Wachs

Ich lese gerade ein grandioses Buch- nämlich „Phänomen Honigbiene“, von Jürgen Tautz- demselben Würzburger Bienenforscher, von dem auch das  Hörbuch ist, das ich letzten Winter mal verlost hatte (bzw verlosen wollte– es wurde ja als Preis verschmäht, wandert dafür jetzt aber durch die Lande zu diversen interessierten BookCrosserInnen)

Ja, und in diesem Buch geht es in einem Kapitel nun um die Bienenwaben, und da habe ich nun folgendes gelesen:

Eine Biene kann aus bestimmten Drüsen ja zu bestimmten Zeiten ihres Lebens Wachsplättchen „ausschwitzen“, 8 in einem Arbeitsgang, jede so groß wie eine Schuppe eines Menschen mit trockener Kopfhaut. Diese Wachsschuppen befördert die Biene dann mittels eines speziellen „Nagelbrettes“ am Hinterbein nach vorn zu ihren Mundwerkzeugen, wo sie jede einzelne Schuppe durchknetet und mit einem Sekret aus der Mandibeldrüse vermischt. Damit bringt sie das Wachs in eine Konsistenz, mit der sie gut arbeiten kann.
So weit, so gut
Für jede einzelne Schuppe aber dauert dieser Aufbereitungsprozeß, so lese ich, vier Minuten!!!
Das ist viel! Ich frage mich, wie viele Plättchen wohl für eine Wabe verbaut werden und komme nicht weit mit meinen Vermutungen. Doch einen Abschnitt weiter werde ich aufgeklärt:
100g Wachs sind 8.000 Wabenzellen sind 125.000 Wachsplättchen.
Und, noch etwas weiter: ein Bienenschwarm legt für sein Nest mittlerer Größe zunächst etwa 100.000 Wabenzellen an.

So. Ich war beeindruckt. Und habe  den Taschenrechner geholt. Das wollte ich wissen!

12,5x 8.000= 100.000 Also: 12,5x 125.000 Wachsplättchen= 1 Million 562.500 Wachsplättchen
à 4 Minuten Zeitaufwand = 6 Millionen 250.000 Minuten =

104.167 Stunden Arbeitsaufwand

nur zum herstellen des benötigten Baumaterials für ein Bienennest aus etwa 1,2 Kilo Wachs!!!
Das sind

4.340 24-h-Arbeitstage!!!

(@Jungimker: Ich hab den Herrn F. meine krausen Gedankengänge nachvollziehen sowie nachrechnen lassen- es sollte diesmal stimmen! *g*)
Und dann ist noch nichts gebaut (denn diese Zeit brauchen sie ja erstmal nur zum bearbeiten des Wachses, damit es baubar wird), noch kein Nektar rangeschafft (ist ja auch wichtig, so ganz zu Anfang) – nichts!

Wie schaffen die das? Wie schaffen die es, nach 5 Tagen dann schon 7 Waben gebaut zu haben wie auf dem Foto (von 2012)?

Ich beuge meine wachsweichen Knie vor dieser wahnwitzigen Leistung unserer Brumseln – beim nächsten mal ernten werde ich ganz anders daran denken, was ich da zerstöre!!

Boah!

7 Kommentare zu “Wachs

  1. Karin sagt:

    Jetzt müßtest Du noch ausrechnen, wie viele Plättchen jede Biene herstellen muß. Wie viele Bienen hat ein Volk? Wie viele davon sind Arbeiterinnen? Dann die Arbeitsstunden durch die Arbeiterinnen teilen, und schon wird die Arbeitszeit sich etwas relativieren. Leider wird es daran scheitern , daß man die Bienen leider nicht zählen kann.
    Aber eine Riesenleistung ist es allemal und nicht hoch genug zu schätzen.

    • Fjonka sagt:

      *lol* – ja, das ist wirklich schwierig. Etwa 40.000 Bienen (zu Hoch-Zeiten, im Juli oder so), davon 5-10% Drohnen und eine Königin abziehen, ABER: die Bienen arbeiten ja in verschiedenen „Berufen“ abhängig von ihrem Lebensalter, und da wird’s dann wirklich kompliziert- das erspare ich mir dann, glaube ich… *g* obwohl, die einfache „was wäre, wenn“-Rechnung kann ich ja mal – auch wenn’s ne Milchmädchenrechnung ist *neugierigbin*:

      KÖNNTE man tatsächlich von 36.000 wachsschwitzenden Arbeiterinnen ausgehen, dann *tippseltippsel*…. wären das 0,35 Stunden pro Biene- das wäre dann wirklich übersichtlich *g*.
      So kann man tatsächlich die Tendenz der Wirkung von Arbeitsteilung erkennen- laß es dann auf – was weiß ich – 5-10 Stunden??? (das ist jetzt wirklich eine nicht-mal-schätz-Zahl ohne Grundlage) pro Arbeiterin kommen, selbst das wäre ja dann pro Biene überschaubar.

  2. Neckarhex sagt:

    Beeindruckend. Danke für die Info!

    • Fjonka sagt:

      Mich hat das auch sehr beeindruckt!
      Momentan sind unsere TBH-Bienen wieder ordentlich dabei, Wachsplättchen zu „schwitzen“- sie bauen vor und hinter dem, was wir ihnen noch von ihrem Nest übriggelassen haben… man sieht schön schnurgerade in Reihen unten in der Schublade die runtergefallenen Wachsplättchen liegen. Das müssen sie auch (bauen), denn grad gibt’s ordentlich was einzufahren: Kirsche blüht, Raps kommt in Anfängen- Haupt-Erntezeit UND Haupt-Brutzeit, da müssen sie sich ranhalten mit bauen, damit sie genug Platz haben.

  3. Bibo59 sagt:

    Stell dir mal vor, die wollten einen Stundenlohn.
    Jede einzelne.
    Aber zum Glück geben sie sich ja mit Zuckerlösung, mietfrei wohnen und Varroaservice zufrieden.

    • nebelkranich sagt:

      Zufrieden? Naja, die ein oder andere läuft doch schon mal Amok und führt ein Selbstmordattentat auf Fjonkas Finger aus.

      • Fjonka sagt:

        …wobei das doch wirklich Notwehr war! Ich hatte sie schließlich nicht gesehen und gequetscht!
        Da war die von gestern deutlich gestresster, das war eine, die meinte, uns stetig bedrohlich summend umschwirren zu müssen- im Windschutz!! Also nicht mal nahe der Beuten. Und blieb bei- das war wirklich Kamikaze, ich war nahe dran, den ersten vorsätzlichen Bienenmord meines Lebens zu begehen!

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