Notgeld

Da war doch noch was….
ja, da war noch was im Bönstruper Dorfmuseum. Eine Vitrine mit Notgeld nämlich.
Ich hatte schon von Notgeld gehört, aber ehrlich gesagt: genau wusste ich nicht, was es damit auf sich hatte – und hier hing nun hinter Glas jede Menge davon, liebevollst gestaltet – offenbar hat jede Gemeinde selbst Geld auflegen dürfen…
In Bönstrup haben wir nichts dazu gelernt, da sind die Dinge einfach nur ausgestellt – aber daheim habe ich mich dann doch mal hingesetzt und im Netz gesucht. Aber erstmal guckt Euch die mal an – een Deel is op platt beschriftet, schön gestaltet sind sie alle….:

Auf dem Schein mit den Angelner Rindern steht:

Cheldschien för de chrundchude Chechend, wo Egen un Bögen(?) Chastn(?) un Chrass chräsich(?) chut chedeih’n.

Ich verstehe nur einen Teil: Geldschein für die grundgute Gegend, wo ? und ?? und Gras ? gut gedeihen. Versteht Jemand mehr???

Was die Geschichte betrifft, zitiere ich hier mal aus papiergeld.de:

Notgeld – wie der Name schon sagt: aus der Not geboren. Mit Beginn des 1. Weltkrieges wurden die Reichsgoldmarkmünzen eingezogen, bald folgten die größeren Silbernominale zu 2, 3 und Fünfmark. Mit Ausgabe der kleineren Stückelungen der Darlehenskassenscheine ersetzten diese nach und nach das Silbergeld, auch das kriegswichtige Kupfer und Nickelkleingeld wurde stillschweigend eingezogen. Die steigende Geldentwertung beschleunigte das Verschwinden der Münzen im Zahlungsverkehr. Es bestand also ein echter Bedarf Geldersatzmittel zu schaffen. Die ersten Ausgaben von Notgeld wurden im Kriegsjahr 1914 bekannt. Normalerweise gehörte das Münzrecht zum staatlichen Hoheitsrecht. Das heißt der Staat sorgt für seine Bürger für mehr oder minder geordnete Zahlungsverhältnisse. Auch in anderen Perioden der Geschichte ist es zu Notgeldausgaben infolge Zahlungsmittelknappheit gekommen. (Belagerungsgeld etc.) Der Staat duldete die Notgeldausgaben zwangsläufig, denn er konnte die Zahlungsmittelknappheit nicht befriedigend beseitigen. Besondere Knappheit herrschte in den ersten Kriegsmonaten in Teilen von Westpreußen, Niederschlesien, Posen, Rheinprovinz und Westfalen und Elsaß.

1914/1915 wurden ca. 451 Ausgabestellen von örtlichem Notgeld bekannt. Es kam in dieser Periode zu ca.1630 Ausgabenominalen in bis heute nicht mehr genau feststellbarer Auflagenhöhe. Diese Ausgaben wurden aber bald wieder eingezogen, da der Staat die Knappheit mit vermehrter Ausgabe von Darlehenskassenscheinen kompensierte.

Es folgten noch verschiedene Notgeldepochen, je nachdem welche Münzen hauptsächlich fehlten.

(…)

Ab 1918 wurde mehr Sorgfalt auf die Gestaltung der Notgeldscheine gelegt. Die Ausgabestellen erkannten bald, daß schön gestaltete Scheine in Sammlerhand blieben und nicht eingelöst wurden. (Die Differenz vom Nominal zu den Druckkosten waren der Gewinn für die Ausgabestellen)  Ab 1920 wurde die Ausgabe von Notgeldscheinen zum richtigen Geschäft, es wurden große Mengen Serienscheine verausgabt, welche sich in großer Stückzahl bis heute erhalten haben. Das Sammeln von Notgeld kam so in Mode, daß es erste Sammelclubs gab. Auch sind Notgeldausstellungen Anfang 1921 bekannt geworden.


Aussortiert: eine kleine Fahrradtasche, die ich mal als Geschenk ersteigert hatte, dann aber doch nicht so passend fand. Wurde vom Mitnehmtisch mitgenommen.

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6 Kommentare zu “Notgeld

  1. Gerburgis sagt:

    Für mich (mit münsterländischem Platt auf einem Bauernhof aufgewachsen) heißt es so: Geldschein für die grundgute Gegend, wo Eichen und Buchen, Gerste und Gras „supergut“ gedeihen.
    Bei uns gibt es, auf die Westfalen bezogen, diesen Spruch: Wo Isen ligg, wo Eken wasst, do wasst auck Lü,de daobi passt! (Wo Eisen liegt, wo Eichen wachsen, da wachsen auch Leute, die dazu passen!)
    Wünsche Euch frohe Weihnachten und ein gutes (Bienen)Jahr!
    Gerburgis

    • Fjonka sagt:

      Oh! Ja!! Das wirds sein, es war ein wenig wie „Schuppen von den Augen fallen“ – denn wenn man die Lösung hat, spricht man’s innerlich anders aus – und schwupps, schon werden aus Bögen Böiken – Buchen – und aus Egen Eeken- Eichen!
      Danke 🙂
      Ich komme ja aus dem Rheinland und bin hochdeutsch großgeworden, da hatte ich wenig Chancen *g*
      Und den münsteraner Spruch finde ich regelrecht schön, man kann sich die stämmigen, Harten Bauern gut vorstellen, die doabi passt ….

  2. Jane Blond sagt:

    Mich irritiert das „ch“ fürs G.
    Plattdeutsch ist das nicht wirklich. Eher dieses eingedeutschte Altdänische.
    Eigen und Bögen sägt mir auch nix. Aber gräsig. Das ist, wie Gras zu sein hat. Satt und grün, was für eine gute Ernte steht.

    • Fjonka sagt:

      gräsig – den Ausdruck kannte ich nicht – und die Eigen und Bögen hat Gerburgis oben erklärt! 🙂

      • Gerburgis sagt:

        Gräsig ist bei uns auch, wer mies gelaunt ist…. Janes Bezug zur Ernte war mir dagegen neu. Die plattdeutsche Sprache trifft oft so genau. Witzig finde ich auch, wenn „jemand statt-up“ geht, also fröhlich und voller Energie. Der Bezug zum bäuerlichen Leben: Lässt man die Kühe nach dem langen Winter im Mai erstmals auf die Weide, springen sie mit hoch erhobenen Schwanz durch die Weide. Nett, oder?

        • Fjonka sagt:

          SEHR nett. Muß glatt mal nachfragen, ob man das hier auch sagt…. gehört hab ichs noch nie bewusst, aber wenn ich dabei bin, wird ja rücksichtsvoll eher „Hochdeutsch mit Knaubeln“ gesprochen (so heißt das im rheinischen platt, wenn Einer hochdeutsch sdprechen will, das aber nicht so ganz hinkriegt *g*)
          Übrigens: auch Dir (Euch – Dir und den fliegenden Damen) ein gutes Weihnachten. 🙂 Unsre müssen noch Oxalsäure bekommen, bisher gehts mit dem Wetter nicht)

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