Erkenntnis durch Spaten

Hier. Diese Spaten sind es, die mich etwas haben wahrnehmen lassen, das zuvor nicht bis ins Bewußtsein vorgedrungen war:

Frau braucht zwei. Aber keiner davon ist das Original. Das war auf- unser Boden ist steinig, und ich nutze Spaten auch zum Steine rausghebeln und so... deshalb ist der eine auch länger: er hat schon den 2. Stiel...

Frau braucht zwei. Weil, einer ist immer grad nicht auffindbar. Außer nach der Winterpause

Den ersten dieser Sorte hat mir Volker geschenkt, zu meinem ersten Geburtstag hier im Haus mit eigenem Garten. Den ganzen Sommer über hatte ich mit „Normalspaten“ herumgebanaust, und zu Recht konnte er das wohl nicht mehr mit ansehen. Was für einen Unterschied es machte, mit diesem vernünftigen Spaten in die Erde zu stechen! Und dann war’s noch, was ich vorher nicht kannte: ein Damenspaten! Gold wert, wenn man, wie ich, unter 1,60 mißt und auch noch vergleichsweise winzige Hände hat. Da sind normale Gartengeräte sowohl von der Länge als auch der Dicke der Stiele viel zu groß!!

Aber das ist nicht die Erkenntnis, von der ich sprach. Die ist, daß es mir absolut unmöglich ist, einen Spaten zur Hand zu nehmen, ohne an Volker zu denken. Obwohl der Original-Volker-Geschenk-Spaten schon nicht mehr „lebt“, das da oben sind seine Nachfolger.

Als ich erst einmal aufmerksam geworden war, purzelte es nur so:

  • „Norwegen“ denken (oder das Wort hören, das reicht schon) und Volker sehen ist eins.
  • „Roskilde“ denken und Volkers Weste vor Augen haben – eins geht nicht ohne das andere!
  • die Kreissäge rausholen und Volkers Mahnung im Ohr haben, die zu sägenden Äste stets „Daumen NEBEN Zeigefinger“ zu halten – selbstverständlich (daß ich’s dann nicht tue ist genauso selbstverständlich ;-))
  • Käpt’n Blaubär reden hören und Volker lachen hören. Gleichzeitig.
  • Wenn der Michelmann auf bestimmte Art einen Becher hält, dann muß ich jedesmal lächeln- Niemand sonst benutzt diese Volker-Geste.

So könnte ich noch ein Weilchen fortfahren, aber das entscheidende ist klar, denke ich: Ich habe, als ich in diesem Jahr meinen Spaten herausholte, und in den Tagen danach erstmals bewußt gemerkt, daß auch achtzehn Jahre nach seinem Tod Volker noch ganz selbstverständlich und alltäglich bei mir ist. Und darüber freue ich mich sehr.

P.S. für die, die das nicht wissen: Volker war über lange Jahre mein bester Freund. Gestorben ist er 1996.

11 Kommentare zu “Erkenntnis durch Spaten

  1. Bibo59 sagt:

    Niemals geht man so ganz ein Stück von mir bleibt hier
    Es hat seinen Platz immer bei dir.

  2. Tahana sagt:

    Auch wenn ich Volker wesentlich weniger lang und gut kannte, ist er auch oft noch in meinen Gedanken zuhause – und jetzt, wo Du drüber schreibst, erinnere ich mich an die Barbie, für die ich mal Feinrippunterwäsche und Blaumann gebastelt habe zu seinem Geburtstag…unser erstes Geplänkel, ob er (oben) oder ich (unten) wohl die lauteren Boxen hätte…die Postkarte in Eurer Küche, in der „Volker“ durch den Abfluss gesaugt wurde, um dem Abwasch zu entgehen, oder die, auf der der bärtige Vater vor dem riesigen Abwasch stand und seinem Sohn sagte: Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss…und, und und…

    • Fjonka sagt:

      Siehste mal, an die 1. Postkarte kann ich mich gar nicht mehr erinnern, habe auch keinerlei Vorstellung davon. Aber die andere- ja, die weiß ich noch gut! Und an die Barbie erinnere ich mich auch noch – ja, Volker und seine Vorliebe für großnasige Frauen mit Overall und Arbeitsschuhen … *lol* … ach ja, und Zöpfe! Geflochtene!! *kopfschüttel*

      • Tahana sagt:

        Die erste Postkarte war eine Comiczeichnung – Küchenzeile mit Spüle, schwarzweiße Kacheln, wenn ich mich recht erinnere – und ein kahlköpfiger Brillenträger, der von Aliens in den Abguß gesogen wurde mit der Schrift „Volker nutzte jede Ausrede, um sich vor dem Abwasch zu drücken“…und Zöpfe haben wir der Barbie auch geflochten…

        • Tahana sagt:

          Und hat er Dir nicht auch oder mit Dir zusammen eine passende Axt besorgt? Ich entsinne noch Deine Freude darüber beim ersten Gebrauch 😀

          • Fjonka sagt:

            Dochdoch, die haben wir zusammen besorgt- aber das muß dann ja ziemlich zeitgleich gewesen sein, als die Wichtel einen Hauklotz gebracht haben. Mit roter Schleife drum!
            Und meine Kreissäge! Die hatten wir vor meinem Spätdienst gekauft, und als ich nach hause kam, stand sie fertig aufgebaut im Wohnzimmer (!) Samt eingestecktem Kabel und Test-Brett zum sägen. Allerdings meine ich zu erinnern, daß ICH nachher das Sägemehl wegsaugen durfte….
            Och, schöne Erinnerungen sind das 🙂

        • Fjonka sagt:

          JA!!! JETZT!!! *ggggggggggggggggggggggggggg*
          (Menno- das sollte unter der Postkarten-Beschreibung stehen!!)

  3. a sagt:

    Ich kann mich Neckarhex und gluecksburg nur anschließen

  4. gluecksburg sagt:

    Ich finde den Gedanken sehr tröstlich, irgendwann in Alltäglichkeiten erinnert zu werden. Und ich finde es sehr schön, wie Du darüber schreibst.

  5. Neckarhex sagt:

    *umarm*

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