twejuntwennich …

… kleine Gespräche gibt es in dem Buch „Verstehen Sie das, Herr Schmidt?“, in dem ich in letzter Zeit mit wachsender Freude immer mal gelesen habe. Ich gehöre nicht zum Fanclub des Helmut Schmidt (denn dieser Herr Schmidt antwortet auf Fragen eines Zeit-Redakteurs), obwohl ich Loki und Smoky wunderbar finde 😉 und auch durchaus bewundern kann, daß Jemand in diesem Alter noch so viel erinnert, so analysieren kann und so viel zu sagen hat. Trotzdem finde ich diese „Ich rauche, wann und wo ich will, denn ich bin Helmut Schmidt“- Attitüde unmöglich, ebenso wie einige Ansichten und die Überheblichkeit, mit der er diese manchmal vertritt. Und doch war dieses Buch wirklich eine Freude, allein auch schon deshalb, weil man, während man liest, die knarzende Hamburger Stimme gleich mithören kann, so charakteristisch ist des Mannes Ausdrucksweise. Und die mochte ich schon immer.

Aber ich habe auch einige Denkanstöße bekommen- besonders in einem Falle hat sich fast schon ein kleiner Schalter in meinem Hirn gedreht. Und da mir das so oft nun auch wieder nicht passiert, möchte ich gern davon berichten.

Es ist das Gespräch „Über Spekulanten, die Staatsverschuldung und eine Rettung Griechenlands“ Was wird geschehen, wenn Griechenland nicht gerettet werden kann, oder vielleicht auch, wenn es die Sparauflagen nicht erfüllt und deshalb fallengelassen wird. Herr Schmidt sagt als Ende einer Antwort:

„Sicher ist jedenfalls, daß die Griechen, egal, wie es jetzt weitergeht, vor einer Reihe bitterer Jahre stehen.

Daraufhin der Fragesteller- und während ich das lese, erkenne ich mich, die das auch schon öfter mal gedacht und gesagt hat, wieder:

Kann man da nicht sagen: Selber schuld?

Und jetzt Schmidt:

Wissen Sie, ich will das einmal mit der deutschen Situation nach dem Ende des 2. Weltkrieges vergleichen. Natürlich hätten die Amerikaner oder Franzosen damals sagen können: die Deutschen haben selber Schuld, laß sie doch verkommen in ihrem Elend! Das haben sie aber nicht getan. Stattdessen haben die Amerikaner den Marshallplan erfunden (…) Im Verhältnis zur damaligen Lage Deutschlands und zur Hilfsbereitschaft dieser Länder, die wenige Jahre zuvor noch unsere Kriegsfeinde gewesen waren, ist das gegenwärtige griechische Problem ein geringfügiges- und der Teufel soll die europäischen Regierungschefs holen, wenn sie es nicht fertigbrächten, Griechenland zu retten!

Tja.

In demselben Gespräch spricht Schmidt sich auch (er sagt, wie seit Jahrzehnten) für eine rigorose Regulierung der Finanzmärkte aus, und in einem anderen meint er, daß jeder Politiker, der keinen Beruf hat, in den er zurückkehren kann, falls es nicht klappt mit der Politik, viel zu abhängig ist und daß es sowas gar nicht geben dürfte. Undundund. Ich hatte das Buch eigentlich als Geschenk gekauft- aber ich denke, das möchte ich lieber behalten und ab und an mal wieder reingucken… muß ich wohl ein Zweitexemplar anschaffen….  Bücher, die mich zum denken bringen- das gibt es nicht so oft!

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Lesen!.

2 Kommentare zu “twejuntwennich …

  1. DieHenkerin sagt:

    Jetzt musste ich doch glatt mal was auf meine Wunschliste setzen. 🙂

Platz für Klönschnack ...

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