3 gute Gründe für einen Kappeln-Besuch

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Der Himmel über Kappeln, samstagsnachmittags um drei bei 9°

Kappeln. Wieso sollte Irgendjemand samstagsnachmittags nach Kappeln?? Es gibt keinen Grund, wirklich nicht- außer man heißt Herr F. und braucht dringend neue Jeans. Dann fährt man samstagsnachmittags nach Kappeln, denn bei den letzten Besuchen (immer im Abstand von 2 Jahren) gab es dort regelmäßig in einem kleinen Laden relativ schnell die 2 Jeans zu finden, die einen Herrn F. ohne viel Aufhebens wieder durch die nächsten 2 Jahre begleiten. Auch diesmal hat das wieder geklappt. Einigermaßen jedenfalls, aber richtig schöne Jeans kann man in Zeiten, da es nicht mehr Auswahl als „von oben bis unten hauteng“ und „oben beulig, unten hauteng“ gibt, nicht erwarten.

Wir hatten übrigens Glück: in Kappeln – Landarzt, Touristen und Deekelsen-Platz zum Trotz – haben die Läden fast alle um 14 Uhr zu. Wir kamen um kurz vor, und „unser“ Jeansladen schloß um 14:30….  Also standen wir mit 2 Jeans im Beutel ratlos um 14:40 in der Innenstadt vor geschlossenen Türen und überlegten: und jetzt??? Da fiel mir dann der schöne Werbespruch ein:

Sage Kappeln nie adieu
ohne einen Fisch von Föh!

Und so beschlossen wir also: wir gehn Fischbrötchen essen bei Föh!

Das mag sich jetzt nach nix besonderem anhören, ist aber immerhin ein zweiter Grund, Kappeln nicht ganz zu meiden (ein dritter fällt mir grad spontan nicht ein, aber wer weiß… *g*) Föh ist nämlich der weltbeste Fischbrötchenmacher, Aalräucherer und überhaupt Fischverarbeiter!
Ich weiß, wovon ich spreche. Denn ich bin Grätenphobikerin. Fast jedenfalls. Immerhin so doll, daß ich kaum je mal einen Fisch esse, außer Aal oder Fischfrikadelle. In jedem Fischfilet ist eine Gräte, da kann mir erzählen wer will, was er will. Außer bei Fiete Föh. Da esse ich (samstagsnachmittags in Kappeln genau so geschehen) freiwillig ein Forellenfilet-Brötchen und tausche nach der Hälfte mit dem Herrn, der ein Makrelenfiletbrötchen hat. Ich muß nicht mal jeden Bissen totkauen wie sonst- denn ich habe Vertrauen. Und es wird nicht enttäuscht!

Heute gab es dann noch einen Bonus obendrauf:

normalerweise ist auf der Fischterrasse neben dem Verkaufsraum immer jeder Strandkorb besetzt. Jedesmal, wenn ich dort war, habe ich einen Blick riskiert und bin dann ob der Menschenmassen (man steht oft ne Viertelstunde an für’s Fischbrötchen trotz 4-5 fixer Verkäuferinnen) schnell wieder verschwunden. Samstags schließt aber Fiete Föh um 15 Uhr. Wussten wir nicht, waren aber um viertel vor da: keine Schlange, alle Strandkörbe frei! Wir also den mit dem schönsten Sonnenschein ausgesucht, Fischbrötchen gekaut und die Aaaltürme betrachtet (das sind die Schornsteine der Räucherei)

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Und dann was entdeckt, was wir noch nie gesehen haben- eben weil wir noch nie bis AUF die Fischterrasse vorgedrungen waren: da drauf ist nochmal ein Verkauf! Und dort gibt es Getränke und warmes Essen, und das sieht sogar richtig lecker aus!

P1040691Na, das probieren wir dann auch irgendwann mal. So viel ist klar.

Wir also saßen und saßen, und als wir irgendwann dann wieder los wollten (auch der Terrassenverkauf hatte nun dicht), da war die Tür zur Treppe, die man zu Fiete Föh hochgeht, zu. Oh ha! Was jetzt?

Hinten rum versucht, da hatte der Herr welche gehen sehen.

Nee, auch zu.

Also mussten wir dahin, wo sonst Keiner durchkommt: durch den Personalausgang, mitten durch die Räuchereigänge (also- nicht: durch die Räucherei. Aber durch die Gänge, die dran vorbei in den Hinterhof führen). Doll, das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und habe noch zwei Fotos gemacht:

P1040694 Da sieht man ne Schubkarre voll mit Holzschnipseln zum Räucheröfen-anheizen, und hinten sind die Türen zu den Öfen. Und hier: P1040695eine von den Türen. Schick, ne?

Und so war unser Kappeln-Besuch diesmal also ein voller Erfolg, und wenn Ihr je in unsere Gegend kommt  und eine Jeans braucht, dann vergesst nicht, zu Föh zum Fischbrötchenessen zu gehen.
Aber ehrlich: falls Ihr keine Jeans braucht- dann lasst Kappeln Kappeln sein – sonst ist da nämlich so dermaßen nichts, was einen Besuch lohnen könnte …

obwohl… ich hab mir auch noch von den zwei Ruinenhäusern (Ruinen, seit ich hier wohne) die von einer riesenhaften Clematis total dichtgewuchert sind, 3 kleine Ableger-Clematisse aus den Treppenritzen ausgebuddelt.
Für Clematis-Liebhaber lohnt sich also auch ein Besuch (in der Prinzenstraße übrigens!!)  Noch jedenfalls – ich glaube nicht, daß die Häuser noch lange stehen werden: im letzten Jahr wurde schon die Brombeer- Clematis- Holunder-Wildnis in den zugehörigen Hinterhöfen gerodet. Das ist meist der Anfang vom Abriß … also: auf nach Kappeln, solange es wirklich noch DREI gute Gründe gibt, dorthin zu fahren….

P.S. Unten in den Kommentaren machte mich Jemand drauf aufmerksam, daß ich einen wirklich guten Grund, Kappeln einen Besuch abzustatten, glatt vergessen habe – Das Case Kreol, eins der besten Restaurants weit und breit. Für uns ist das natürlich kein Grund, NACH KAPPELN zu fahren- wir fahren abends GUT ESSEN- und das ist halt zufällig in Kappeln- aber für jeden Kappeln-Besucher von weiter weg möchte ich mal ausdrücklich erwähnen, daß nach dem Fischbrötchen mittags am Abend dieses kreolische Restaurant eigentlich ein Muß ist!!! 🙂

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Stadtbild.

14 Kommentare zu “3 gute Gründe für einen Kappeln-Besuch

  1. PurpurBête sagt:

    drittens ist Kappeln ganz allgemein ziemlich entzückend, es vermag sogar Großstadtpflanzen zu begeistern, die sich sonst mit Grausen wenden, bzw. winden, sobald das Wort Kleinstadt fällt. Und viertens: das Kreolische Restaurant. Das ist doch in Kappeln, oder hab ich da was falsch im Kopf??

    • Fjonka sagt:

      Mit dem Kreolen hast Du natürlich absolut recht- der war bei uns für einen Kappeln-Ausflug nicht im Kopf- da fahren wir ja abends extra hin, der hat (für uns) so direkt mit Kappeln ja gar nix zu tun. Ist aber tatsächlich eines der besten Restaurants weit und breit und wird deshalb gleich mal oben noch ergänzt…
      Entzückende Seiten Kappelns habe ich allerdings noch nicht entdecken können, das ist halt doch Geschmackssache….

      • PurpurBête sagt:

        Ich kann das jetzt auch nicht mehr genauer sagen, WAS ich da so entzückend fand. Es war Anfang der 2000er Jahre, dass ich ein paarmal dort war. Kann es sein, dass Kappeln mit dem Bau der neuen Brücke auch sehr verloren hat?!

        • Fjonka sagt:

          Eigentlich nicht, denn seither kann man direkt am Wasser promenieren, weil die neue Brücke an einer für die Innen“stadt“ günstigeren Stelle liegt und dadurch kaum noch Autos am Wasser längs fahren (dürfen) Aus der Straße haben sie dann auch eine richtige Promenade mit vielen Touristenfallen-schlechtes-Essen-schlechter-Kaffee-Gaststätten gemacht. (Und 2 mit gutem Essen, aber in ganz Kappeln gibt’s nur einen einzigen Laden mit gutem Kaffee) Also liegt’s daran wohl nicht.

  2. Hach, Aal… *träum* Kriegt man hier sooo selten. Außer bei der Mordsee, und die haben keinen Fisch 😦

  3. Also für Fiete Föhs Fischbrötchen würde ich glatt meine tierfreie Diät kurz unterbrechen. Woll!

Platz für Klönschnack ...

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