Uff!

Samstagabend, 19 Uhr 30.

Unsere Roten haben das Gemetzel hinter sich.

  • Rauch ins Flugloch, damit sie sich vollfuttern und nicht so stechlustig sind
  • die ganze Beute einen halben Meter versetzt hingestellt
  • Eine Zarge voller ausgebauter Waben und mit 2 vollen Futterwaben hingestellt (da waren wir dann froh über das Equipment, das wir noch vom Sternchen-Umzug stehen hatten, weil der Jungimker in weiser Voraussicht gemeint hatte, es sei immer gut, Zargen und Rähmchen stehen zu haben. Und er hatte auch noch ausgeschleuderte Waben mitgebracht, auch gut für diesen Zweck. Dafür ist dann unsere Art des Honigmachens nicht gut, wir machen dabei ja alle Waben kaputt und hätten so den Biens kein einigermaßen wohnliches Haus anbieten können)
  • Drüber eine Leerzarge mit je einer Futterwabe rechts und links.
  • Und dann los: jede Wabe aus dem „alten“ Bau entnommen, nach Königin abgesucht, leicht mit Wasser eingesprüht (damit die Bienen nicht so dolle auffliegen), Bienen in die Leerzarge abgestoßen. Abstossen: Wabe drüberhalten und ruckartig ein-, zweimal nach unten stoßen. Die meisten Bienen fallen dann ab. Wabe mit Restbienen in eine bereitgestellte Leerzarge, same procedure mit der nächsten Wabe…. jedesmal zwischen abstossen von Waben den Deckel kurz drübergeschoben zur Beruhigung (dunkel!!) Das klappte so ganz gut
  • Zum Schluß Wabenwerk in die bisher fast leere Zarge, dann nochmal jede fast leere Wabe rausgenommen, um die Restbienen abzufegen und die leere Beute bienendicht gen Feuerplatz gebracht.
  • Dann noch Absperrgitter und die Honigzarge drauf, dabei noch 3 leere Honigzargenwaben gegen 3 halbvolle reine Futterwaben aus der alten Beute getauscht. Wäre ja schade gewesen, den halbfertigen, frischen Honig wegzuschmeißen. Und in reinen Honigwaben sitzen keine Varroen, die sind nur auf Biens und in der Brut.
  • Fertig – und festgestellt, daß wir die „Fangwabe“ vergessen hatten, eine Brutwabe, die dafür gesorgt hätte, daß Biens in ihrem geplünderten Zuhause bleiben. Beschlossen, daß wir jetzt nicht nochmal stören wollten, als wir sahen, daß schon eine Menge Bienen vorn am Flugloch sterzelten (den Ausdruck kennen inzwischen alle, oder??)

Wir haben dann weitergemacht, hinten an der Feuerstelle. Ein richtig prima Zufall war, daß wir erst vor wenigen Tagen von Freunden einen riesengroßen Alupott angeboten bekamen, den wir dankend mitnahmen und jetzt wunderbar nutzen konnten. Nämlich zum einschmelzen der Brutwaben. Da drin sind ja die meisten Varroen, und die werden dann  – natürlich zusammen mit der unschuldigen, armen Bienenbrut, umgebracht.

Also haben wir das Wabenwerk aus jeder Wabe herausgeschnitten. Die Rähmchen sind gedrahtet (machen „normale“ Imker, damit die Waben beim schleudern stabiler sind), und so mussten wir also aus jeder Wabe vier Streifen herausschneiden – ziemlich fürchterlich, denn die Leichenteile spritzten uns dabei nur so um die Ohren…. gleich rein mit den Wabenstreifen ins kochende Wasser im Alupott auf dem Lagerfeuer – siehe unten. Nach der Aktion bin ich erstmal duschen gegangen….

Einfrieren ging ja bei den Massen nicht, und so ging das immerhin schneller, als wenn wir die armen Bienenlarven allmählich hätten verkühlen lassen. Schön ist aber anders. Ich habe mir mehr als einmal vorsagen müssen, daß es hier ja darum ging, das Volk als Ganzes zu retten, das ohne diese drastische Maßnahme nicht die geringste Chance gehabt hätte.

 

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Zum Schluß haben wir dann noch das, was da im Topf köchelte, in zwei große Wachspötte gekippt, zum abkühlen, durch einen Durchschlag, um das „Grobe“ schonmal los zus ein, und dann drinnen in der Küche das Erkaltete nochmal erhitzt und durchs feine Sieb in die schon bekannte Silikonform gefüllt. Und jetzt ists halb acht, und angefangen haben wir um halb zwei…. aber wie man im letzten Foto sieht, gab’s zwischendurch auch mal Kaffee- und Kuchenpausen. Trotzdem: eine anstrengende Aktion für Bien und Mensch, und beide sind auch jetzt noch nicht ganz durch damit: Biens müssen alles richten für den Neuanfang, und wir müssen noch Zargen abflammen und alles zuende aufräumen und abwaschen. Morgen.

Die Königin haben wir nicht gesehen, wir können nur hoffen, daß sie das Ganze einigermaßen gut überstanden hat und schon fleißig neue Eier legt. Wissen werden wir das, wenn Biens ab Mittwoch (etwa) immer noch/ wieder Pollen eintragen, denn das hat für sie nur dann Sinn, wenn es Brut zu versorgen gibt. Drei Tage braucht das Ei, bis Maden schlüpfen, Queenmum muß sich vielleicht erst neu sortieren und von den Arbeiterinnen die Waben hergerichtet bekommen – aber wenn zum Wochenende noch kein Pollen eingetragen wird, dann … hmmm. Aber erstmal rechnen wir mit dem besten.

Insgesamt bin ich erst einmal vor allem erleichtert – wir haben für „unsere“ Bienen getan, was wir konnten und reagiert, so schnell es ging. Jetzzt braucht’s noch das Quentchen Glück, damit das Volk überlebt. Und in ein paar Tagen müssen wir dann noch einmal stören: dann werden alle Bienen (möglichst) mit Milchsäure besprüht, damit auch die Varroen, die auf den Bienen sitzen, noch getötet werden.

 

 

 

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Jahr 4.

11 Kommentare zu “Uff!

  1. Arme Bienen, warum habt Ihr das bloß gemacht? Warum die Brutwaben nicht in eine Brutscheune? Nach 10 Tagen die Nachschaffungszellen brechen. Nach 21 Tagen wenn alle Brut geschlüpft ist mit Milchsäure behandeln. Nach 3 Tagen nochmal. Und nach einen Ruhetag die Bienen vor das ehemalige Volk aus dem sie kamen, oder vor ein schwaches Volk zur Verstärkung abfegen. So hätte man viele Seelchen retten können.

    • Fjonka sagt:

      Ja, warum?
      Wir haben das Equipment dafür nicht, hätten es uns aber wohl zusammenleihen können. Aber sämtliche Befragten, auch das Internet, haben uns einzig „unsere“ Methode empfohlen, wir sind also gar nicht auf die Idee gekommen.
      Aber andererseits:
      Der Gedanke, daß die Brut wahrscheinlich schon sehr geschädigt und virenbelastet war, kommt mir da. Die Ansteckungsgefahr (wir haben nur einen möglichen Standort) für einen weiteren Monat durch die Pflege- Flugbienen
      Ich hoffe, wir kommen nicht noch einmal in eine solche Lage – aber wenn, dann werden wir uns auf jeden Fall diese Alternative hervorholen und überlegen. Nachfragen, wieso diese Methode als Varroasanierung offenbar nicht üblich ist, sondern nur als Vorbeugung/ Entlastung gang und gäbe zu sein scheint, wenn ich, was ich jetzt im Netz dazu fand, richtig interpretiere („Brutscheune“ war uns als Begriff nicht bekannt, ich habe aber jetzt mal gesucht und gelesen)

  2. Bibo59 sagt:

    Was ich immer schon mal fragen wollte: Wie weit bringen die eigentlich ihre Toten weg? Ich hatte hier Anfang des Jahres die ganze Treppe voll toter Bienen liegen. Nun weiß ich ja, dass das im Frühjahr normal ist, einen Imker gibt es wohl auch, am Steinweg stehen mehrere Kisten. aber bringen die ihre Leichen bis vor meine Haustür, oder habe ich hier irgendwo ein wildes Volk?

    • Fjonka sagt:

      Ich habe schon gesehen, daß eine samt toter Kollegin in den Beinen bis außerhalb meiner Sichtweite geflogen ist. Aber sehr viele Tote werden, gerade im Frühling, auch nur bis kurz vors Flugloch geschleppt und dort fallen gelassen.
      Woher eine solche „Sammelstelle“ kommt, kann ich mir so nicht erklären, denn sie fliegen in alle Richtungen weg mit ihren Toten, nicht zu einer bestimmten Stelle, und lassen sie aus der Luft einfach fallen. Ein Volk würdest Du aber an mehr Dingen als nur an vielen Toten bemerken.
      Vielleicht hast Du ja einen Vogel, der Bienen fängt/ Tote sammelt und dann gemütlich auf Deiner Treppe verzehrt, oder eine Wespe/ Hornisse – aber dann wären es in beiden Fällen eher TotenTEILE …

  3. Äppelken sagt:

    Das wird schon. Bessere Ersatz“eltern“ als euch können sie eh nicht kriegen.

    • Fjonka sagt:

      … aber kleine Bieneneierchen legen kann ich leider noch nicht 😉
      Na, wenn sie keine Königin mehr haben sollten, bekommen sie Brut von den Grauen und können sich eine aufziehen. Es ist noch nichts verloren!

  4. Frau Tonari sagt:

    Ich drück die Daumen fürs Volk.

    • Fjonka sagt:

      Vielen Dank; heute morgen sieht’s dort ganz normal aus- sie räumen ordentlich (sieht man in der Gemüllschublade unten), knuspern vom wabenschleudern unordentliche Zellenränder ab und tragen sogar ganze Wachsstückchen heraus. Vorhin sah ich eine, die ein Wabenstück, ebenso groß wie sie selbst aus dem Flugloch zerrte und damit bis etwa 20cm von der Beute weg flog, mehr hat sie nicht geschafft. Ist mitsamt Wachsstück runtergeplumpst. Biene ab rein in den Stock, Wachsstück auf dem Rasen.
      Vielleicht sollte ich mal ein Mülleimerchen aufstellen 😉

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