Schaufeln

tikerscherk hat mich zum nachdenken gebracht.

Hier schreibt sie, daß sie sich beim bloggen über trauriges, schmerzliches „die Zufahrt zur Fröhlichkeit freischaufelt“

Hinsetzen, schreiben, noch einmal durchleiden, und weg ist der Gram.
Alles schön zu den Leserinnen und Lesern rüber schieben.

Als ich das las, habe ich verglichen. Mein Blog ist hauptsächlich lustig. Oder ich schreibe über komisches. Oder versuche zumindest, die Dinge einigermaßen leicht oder lustig darzustellen.
Dabei bin ich doch gar nicht so lustig, eigentlich. Jedenfalls nicht so gut drauf, wie ich’s gern wäre. Und längst nicht so fröhlich.
Aber, und das fiel mir dann auch auf: wenn ich über nerviges schreibe, dann werde ich gleich nochmal genervt. Nicht nur, solange ich schreibe, sondern das hält für Stunden vor. Und schreibe ich trauriges, so fühle ich mich traurig. Für Stunden oft. (Deshalb tu ich’s ja auch eher nicht…) Und mir macht es gute Laune, wenn ich was gut gelauntes schreiben kann und mir das einigermaßen gelingt. Und wenn das funktioniert, dann ist die gute Laune ja auch schon prinzipiell mal vorhanden, und das schreiben ist also eine Art, sie freizulegen.
Oder so ähnlich….. Mal ganz abgesehen von der Freude, wenn dann ein Kommentar dazu erscheint!

Irgendwie ists wohl so wie mit Musik. Es gab Zeiten, in denen hab ich fast nur Blues gehört. Ich finde Blues toll, immer noch. Aber irgendwann habe ich zu dosieren begonnen, weil ich gemerkt habe: mich zieht das einfach runter! Und ich bin eh nicht so das heitere Gemüt – ich neige zum schwarzsehen, zum mich sorgen, zum ängstlichsein – also begann ich dafür zu sorgen, daß ich Musik höre, die ich toll finde, und die mir gute Laune macht, mich powert und mir gut tut. Gibt es ja schließlich auch!
Das ist lange her, mindestens seit ich mit 8 Stunden Beschallung arbeite, höre ich daheim eh fast keine Musik mehr, egal welcher Art …. aber es ist ähnlich: offenbar lasse ich mich von der Atmosphäre um mich rum und sogar von meinen eigenen Gedanken leicht anstecken, im guten wie im schlechten, anders als tikerscherk.
Jeder schaufelt die Zufahrt halt auf seine Weise frei ………

In diesem Sinne wünsche ich allen starke Arme – und das schnelle auffinden der bestmöglichen aller Schaufeln 😉

 

6 Kommentare zu “Schaufeln

  1. Bea sagt:

    Ja, da sind Menschen verschieden, aber auch jeder für sich kann ganz unterschiedliche Phasen haben, wo mal der eine, mal der andere Weg besser ist. Ich konnte damals die Schrecken der ersten Tage von J.’s Erkrankung nicht loswerden, immer geisterten sie in meinem Kopf herum. Bis ich sie ein Jahr später detailliert aufschrieb, danach wurden sie zu einer Erinnerung, die zwar schmerzlich war, aber mich nicht mehr so in meinem Denken und Fühlen dominiert hat.

    Im normalen Alltag dagegen fühle ich mich auch besser, wenn ich über schöne, lustige oder ganz schlichte Dinge schreibe, da geht es mir ähnlich wie dir.

    • Fjonka sagt:

      Im Grunde ist es ja toll, wenn man überhaupt (wie herum auch immer) durch schreiben was in sich selbst bewegen und zum besseren verändern kann- ich glaube, das ist eine echte Chance, die nicht JedeR hat!

  2. Steffi sagt:

    jeder schaufelt für sich, die einen zum Garstigkeiten zu verarbeiten, die anderen zum Verdrängen.
    Ich finde es fein, dass Du uns an Deinen gute-Laune Themen teilhaben lässt, denn wenn Du nur Depri-Themen verbloggen würdest, würde mich das beim Lesen runterziehen, weil ich Dich eben so gern mag. Also erfreu` Dich und uns weiter mit den schönen Dingen des Lebens, aber auch mit den Nachdenklichen. Und wenns denn doch mal arg wird, scheue Dich nicht diese zu vertexten, sofern es Dir hilft. *knuddelz*

  3. Bibo59 sagt:

    Kann ich nachvollziehen. Ich habe mal eine Depri-Phase durch das gezielte Ansehen von lustigen Trickfilmen (z.B.Shrek, Monster-AG…) bekämpft. Hat funktioniert. Der Grinse-Thread „nebenan“ hat auch was damit zu tun. Und Aikido ist sehr wichtig.

    • Fjonka sagt:

      Und ich gebe hier und jetzt offiziell zu, daß, als es mir eine Zeit lang mal WIRKLICH schlecht ging, eine der größten Hilfen die tägliche Wiederholung von „Unsere kleine Farm“ war. Das war aber weniger GuteLaune-mäßig, sondern da habe ich den ganzen Tag über drauf hin gelebt (vegetiert…), daß ich mich eine Stunde am Tag drauf verlassen konnte, daß am Ende alles gut wird.

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