Achtzehn

Es ist schon ein paar Jahre her (genauer gesagt: zwei), da haben der Herr und ich im Urlaub den Hainich unsicher gemacht. Der Hainich, das ist ein ziemlich großer Nationalpark in den FNL (auch so ein Ausdruck, der sich irgendwie nicht gehalten hat, den ich aber ganz passend finde. Ex-DDR würde ja auch gehen, und es gibt ja Menschen, die alle beide Namen furchtbar diskriminierend finden- egal…) Wir waren jedenfalls in Mihla, in einerm ehemaligen Lehrlingswohnheim einer LPG, das inzwischen ein Hotel ist (Hotel Sandgut Mihla) und VOR seinem Lehrlingswohnheimsdasein im 17.Jhdt als Vorwerk (?) für die Barone von Harstall erbaut wurde. Jetzt war es ein wunderhübsches altes Haus in einem sehr schönen Garten, dem man innen das Wohnheim, aber auch die schönere Vergangenheit noch gut ansehen konnte- es gab Neonröhren in langen Fluren mit häßlichen Türen und Teppichböden. Die Flure gingen ab von einem geradezu herrschaftlichen Treppenhaus mit geschwungener Holztreppe- mit PVC-Belag. Und unser Zimmer hatte sich, glaube ich, seit dem Lehrlingszimmer-Dasein überhaupt nicht verändert: kein Bild an der Wand, 60er-Jahre-Style-Möbel, minimalistisch, auch hier: Neonröhren- aber mit einem sensationellen Blick aus alten Urzeit-Fenstern ohne Thermoverglasung über die Werra. Da flogen Milane und Störche- wirklich toll. Und günstig war’s auch – wir wollten eh viel draußen sein, also sollte es sauber und nicht teuer sein. Das war es.

mi

Wir sind auf dieses Urlaubsziel gekommen, weil ich per Zufall zuvor eine Doku über das grüne Band im TV entdeckt und verfolgt hatte. Ein Mensch mit Hund ist dieses Gebiet abgewandert, Schwerpunkt seiner Reportagen waren Natur und Tierwelt. Die Folge über den Hainich fand ich so klasse, daß ich da auch hinwollte. Hat sich auch wirklich gelohnt, es gibt dort wunderbare Wanderwege, einen schönen Baumkronenpfad und es war ein ziemlich nostalgischer Urlaub dazu, weil wir überall und immer wieder das Gefühl hatten, in unsere Kinderzeit zurückversetzt zu werden. Das allerdings lag sicher eher an FNL als an Hainich- Obwohl schon so viele Jahre vergangen sind, merkt man der Gegend fast 50 Jahre Nicht-Wirtschaftswunder deutlich an, vor allem auf dem Lande:

Fenster

tolle Schnitzereien, alte Metallverkleidungen. Viel ist renoviert. Viel geht wohl endgültig kaputt

el

ganz normal: alte Elektrik wie ich sie seit Kindezeiten nicht mehr gesehen hatte

schl

auf den ersten Blick: wunderschön! Auf den zweiten: wegen Einsturzgefährdung gesperrt

Leider habe ich viel zu wenig Fotos gemacht von all den Reklametafeln aus der Vorkriegszeit, den Trafohäuschen (wann hab ich hier das letzte Trafohäuschen gesehen??), den 60er-Relikten. Aber eines hab ich dann doch noch im Bild festgehalten: diesen Vorgarten (ja, VORGARTEN!)

TrabiAm liebsten wäre ich wühlen gegangen……. Nuja, was ist denn nun die message dieses Beitrags? Keine Ahnung! Vielleicht ein „ach, da will ich nochmal wieder hin, und zwar will ich diesmal auch schaffen, was wir letztes Mal versäumt hatten: paddeln gehn nämlich“?  Oder ein „Mann kann das schön sein, wenn man nicht immer alles gleich renoviert“? Oder auch ein „fahr da mal hin, der Hainich ist toll“? Aber dann hätte ich für Viele sicherlich andere Bilder auswählen sollen.

Ja, wir waren auf der Wartburg und in Eisenach. Wir haben wunderbare Natur gesehen, bei unseren Wanderungen, und phantasievolle Wanderwege entdeckt. Wir haben den Turm gefunden, ganz zufällig. Und wir hatten einen Unfall, bei dem des Herrn Auto einen Totalschaden davongetragen hat, und der ihm, der auch noch extrem unter Heuschnupfen gelitten hat, den Urlaub ziemlich verhagelt hat. 2 Tage waren mit neues-Auto-suchen ausgefüllt- auch deshalb möchte ich gern nochmal in die Gegend- unter besseren Vorzeichen, hoffentlich.

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6 Kommentare zu “Achtzehn

  1. Jaelle Katz sagt:

    Das ist ja witzig: Aus Mihla stammte einst meine Urgroßmutter, Jahrgang 1899 🙂
    Viele Grüße

  2. humpty sagt:

    Oh ja, das waren der Herr Kieling mit seinem Hund Cleo, die da auf Wanderschaft waren. Eine tolle Dokumentationsreihe!

    Übrigens auch von Dir. 🙂 Manchmal tut es schon weh, wenn solch wunderschöne Häuser sich selbst überlassen werden, oder? Aber genauso weht tut es, wenn sie verschlimmbessert und in kitschigem Zuckerguss wieder ins Leben geholt werden… Ich bin da immer hin- und hergerissen.

    Übrigens, falls es Euch doch mal wieder nach Thüringen verschlagen sollte, hätte ich einen Tipp:
    In dieser Senfmühle (http://www.premiumsenf.de/) kann man eine Ferienwohnung mieten. Liegt enorm idyllisch – und nebenbei: die Senfsorten sind zum Niederknien lecker. Ich verwende gar keinen anderen mehr.

    • Fjonka sagt:

      Richtig, Kieling heißt er! Ein sehr gewöhnungsbedürftiger Typ, aber eine sehr interessante Doku!
      Wa die Renoviererei angeht, so denke ich immer: sowas wie oben in den Bildern kann wenigstens noch gerettet werden- ist erstmal Vollwärmeschutz drüber/ sind erstmal in den 70ern Drehkippfenster einscheibig eingesetzt worden/ ….. ist alles zu spät. Dann besser so, da gibt’s noch Hoffnung. Und es sieht aj auch wunderschön aus, so im Verfall begriffen, wenn’s noch nicht ganz kaputt ist!
      Und die Fewo hab ich jetzt ja verlinkt- mal schaun! 🙂 Sieht durchaus nett aus.

  3. Äppelken sagt:

    Ich steh ja auf Verfallenes.

  4. Bibo59 sagt:

    Der Vorgarten ist ja wirklich idyllisch. Nä, ich hätte wohl eher im Wald fotografiert. Aber wenn ich aus den Kartons raus bin werde ich wieder bloggen und dann gibt es auch was zu gucken für Dich.

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