Ein Tag

Ein Tag im August, an dem ich frei habe, keinen Besuch und eine lange, lange Liste an Dingen, die ich heute(!) endlich(!) tun sollte.
Okay.
Erstmal aber hab ich frei, und da möchte ich doch zumindest bitteschön in Ruhe ausschlafen dürfen. Also kein Wecker heute.
Diesmal geht’s gut. Will heißen: als ich aufwache und aufstehe ist es nicht mal halb neun. Das ist insofern gut, als ich alle Zeit der Welt habe, meine Liste abzuarbeiten. Aber erstmal frühstücken.
Das Wetter ist durchwachsen. Ab und an ein kleiner Schauer – also kann ich rasenmähen schonmal streichen, zu naß – dann aber wieder herrlicher Sonnenschein. Und in der Sonne wird’s sogar richtig schön warm! Dann wieder ziehen dicke Wolken durch.
Also bin ich immer wieder damit beschäftigt, die Socken und die Jacke, die ich vorhin von mir geworfen habe, weil’s so warm war, zu suchen, um sie wieder überzuwerfen… dann gibt es neue Mails, die beantwortet werden wollen, neue, interessante Artikel im Newsreader (dem Teil im Computer, das mir zeigt, welcher abonnierte Blog was neues zu lesen anbietet), ein Buch … aber es gibt auch Sonne im Windschutz. Also hole ich mir den Brenner und fange an, die Rähmchen, die seit der Honigernte schon ausgeschabt im Carport liegen, abzubrennen. Das stand zwar nicht auf der Liste, steht aber schon lange an. Zwischendurch gucke ich mal nach hinten und stelle fest, daß die Weidenhecke schon wieder viel zu hoch austreibt. Ich möchte sie doch dran gewöhnen, viele kleine Triebe zu haben statt wenige dicke, hoch wachsende. Also hole ich die Klippschere und schneide die Weidenhecke. Davon bekomme ich Hunger.
Es sind fürchterlich viele Essensreste von den Besuchszeiten im Kühlschrank. Mir vergeht schon seit vorgestern der Appetit, wenn ich sehe, was ich alles bald essen MUSS, damit’s nicht schlecht wird. Aber tapfer schneide ich 3 gekochte Rest-Kartoffeln in die Rest-Kürbissuppe. Mein Mittagessen. Schmeckt gut, darum geht’s aber ja auch gar nicht! Es geht darum, daß ich mit diesen Mengen nicht gut umgehen kann. Heute müssten noch mindestens eine halbe Melone, ein Viertel Kuchen, fünf Zwetschgen, 2 angebrochene Joghurts, ein Dreiviertelglas Hafermilch, eine halbe Salatgurke gegessen werden, um morgen nichts wegwerfen zu müssen. Der Kuchen könnte eventuell noch einen weiteren Tag eßbar bleiben, aber auch das ist nicht sicher. Naja, etwas ist also weg. Gut so.
Jetzt wäre die Zeit, mich umzuziehen, um wirklich mal was von der Liste abzuhaken. Katzenfutter soll ich heute kaufen, zum Töpfer, um mal zu hören, was es vom Ofenbauer neues gibt (letztens hat der zwar hier angerufen, aber wieder waren wir nicht daheim, und zurückrufen geht nicht, da er keine Nummer angibt) Dann müsste ich noch zum Optiker, meine Augen werden mit einem Tempo schlechter, das ich nicht wirklich lustig finde. Es muß etwas geschehen. Lust habe ich zu keinem dieser Listen-Punkte. Deshalb sitze ich ja jetzt auch hier oben und tippe, statt mich umzuziehen oder wenigstens draußen was schönes mit dem Sonnenschein anzufangen. Das hatte ich immerhin nach dem Mittagessen noch getan: ich habe nämlich mit Kescher am Teich gestanden und Entengrütze und Algen abgefischt. Ich hatte es ja schon vermutet, daß die viele Sonne, die der Teich hat, seit die Mirabelle nicht mehr steht, Nebenwirkungen haben würde… und tatsächlich: dies ist eine davon.
Da ich nicht will, daß der Teich umkippt, und da es eine wunderbare, meditativ-mechanische Tätigkeit ist, muß ich mich dazu niemals zwingen. Es gibt Libellen und einen riesigen Frosch (nein, ist keine Kröte). Die Kammolche sind mir noch nicht wieder begegnet, aber an manchen Tagen muß ich vorsichtig sein, um keine wasserholenden Bienen zu ertränken. Und Wasserläufer und -käfer sind unterwegs. Allerdings hole ich mir auch (trotz Schlumpf-Hose) einen brennenden Hintern: das Mehr an Sonne führt dazu, daß am Teichrand nun kleine Brennesseln zu keimen beginnen 😦 Noch was zum bekämpfen, das aber nicht so entspannend ist wie Entengrütze…
Aber ich wollte ja los! Wollte! Ha! Von wollen kann nicht die Rede sein. Erst könnte ich doch noch eine passende Illustration zu diesem Beitrag aus meinem Fundus heraussuchen…. mal sehen….nix gefunden. Gut, kein Foto diesmal. Und jetzt? Jetzt steh ich auf. Ob ich mich dann umziehe, weiß ich noch nicht. Es ist fünfzehn Uhr drei…

 

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Sonst so.

7 Kommentare zu “Ein Tag

  1. Steffi sagt:

    das Leben ist voller Grausamkeiten… Kann der Herr F. dich nicht beim Kühlschrankleeren unterstützen? Der Dicke wird wohl die einzelnen Komponenten verschmähen…
    Trotzdem, Du hast zumindest einen Plan und eine to do Liste. Auf meiner steht immer als erstes drauf eine zu machen und als zweites diese auch abzuarbeiten. Daran scheitert es meist.

    • Äppelken sagt:

      Der Dicke würde den Schokokuchen liebend gern essen, damit wäre das Schlimmste auch schon weg. Aber den kriegt er nicht…
      Ich nehm mir auch schon lange vor, ne To Do Liste zu machen, zumindest auf Arbeit.

      • Steffi sagt:

        auf der habe ich ein Workbook. Ich notiere die Aufgaben auf Postits und klebe die in die entsprechende Seite (heute, morgen, nächste Woche, nächster Monat, später) In Kombination mit Outlook-Wiedervorlage funktioniert das ganz gut. Auf den Post-Its notiere ich auch den Stand, wenns mal nicht weitergeht. Zu Hause bekomme ich das aber nicht auf die Reihe 😦

    • Fjonka sagt:

      Der Herr hat mich unterstützt – der Kuchen war (ganz gegen des Äppelkens Unkenrufe) abends weg – aber die Melone… *gg*

  2. Äppelken sagt:

    Hihi, du Arme! Essen ist schon was fieses, wenn es dich aus dem Kühlschrank anhüpft… Den Kuchen hätte ich eingefroren, in mehreren Stückchen, der ist ja so mächtig! Ein Viertel am Tag, das schafft höchstens der Herr F. Wenn überhaupt. Die Kürbissuppe hätte man auch prima einfrieren können, dann wäre mal ein Essen für einen da, wenn der Herr Homeoffice macht und ein Hüngerchen kriegt ;-).
    Der riesige Frosch war wohl der extrem laute Plumps, den ich gehört hatte. Den hätte ich gerne gesehen. Aber er mich wohl nicht.

  3. Bibo59 sagt:

    Ein Tag ohne Prokrastination ist ein schlechter Tag. 😉
    Das mit den Essensresten kenne ich. Meine Zentralregierung kauft immer noch ein, als müsse sie eine Kompanie ernähren. Dagegen kann ich gar nicht anfressen. Aber manches kann man ja einfrieren.

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