Herbsttag

Es herbstelt.

Es herbstelt sehr warm, sehr schön, sehr sonnig – aber es herbstelt. Viele Blätter fallen schon. Unsere Bienenkästen (jedenfalls die Stapelbeuten) sind deutlich geschrumpft – auf die zwei Zargen bei den Leihvölkern bzw die eine, große bei den Dadant-Sternchen, auf denen die Bienen dann hoffentlich gut überwintern. Die Herbstblüher – Fette Henne, Astern, Goldrute, Herbstzeitlose – blühen. Es windet, zwischendurch fällt ein Starkregen hier und einer da – der Teich ist voller als seit anderthalb Jahren. Die Pilze schießen, ich habe immer noch nicht nachgezählt, wie viele Sorten wir in diesem Jahr beherbergt haben. Die Schwalben sammeln sich (wenn ich auch nicht weiß, wo) und letztlich zog ein laut rufendes Dreieck von Wildgänsen über mir längs.

Es herbstelt.
Ich bin ja überhaupt keine Gedicht-Mögerin – dies ist die Ausnahme, ich finde es seit vielen Jahren schon genau „richtig“ und trage es irgendwie mit mir mit – es paßt einfach so auf diese Zeit, der Herr Rilke hat genau die Stimmung eingefangen, die sich mit einem Herbst verbindet, finde ich!

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

In diesem Jahr paßt das ganze Gedicht. Der Sommer war sehr groß. Ich wünsche mir natürlich, daß es noch eher zweihundert als zwei südlichere Tage gibt. Und doch:

Herr, es ist Zeit! Der Sommer war sehr groß.
Leg Deine Hand jetzt auf die Motorsäge,
und auf dem Hofplatz laß die Keile los.

Befiehl den letzten Stubben, brav zu sein;
gib ihnen noch die allerletzten Schläge,
dränge sie zu der Matte hin, hau‘ träge
die letzten Keile nun noch fest hinein.

Wer jetzt kein Holz hat, dem wird später kalt.
Wem jetzt schon kalt ist, der wird lang‘ kalt bleiben.
Wird frösteln, zittern, sich die Hände reiben
und wird in Zimmerfluchten hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

So. Das hat Spaß gemacht 😉 Hat sich so ergeben, wegen des „Herrn“, und plötzlich war ich mittendrin …

 

Advertisements

2 Kommentare zu “Herbsttag

  1. Toll, Deine Abwandlung (y) ! Gefällt mir besser, als das Original, von dem wir im Gymi eine Gedichtanalyse machen mußten und das mich damals schon depri machte. Ich krieg schon die Motten, wenn im Sommer die Bäume so sattgrün werden.

    Ok, Herbst ist in Ordnung, man kann raus, wandern oder Berggehen oder picknicken, aber alles halt nicht mehr so unbeschwert wie im Sommer.

    Herbst in den Alpen ist toll, meist sonnendurchstrahlt, bißchen kühl, aber mit passender Kleidung erträglich. Wehmütig macht er mich trotzdem.

  2. Äppelken sagt:

    Hihi, eines meiner Lieblingsgedichte, auf jeden Fall. Und deine Abwandlung hat es auch in sich. (Hatten wir nicht schon mal so was Ähnliches?) Außerdem ist der Herbst eine meiner Allerliebsten Jahreszeiten. Aber das sag ich ja jedes Mal. Zum Winterende freu ich mich auf den Frühling, später dann auf den Sommer, ab September auf den Herbst und im Advent dann auf den Winter. Es ist eben der Wechsel der Jahreszeiten, der mir so viel (Vor-)Freude bereitet. Hach. Immer gibt es einen Grund sich zu freuen. 😉

Platz für Klönschnack ...

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s