Kleinvieh

KleinviehHeute zum Thema „Wege suchen“

Ich bin/ wir sind ja nicht erst auf dem Weg zum Umweltbewußtsein, seit ich hier wieder verstärkt darüber nachdenke. Schließlich bin ich Kind der 70er!
Zu Schulzeiten hab ich zu missionieren versucht, da ging das um Themen wie „keine Produkte aus Massentierhaltung“ , ich war in einer selbst mitgegründeten Umwelt-AG (Faltblätter zum Thema „Grün in der Stadt“, „keine Pelz- und Robbenfellmäntel“ etc.), ich versuchte, in der Gartenanlage der Eigentumswohnungsanlage, in der wir wohnten,  „Unkraut“ zum überleben zu bringen, machte einen Kurs mit eigenem Ackerstück Bio-Garten, einmal sind wir sogar heimlich in eine Legebatterie (Hintertür war offen) und haben Fotos gemacht, und solcherart Aktionen mehr.
Irgendwann schlich sich bei mir die Frustration aller Missionare ein, wenn sich kein Erfolg zeigt. ;-| An der T-Kreuzung, an der man sich zwischen Fanatismus&Bitterkeit und Resignation&eigenes-Süppchen-kochen entscheiden muß – es sei denn, man geht den bewundernswerten, schwierigen Geradeaus-Pfad namens „ich kann zwar wenig ändern, mache aber unbeirrt weiter“–  entschied ich mich für das eigene Süppchen. Mit anfänglich mehr, inzwischen aber deutlich weniger Resignations-Anteil. Liegt daran, daß ich mir das missionieren inzwischen ziemlich abgewöhnt habe, und doch wäre ändern , ohne missionieren aber über den eigenen Suppentellerrand hinaus etwas, was ich nach wie vor gern täte, wozu mir aber die Energie und manchmal auch der Mut fehlen.

Meine Suppe ist und bleibt ein SüppCHEN:
Wir haben seit langem 100% Ökostrom, ich habe schon vor Internetzeiten vor Käufen mühsam nach den besten Energie- und Wasserverbrauchswerten für Waschmaschine und andere Geräte gesucht, wir kaufen hauptsächlich „Bio“, schalten Geräte ganz aus, haben energiesparende Leuchtmittel, Komposthaufen, wassersparende Armaturen und Klokästen, Mehrwegflaschen und einen Regenwassertank fürs gießen draußen.  Und was ich sonst so an Kleinvieh beherberge, das wißt Ihr ja 😉
Doch auch der Anbau an meinem Haus ist mit Rockwolle gedämmt, das Dach mit Schaumstoff – es scheiterte an Sachverstand (Handwerker kennen nur ihr konventionelles Material, ich war nicht engagiert genug, mich so weit einzulesen, daß ich ohne sie hätte entscheiden können) und Geldbeutel (Öko-Material ist teuer!!)
Und unser ökologischer Fußabdruck ist auch fast ohne Fernreisen größer als der der Durchschnittsdeutschen – wegen der weiten Arbeitswege, die hier in der Provinz nur mit dem Auto zurückzulegen sind, und weil wir auf recht viel Wohnfläche in einem Altbau leben.
Ich suche mir also weiterhin meinen Weg durch Suppenteller und -tassen, zusammen mit dem Herrn F. und hoffentlich immer mehr Kleinvieh, und bevor Ihr Euch jetzt gemeinsam mit mir völlig im Labyrinth der unterschiedlichen Metapher-Konstruktionen hier verirrt, setze ich besser mal schnell den Schlußpunkt unter diesen Beitrag 😉

P.S. dies war schon längst geschrieben und in der „geplant“-Schleife geparkt (ja, er hing da sehr lange, ich weiß!), da erschien beim landlebenblog dies hier Klick  Mir scheint es ergänzend zu dem, was ich hier geschrieben habe, bloß (die Frau ist professionelle Schreiberin) klarer ausgedrückt und viel umfassender in der Thematik. Und das mit den Metaphern kriegt sie auch besser hin *gg* Vielleicht mag ja Jemand…


Aussortiert: heute hab ich ein Paar Keramikgummistiefel in quietschblau mit gelb, die ich beim Tauschbingo gewonnen hatte, einer neuen Nutzung zugeführt: in jede Sohle ein Loch bohren, und schon kann man die mit kleinen Wucherpflanzen bepflanzen und draußen versteckt hinstellen. Auf die Art als „Hi, was steht DA denn“-chen genutzt finde ich die knuffig.

 

 

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Kleinvieh.

17 Kommentare zu “Kleinvieh

  1. Friederike sagt:

    Danke für die nette Erwähnung und den netten ink! Die Sache mit der T-Kreuzung im Leben, die gefällt mir im Übrigen eine echt tolle Metapher – da muß ich drüber nachdenken. Und vielleicht darf ich die klauen, die Metapher? (Du weißt doch: unsereiner ist immer nur so gut wie die Texte, die man klaut, ähem)

  2. Bibo59 sagt:

    Da hat der Gartenzwerg seine Stiefelchen vergessen 🙂 Mein Oko-Fußabdruck ist unterdurchschnittlich deutsch. Obwohl ich auf manche Dinge nicht soo achte und trotz Fläche mein eigenes Gemüse nicht ziehe (kann ja noch werden). Ich habe überhaupt kein Auto (mehr) und mache keine Fernreisen (mehr). Wird leicht erhöht dadurch, dass ich beim Kauf meiner Küche nicht die ökosten, sondern die preiswertesten Modelle nehmen musste. Ich habe dafür buchstäblich mein letztes Geld ausgegeben, aber ohne Küche geht bei mir gar nichts. Gegen den Plastikwahnsinn meiner Mutter komme ich nicht an. Meine Wohnung ist zu groß, aber die haben schon meine Großeltern gebaut/bewohnt. Ich bin mir auch spätestens seit gestern (Costa-Rica-Heimweh-Flash) völlig im klaren, dass ich das Reisen SOFORT wieder anfangen würde, wenn ich es mir irgendwie leisten könnte.

    • Fjonka sagt:

      Wobei- wenn ichs recht verstanden habe, würdest Du doch eher den Wohnort wechseln als reisen, oder?

      • Bibo59 sagt:

        Den Wohnort wechseln bedeutet, alle Kontakte, die man sich gerade mal wieder aufgebaut hat hinzuschmeißen und wieder bei Adam und Eva anzufangen. Reisen nicht unbedingt. Aber Costa Rica oder Mexico als Wohnort könnte mich schon reizen. Oder wenigstens die Kanaren. Aber ob ich dann dauerhaft das Reisen unterlassen würde………? Es gibt doch noch 10000 Orte die ich sehen muss bevor ich sterbe, mindestens.

        • Fjonka sagt:

          Echt? Da bin ich völlig anders gestrickt; finde zwar einiges schön anzusehen, aber daß es mich irgendwo hin zieht – das gibts eher gar nicht bsi höchst selten.

          • Bibo59 sagt:

            Und ich bin irgendwie nicht zum sesshaften Leben geboren. Nach spätestens 1,5 Jahren (neulich getestet) krieg ich ’nen Fernweh-Flash. Kann sein, dass der kurzfristig mit einer „Reise“ in den übernächsten Ort zu befriedigen ist, kann aber auch nicht sein. Im Winterhalbjahr ist es besonders schlimm. Ich fand das ja auch immer mal schön für die Arbeit den Ort zu wechseln. Die Mailadresse auf meinem BC-Shelf kommt ja auch nicht von ungefähr.

            • Fjonka sagt:

              Vielleicht solltest Du auf einem Frachter anheuern!? Über Winter auf See, dann das Geld dort verprassen, wo Du bist, dann wieder anheuern – hat ein Bekannter jahrelang so gemacht!

              • Bibo59 sagt:

                Ich wollte mal auf so ’nem Kreuzfahrschiff anheuern. Die führen nämlich ein Drehteam mit um hinterher DVDs an die Touris verkaufen zu können. Viel Arbeit bei extrem schlechter Bezahlung. Crew-kurs (Lebensrettung) vorher ist Pflicht und muss selbst bezahlt werden. Womit das „Gehalt“ schon wieder fast weg ist. Trotzdem, aus der jetzigen Situation heraus, wo ich keine Miete mehr zahle und ebenso wenig verdiene, wäre es schon mal wieder eine Überlegung wert.

              • Bibo59 sagt:

                Auf’m Frachter brauchen die kräftige junge Kerls und keine alten Fregatten in Leichtbauweise.

  3. ladypark sagt:

    Ich finde dein Süppchen schon ganz beachtlich. Und ich freue mich immer wieder über Anregungen, die durch dein Kleinvieh bei mir ankommen. Insofern schwappt dein Süppchen doch auch immer mal wieder über den eigenen Tellerrand hinaus, ohne missionieren zu müssen.

  4. PurpurBête sagt:

    Das ist gar nicht richtig aussortiert, das ist geup- oder recycelt!

  5. Jane Blond sagt:

    Ich finde gut, was Friederike schrieb. Wahrscheinlich ist es so, dass man, so außerhalb lebend, wenig von dem Müll der Welt mitbekommt. Macht man sich deswegen weniger Gedanken, und lebt in den Tag hinein? Rücksichtslos? Ich glaube nicht.
    Ich versuche auch lange schon, nicht mehr alles an mich ranzulassen. Mir wurde dieser Weltschmerz irgendwann zu viel. Vieles bekomme ich heute – wenn – erst recht spät mit.
    Es gibt viele Faktoren. Manchmal ist es nicht nur dies ab vom Schuss sein, das vieles abpuffert, manchmal ist es auch das eigene Leben, das einen derart beansprucht, dass man nicht andauernd über den Tellerrand schaut.
    Ändert das etwas an der Tatsache, dass man – ich für mich – weiterhin darauf achte, was ich tue? Ich denke nicht.
    Wobei wir wieder beim Kleinvieh sind, das eben auch Mist macht.

    • Fjonka sagt:

      Sicher: besser für sich selbst beginnen und da auch was tun als ganz verzagen (oder garnicht erst nachdenken). Und es hilft ja auch Keinem, wenn man sich durch all die schlechten Nachrichten aus aller Welt völlig runterziehen läßt. Und sozusagen in der Schreckstarre verharrt.
      Außerdem habe ich festgestellt, daß es ganz gesund ist, sozusagen seine eigene Nische zu finden, in der man vornehmlich was tut – bei mir ists halt der Umweltgedanke, bei Anderen ists Flüchtlingshilfe, Tierschutz oder die Landfrauen – solang es bloß irgendeinen Gemeinnutzen hat, finde ichs prima – und die ganze Welt retten, an jeder Baustelle mithelfen – das kann ja doch Niemand!
      Und wenn mich wieder das schlechte Gewissen packt, daß ich nur hier in meiner winzigen Blase überhaupt was mache, dann bleibt mir immerhin noch das spenden. Das tu ich dann auch mal für andere Dinge als den NABU. Die Tafel zB oder Ärzte ohne Grenzen.
      Kleinvieh…

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