsammelstelle, Zahnbürstenhalter…

          • Fjonka sagt:

            ich denke, bei den in Fett eingelegten ist das nicht so problematisch wie beim Streufutter mit dem Schimmel. Und die Feuchte sthet ja nicht, sondern kann ablaufen. Das ist ja bei Meisenknödeln auch nicht anders.

          • Die Grundlage dieser Art Töpfe ist, soweit ich weiß, Rindertalg, in den verschiedene Körner eingearbeitet werden. Vielleicht ist das Fett so wasserabweisend, dass Regen und Schnee nix ausmachen. Hab sowas früher aus Blumentöpfen gemacht, da blieb das Loch oben auch offen. Vor allem Meisen gingen da gerne dran, weil sie fast die einzigen waren, die es konnten und deshalb nicht von größeren Vögeln oder Eichkatzeln gestört wurden.

  3. Bea sagt:

    Mein Badschrank quillt über vor lauter Fehlkäufen in Sachen Shampoo und Deo. Und dies nur, weil MEINE für tauglich befundenen Produkte ständig wieder durch „NEUE“, angeblich noch bessere Mittelchen ausgetauscht werden. Angeblich lediglich „verbesserte-Rezeptur“-Produkte erweisen sich als komplett andere Mittelchen, die gar nicht so sind, wie das Vorgängermodell.

    Nur was tun mit den ganzen angebrochenen Flaschen? Und es dauert ewig, endlich wieder ein Shampoo zu finden, das meine Haare nicht elektrisiert oder ein Deo, das keine brennenden Ausschläge hervorruft. Das nervt gewaltig. Und kaum habe ich ein Produkt gefunden, das meinen Ansprüchen zumindest nahe kommt, da ist es schon wieder durch ein NEUES ersetzt. Es ist zum Haareraufen.

  4. humpty sagt:

    Erinnert Ihr Euch noch an den Aufruhr, als es auf der Kinderschokolade ein neues Gesicht zu sehen gab?
    http://tinyurl.com/8hu2wln

    • Fjonka sagt:

      *lol* dafür bin ich wohl zu alt- ICH erinnere mich daran, daß „der Alte“ irgendwann nicht mehr sauber gekämmt, sondern mit strubbligem Seitenscheitel zu sehen war (und hatte er nicht vorher sogar ein GANZ weißes Hemd und Schlips getragen??), und daran, wie blöde DAS kam. Dieses neue Milchgesicht in blond ist mir gar nicht geläufig….

  5. humpty sagt:

    Oh ja, das kenne ich auch! Seit über 10 Jahren habe ich einen ganz bestimmten Kajalstift verwendet: super verträglich, schön aufzutragen, ist nicht nach 10 Minuten schon wieder verschwunden und bricht beim Anspitzen nicht ständig ab. Kürzlich habe ich dann feststellen müssen, dass die Farbe (ein dunkles, dezentes Braun-Lila, nicht zu rotstichig, nicht schreiend) aus dem Sortiment genommen wurde. Es hat ewig gedauert, einen ansatzweise adäquaten Stift zu finden, mit dem ich nicht aussehe, als hätte ich nächtelang durchgeheult.
    Jammern auf hohem Niveau? Vielleicht, aber wenn man sich so sehr an etwas gewöhnt hat, fällt die Umstellung schon arg schwer…

  6. PurpurBête sagt:

    Hihihi, fjonka, das Zentrum des Universums ;o)
    Nicht jeder Mensch findet jedes Design gleich angenehm. U.a. aus diesem Grund gab es in einem Hamburger Museum mal das Designlabor. Ich habe dort u.a. mal 20 verschieden Stühle ausprobiert in einer Gruppe von 20 menschen. interessant, wer da warum welche Vorlieben hatte.
    Und ich hatte zwei IDEALE Tassen (eher Becher). Die waren das genaue Gegenteil von deinen (aus denen ich nur auswärts freiwillig und ohne Murren trinken würde). Eine habe ich verschenkt, die zweite ging zu Bruch.
    Insulanerin brachte mir dann ganz stolz aus dem Urlaub das, was sie für passenden Ersatz hielt. Entsetzlich! zu schmal, zu hoch, zuwenig Füllmenge, zu dickwandig. Im Baumarkt fand ich dann mal was, was ich einigermaßen erträglich fand, leider hässlich, bei Tch*bo gabs die gleichen Eimer dann mal in einfarbig violett. Das ist jetzt meine fast ideale „Tasse“ (Eimer). Und LatteM. trinkt „man“ ja eh aus Gläsern. Zumindest in MEINEM Universum!

    • PurpurBête sagt:

      Denkt Euch bitte alle die Tippfehler weg. Danke.

    • Fjonka sagt:

      Ja, genau!
      “ fjonka, das Zentrum des Universums “
      Wer auch sonst? *gg*
      Du bist übrigens nicht allein, mir wurde schon öfters gesagt, daß ich immer mal gern so absolut spräche… ich kann mich bloß nicht dazu durchringen, jedem Satz/ Absatz ein „meiner Meinung nach“, „so finde ich“ oder so hinzuzufügen. 😉
      Dabei dürften ja Deine Eimer gern neben meinen Tässken koexistieren, aber es müssten doch Beide nicht dauernd modifiziert (achja, das schöne Wort „verschlimmbessert“ gibt’s ja auch noch) werden!

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