Gefruchtledert

Erwähnte ich’s bereits? Ja, ich erwähnte es: in diesem Jahr ist alles anders.

Zum Beispiel auch: daß zur Apfelzeit der Ofen noch nicht befeuert ist! Die Falläpfel purzeln, ich habe welche gesammelt, der Holundersaft wartet, und es hat 22° draußen!!! Bis abends noch!!! Aber ich konnte es einfach nicht abwarten und habe trotzdem meine erste Portion Fruchtleder hergestellt!

Eines ist schonmal klar: weitere Portionen nur noch in der Heizperiode…. aber von vorn:

  • Am Heimweg kurz angehalten und Äpfel aufgesammelt (seit Tagen schon lachten die mich an, und offenbar wollte Niemand sie ernten!)
  • Heimzu hingesetzt und diese Äpfel geschnippelt. Mit Schale.
  • In einen Topf, zusammen mit dem Fliederbeersaft von letztens, etwas Rest-Johannisbeersaft vom Juli, einer viertel Zimtstange, 2 Sternanis, einer „Kaffeeportion“ (so ein Papierdingsdich, was man im Cafe bekommt) Zucker (nur zum safttreiben) und 3 Nelken
  • köcheln
  • ärgern: ich finde Anis, Zimt und Nelken nicht zum rausfischen und muß daher die Chose durch einen Durchschlag geben. Normalerweise hätte ich passiert, dann wären die Schalen auch dabeigeblieben. Nuja, nächstes Mal mit Säckchen….
  • den fertigen Brei, der köstlich duftet, auf ein Backblech mit Backpapier gestrichen (hab ich noch, ist aber auch so eine Sache, die ich nicht nachkaufen werde!)
  • und bei etwa 70° in den Ofen, der einen winzigen Spalt offen bleibt, um die Feuchte abziehen zu lassen.

Und das ist der Punkt, an dem’s hakelt: das braucht Stunden. Viele Stunden. Ungefähr zehn oder so. Energieverschwendung pur. Irgendwie habe ich zwar im Vorfeld dran gedacht, aber es war für sonntags kälteres Wetter angesagt (samstags hab ich die Äpfel mitgebracht), und dann hatte ich schon alles geschnippelt und mochte nicht mehr warten … so viel zum Kleinvieh …

Irgendwann war’s oben schon recht ledrig, unten aber noch Brei. Also haben wir’s gewendet, das ging ziemlich gut. Und dabei gekostet – huiuiui!!  Schmeckt einfach saugut, schonmal, auch wenns einem im ersten Moment den Mund zusammenzieht vor „sauer“ – ich mag das ja, süßer dürfte etwas so fruchtiges gar nicht sein. Und dem Herrn schmeckt es auch schonmal.

Fertig ist das ganze nun einfach köstlich!! Anders kann ichs nicht beschreiben. Man kanns auf der Zunge zergehen lassen, hat lange von so einem Stückchen gut, und – hach, wie das duftet!

Tags drauf haben Freunde Zwetschgen und Äpfel angeboten- also habe ich mich gleich nochmal ans schnippeln und köcheln gemacht. Diesmal ganz ohne Zucker, und trotzdem ist der Brei süßer als beim ersten Mal. Ich habe die Gewürze in ein altes Teesieb gepackt, dem ich den Metallbügel gezogen hatte, und das ganze verknotet. So konnte ich diesmal zum Schluß passieren – also gab’s mehr Substanz und weniger Abfall. Das Konzept lautet: warten, bis geheizt werden muß. Also werde ich den (viel größeren) Topf voller Mus portionsweise in Dosen einfrieren, ist eigentlich nix drin, was dagegenspräche. Charge zwei also mit Zwetschgen, anderen Äpfeln (süsseren, übrigens), Gewürzen und im Verhältnis weniger Fliederbeersaft. Und ohne Johannisbeersaftrest, dafür mit einem Schuß Himbeersirup. Aber den laß‘ ich beim nächsten Mal, der ist so süß und riecht auch so – das hat mir nicht so gefallen.

Abends dann, es hatte geregnet und ordentlich gewindet, war’s doch recht kühl- und so habe ich die 1. Portion doch gleich auf einem Blech ins Wärmfach vom Ofen geschoben. Ob’s klappt?

Charge2 , Portion 1 ;-) weniger Fliederbeersaft, Äpfel, Zwetschgen

Charge2 , Portion 1 😉
weniger Fliederbeersaft, Äpfel, Zwetschgen

Obwohl das Blech von unten recht heiß ist und die Masse nach 3 Stunden Wärmfach oben schon etwas trocken wirkt, hat’s überhaupt nicht geduftet (wie aus dem Backofen oder aus dem Topf immer), und wendbar ists auch noch nicht, unten ist alles noch musig. Habe für die Nacht ein Backpapierstück aufgelegt, damit’s nicht einstaubt. Mal sehn, was morgen ist…

„morgen“ wars abends auch kalt genug – und dann ging irgendwann auch das wenden. Und am nächsten Tag war dann auch Charge 2 fertig zum kleinschneiden. Schmeckt besser als im musigen Zustand. Schmeckt sogar gut! Süsser noch immer als das 1., pflaumig. Anders gut halt, aber gut!

 


Aussortiert: heute nix. Hab den ganzen Tag so geschuftet, daß ich keine Lust hatte, noch was rauszusuchen….

 

 

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Lecker???.

14 Kommentare zu “Gefruchtledert

  1. Hallo,
    ich habe es verbraten! Schade um das schöne Obst!
    Also ich habe ca 750g Äpfel (Boskop) mit Schale in 100ml selbstgemachten Fruchtsirup zu Mus gekocht.Um das ganze noch aufzupeppen habe ich ein kleines (Marmeladen-)Glas selbstgemachte Pflaumengrütze dazugegeben. Auf Gewürze und Zucker habe ich verzichtet, da in den Zutaten schon viele leckerere Geschmacksrichtungen waren. Das Ganze wurde dann in der Küchenmaschine pürriert. Viel zu saftig, fand ich! Also habe ich es durch ein Sieb geschüttet und den Sud als Fruchtsaft für Müsli aufgefangen. Der Rest wurde in eine Aluauflaufform geschüttet. Die breiige Masse war fingerdick. Ab in den Ofen, ins Backfach des Wohnzimmerherdes! Mein Mann hat dann erst mal gut eingeheizt. Vielleicht hätte ich ein Kuchengitter darunter setzen sollen. Da ich wusste, dass es eine Weile dauert, habe ich gar nicht nachgeschaut. Erst Stunden später habe ich bemerkt, dass langsam so ein verbrannter Geruch aus dem Ofen kam. Also die Mitte ist schon sehr schwarz und bröselig. Rundherum konnte ich einiges abschneiden und probieren. Das fand ich sehr lecker. Mein Mann meint, wir sollten die Äpfel lieber so essen, da bleibt mehr von übrig. Mal schauen, ob ich mich noch mal traue das Fruchtleder herzustellen.

    Überigens, das Buch würde ich auch gerne mal lesen!

    Liebe Grüße
    Märchenbraut

    • Fjonka sagt:

      Oh nein, wat’n Schiet! Schade!!
      Ich stelle tatsächlich immer was drunter, auch beim Apfelringe-trocknen, und das Blech drehe ich regelmäßig, weil’s in unserem Wärmfach hinten am heißesten ist. Außerdem schrieb ich ja, daß ich das Ganze auch gewendet habe. Ist also schon aufwendiger als wenn man einen Dörrapparat hat oder es in den Backofen tut.
      Aber Deinem Mann kann ich insofern nicht zustimmen, als man zwar mehr über hat, aber der Geschmack und die haptik doch gaaaaaaanz anders ist. Und man kann ja auch nicht alle Äpfel so lange lagern!

  2. Maenade sagt:

    Meine Mutter macht das seit Jahren aus (immer einzeln) Birnen, Quitten, Kirschen und Zwetschgen. Sie hat den Backofen dafür noch nie angeworfen und nutzt zusätzlich zum Backblech noch Servierplatten u. ä. Wenn sie schon heizt (Kachelofen), stehen die Platten oben drauf, ein Wärmefach hat der Ofen nicht. Ansonsten trocknet es bei Zimmertemperatur langsam vor sich hin. Zwischendrin wird auch bei ihr gewendet. Die Konsistenz ist bei den Quitten am besten (da gibt es zwei verschiedene Varianten, ich glaube, eine mit Fruchtmus, eine nur aus Saft?). Die Birne wurde fast zu Bonbon und ließ sich nur lutschen, nicht kauen. Die Kirsche bleibt etwas feuchter, klebriger. Essen tue ich sie alle gerne. Apfel-Holunder muss ich ihr mal vorschlagen 🙂

    • Maenade sagt:

      …und als ich beim Einschlafen noch ein bisschen von diesem Süßkram träumte, fiel mir der Fehler auf: Bei den Quitten gibt es einmal aus voller Frucht, einmal aus dem Mus, das beim Entsaften übrig bleibt. Nur Saft ergibt keinen Sinn, nur Saft wird freundlicherweise zum weltbesten Quittengelee verarbeitet. Und die Reste sind dann eben auch super verwendet.

  3. Tigerkeks sagt:

    Fruchtleder hab ich in meiner alten Schule kennen gelernt, als ich zur Hausaufgabenbetreuung dort war und vor Ende der Mittagspause noch einen Blick in den Freizeitbereich geworfen habe. War wirklich lecker und sicherlich nicht so ungesund, wie das ganze künstliche Süßkramzeug. Mal sehen, ob ich es auch mal schaffe, welches selbst zu machen…

    • Fjonka sagt:

      schwierig ists ja nicht- bloß die Sache mit dem Ofen… hast Du denn einen?
      Oder Du testest mal den „nur Licht anlassen reicht“-Tipp aus und berichtest hier 🙂

  4. Faszinierend. Und schmeckt bestimmt! Mach ich manchmal mit Quitten (Quittenbrot).

    Frage: Warum 70°? Ich würd maximal 40°C in Kauf nehmen, die paar Stunden mehr kann ich dann auch noch verkraften.

    • Fjonka sagt:

      Ui, Du hier!? 🙂 Wie schön!
      Naja, da ich ja nun eh nur noch im Wärmfach trockne, ists egal – aber bei 60-70° (so genau kann man das nicht einstellen) hat’s gut gedampft, ist aber nicht verschmurgelt.

      • Äppelken sagt:

        Hab neulich mal irgendwo gelesen, dass man ca. 40° erreicht, wenn man nur die Backofen-Lampe anmacht.

      • Fjonka, hatte wie schon gesagt, über ein Jahr lang keine Benachrichtigungen von Thunderbird erhalten, daß was mit dem Passwort ned stimmt.

        40°C wegen der Vitamine und Nährstoffe, die winken über etwa 40° ab 😐 Ab ~40° Grad Fieber gerinnen ja auch die Proteine im menschlichen Körper.

        Trotzdem guten Appetit, ist bestimmt lecker 🙂

  5. Gerburgis sagt:

    Könnte der Bildschirm doch nicht nur Bilder anzeigen, sondern auch noch Düfte verströmen. Aus unseren Falläpfeln wird heute Mus – duftet nicht ganz so aromatisch, ist aber auch lecker…

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