Wieder da – my old friend, the blues….

Dachte, ich könnte länger gut haben von diesem grandiosen Sommer – doch kaum ist es mal einige Tage düster und ich habe nicht allzuviel vor, schon sagt er „hallooohoooo – hier bin ich!“ und nistet sich bei mir ein – der Blues.

Insofern: hier passiert grad nicht wirklich viel. Raffe mich zu wenig auf, zu neuem schon erst gar nicht, und bin froh, wenn ab Ende der Woche die – noch zu energiereicheren Zeiten verabredeten/ organisierten – Termine auf mich niederprasseln und mich vom Elend ablenken. Gestern waren wir in Kiel zu einer Lesung, da hat das auch ganz gut geklappt. Hält bloß immer nicht lang vor…. die Tageslichtlampe ist im Einsatz und für den Rest heißt es, wie Herr Valentin es so schön sagte:

„Zähne hoch und Kopf zusammenbeißen“.

Der „old friend“ ist Einer, den ich wirklich unglaublich gerne mal aussortieren würde, aber er schafft es immer wieder, mich zu überlisten und große Teile meiner (inneren) Räumlichkeiten zu übernehmen. Dann macht er es sich dort so richtig behaglich (er mag es grau in grau) und bleibt – und bleibt – und bleibt.

Was er gar nicht mag, das habe ich in langen Jahren des kämpfens herausgefunden:

  • Licht
  • Luft
  • Musik
  • Bewegung
  • Abwechslung
  • (Mir angenehme) Gesellschaft. Außer meiner, leider! Aber die möchte er am liebsten exklusiv. Nur an den Herrn F. hat er sich leider schon gewöhnt, dessen Gesellschaft vertreibt ihn nicht.
  • Lachen und Spaß jeder Art

Er hat so eine Art, dafür zu sorgen, daß diese Dinge mir fern bleiben, wenn er sich’s erst einmal bei mir bequem gemacht hat, die es mir sehr schwer macht, sie an ihm vorbei zu schmuggeln. Und daß ich sie, wenn sie dann da sind, genießen kann – das ist auch noch nicht gesagt. Er überzieht sie mit einer Patina aus grau und aus negativen Gedanken, die mich mehr und mehr lähmt, je länger er da ist. Dann kann es passieren, daß draußen die Sonne scheint, es 15° hat – und ich drin auf meinem Sofa sitze wie ein wabbelnder Pudding aus Elend und Unentschlossenheit – in jedem Moment ganz genau wissend, daß ich jetzt bloß raus müsste, bloß anfangen, womit auch immer, und schon wäre der Blues, für den Moment zumindest, nicht mehr Herr über mich. Aber oft schaffe ich das einfach nicht, und das macht es dann nochmal schlimmer – zu wissen, daß es gar nicht so schwierig ist, es aber einfach nicht zu können


Aussortiert: Räucherstäbchen. Ich mache immer mal eines an. Ungefähr einmal im Jahr. Bei diesem Tempo des Verbrauchs würde der Vorrat eh bis an zwei Lebensenden halten, und außerdem sinds alles nicht die Düfte, die ich mir selbst ausgesucht hätte, sondern vor dem wegwerfen bei Freunden gerettete. Jetzt hat das erste Paket auf dem Mitnehmtisch ein neues Zuhause gefunden (was mich daran erinnert, daß ich von ihm schreiben wollte. Jetzt aber…. *g*)


4 Stunden später:

Ha! Neinnein, so leicht geht das nicht, mein Lieber! Nachdem ich mich gestärkt hatte, seelisch mit dem schreiben des Mitmachtisch-Beitrags und körperlich mit dem aufgewärmten Essensrest von gestern, hab ich mich mit einem Kaffee in die Wintergarten-Tür gesetzt. Und kaum hatte ich erstmal eine Viertelstunde „fast draußen“, habe ich mich aufgerafft und bin ganz rausgegangen. Habe Rasen gemäht (ja, das war am 17. November nötig- das Gras wächst noch, bei meist über 10° in den letzten Wochen kein Wunder), etwas in den Staudenbeeten gezupft und bin ganz allgemein an der Luft und sogar in der Sonne gewesen, die kurz rauskam – und? Ja, es geht besser!

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16 Kommentare zu “Wieder da – my old friend, the blues….

  1. steinegarten sagt:

    Fest auf der Erde stehen und mit einer Yoga-Schüttelübung alles TRÜBE aus den einzelnen Körperteilen (besonders aus dem Kopf 😉 rausschütteln …. bald ist es wieder Frühjahr – durchhalten und die Blues al smUsik genießen … LG Steineflora

  2. ladypark sagt:

    Hey, der Wettergott hatte ein Einsehen und lässt heute nur für dich die Sonne mit sich selbst um die Wette scheinen. Geht doch, man muss sich nur mal richtig beschweren. 😉

    • Fjonka sagt:

      Hmmmm- hier war tatsächlich etwa siebeneinhalb Minuten die Sonne zu sehen, vorhin ….
      wahrscheinlich warst Du besser im beschweren!

      • ladypark sagt:

        Nanu, hier scheint sie seit heute früh, jetzt immer noch. So weit wohnen wir doch gar nicht voneninander entfernt. Merkwürdig, dabei habe ich mich gar nicht beschwert.

  3. realkiku sagt:

    Wollte Dir auch sofort zu Johanniskraut raten, das hat mich durch viele Winter gerettet.

    (Was auch geholfen hat, waren die Hormone während Schwangerschaft und Stillzeit *grins*, aber die Nebenwirkungen!!! Sind heute noch da.)

    Seit 2 Jahren ist es nicht mehr so krass mit den depressiven Stimmungen im Winter, ich weiß nicht, wie es kam.

    Ich wünsche Dir alles Gute und uns allen viele Wintersonnentage!

  4. tikerscherk sagt:

    Jahrelang war der Winterblues über Monate mein Gefährte. Der Umzug nach Berlin brachte schon ein wenig Abhilfe, weil wir hier im Winter mehr Sonne haben als in der Mitte Deutschlands.
    Wirklich ganz unerwartet fabelhaft, also geradezu durchschlagend wirkt hochdosiertes Johanniskrautextrakt. Habe ein Produkt von meiner Ärztin bekommen, das sich anders schreibt, aber ausspricht wie „Life,“ das Leben also, und auch so wirkt. (keine Produktnamen, ich weiss- lösch es einfach, wenn Dir das, nur leicht verändert, nicht recht ist)
    Ich habe es viele Jahre von Oktober bis März genommen.
    Damit wird zwar nicht alles toll, aber sehr viel leichter und heller und das grau färbt sich bunt ein.

    So anstrengend, wie diese Zeit auch ist: Du hast sie sehr treffend und schön beschrieben.

    • Fjonka sagt:

      Leider vertrage ich kein Johanniskraut (hab ich mit mehreren Arten versucht): seltsamerweise schlafen mir nach wenigen Tagen dauerhaft die Fingerspitzen ein, extrem unangenehm….. setze ich’s ab, ists nach wiederum einigen Tagen vorbei.

      Und: danke fürs Kompliment 🙂

      • tikerscherk sagt:

        Das ist aber wirklich Mist.
        Was mir aber sonst noch gut hilft, sind Lavendelblüten.
        Ich kaufe einen Beutel (zB Apotheke) und schütte sie in ein Einmachglas. Wenn es mir wieder bluesig wird, öffne ich das Glas und stecke das halbe Gesicht hinein. Tief einatmen, mehrmals. Das berauscht und euphorisiert mich richtig. Da weht mich beinahe das Sommerglück an.
        Wenn das nicht hilft, kannst Du immer noch Tee oder zB Lavendelessig aus den Blüten machen.
        Ich drücke die Daumen!

        • Fjonka sagt:

          Ein bißchen wie mein „Norwegen-Heu-Glas“, ich glaube, das teste ich mal. Mein Norwegen-Heu-Glas ist über 15 Jahre alt, da habe ich mal im Urlaub Wiesenheu in ein Schraubglas gepackt. Eigentlich, um Leuten zuhause zu zeigen, wie sensationell gut Heu duften kann. Und es duftet IMMER NOCH!!!! Allerdings öffne ichs auch höchstens einmal im Jahr, insofern ist das mit dem Lavendel schon gut, den kann man ja ersetzen.
          Danke fürs Daumendrücken!

          • Bibo59 sagt:

            Oh, ein Heu-Glas hört sich toll an. Ich hatte im Sommer so viel Heu und keinen, der es frisst. Vielleicht probiere ich nächsten Sommer mal Heusäckchen oder so? Aber wahrscheinlich verweigert dann die heuschnüpfelnde Eule ihren Besuch.

  5. Bibo59 sagt:

    Den Winterblues, den kenne ich gut. Angefangen hat das damals, als ich in der Dunkelkammer gearbeitet habe und so monatelang kein Tageslicht gesehen habe.
    Danach hat er mich nicht mehr verlassen.
    In Hamburg bei der Schichtarbeit kam es auf die Schicht an. Ich habe dann oft die Spätschicht genommen, ab 15.00 Damit ich wenigstens vormittags etwas Tageslicht abbekommen habe. Und ganz wichtig: Meinen Sommerurlaub in den Winter verlegt. Also ab in die Sonne (scheiß auf den öko-Fußabdruck)
    Einmal bin ich auch in eine Videothek gestürmt und habe mir eine 14tägige Diät aus Disney(&Co)filmen verordnet.
    Aikido hilft, sofern man sich aufrafft wirklich hinzugehen.
    Ansonsten mache ich tatsächlich das, wovon die Gelehrten immer abraten: Winterschlaf. Mag ja sein, dass die Blues-Experten wissenschaftlich erwiesen haben, dass man nicht mehr als 6 Stunden schlafen soll, aber MIR geht das besser wenn ich schlafe so lange es richtig dunkel ist und aufstehe, wenn es etwas hell wird. Dafür schlafe ich dann im Sommer weniger.

    • Fjonka sagt:

      Hilfsmittel wie die, die auch ich kenne: Luft, Licht, Bewegung. Bloß liest es sich so, als seiest Du besser im umsetzen (aufraffen)
      Das mit dem schlafen kann ich nicht testen, erstens wegen der Arbeit, aber auch, weil ich je schlechter die Stimmung, desto schlechter auch ausschlafen kann. Dann bin ich, todmüde, morgens um halb sechs wach (HALLOWACH mit Adrenalin) und die Gedanken drehen.

      • Bibo59 sagt:

        Na, seit der Umstellung auf Winterzeit habe ich auch so einige Male den Abflug zum Aikido verpasst. Muss mir dann echt für die Abendkurse den Wecker stellen und für mich ist das wie mitten in der Nacht trainieren. Samstagvormittag ist mir der liebste. Die Disziplin habe ich wahrscheinlich von Hund und Pferd gelernt. Kater sind da eher kontraproduktiv und der Fuchs beschäftigt sich selbst. So nun gehe ich mal raus ins Trübe, ein Buch freilassen. (Buß und Bettag Themenrelease)

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