Traurig

Wir haben es uns ja schon gedacht. Jetzt wissen wir es: nur unser Sternchen-Volk lebt noch. Bei den Grauen war keine einzige lebende Biene mehr zu finden, es gab Nosema-Indizien (Nosema ist eine Durchfall-Erkrankung, bei der man im Bienenstock Kotspuren in gelben Streifen über den Waben findet). Ich nehme aber an, daß sie nicht an der Nosema letztlich eingegangen sind, sondern einfach viel zu geschwächt durch die Varroa waren, die wir, wie Ihr wisst, im Spätsommer einfach nicht in den Griff bekommen haben. Futter war genügend übrig, verhungert sind sie nicht.

Bei den Roten gab es noch wenige Lebende, vielleicht drei Dutzend, die aber durchwegs sehr schlecht aussahen – keine flog mehr, alle waren dunkel und sehr träge in den Bewegungen. Durchfallspuren gab es hier nicht, Futter war in genügend großer Menge da – so wie die restlichen Bienen aussahen, waren es noch Überlebende der langlebigen Winterbienen. Wir haben sie abgefegt und totgetreten – diese kranken Bienen mochten wir so nicht weitersterben lassen.

Bei den Sternchen haben wir genügend Futter und ein Brutnest über 2-4 Waben gefunden (wir haben von einer Seite aus gesucht und beim Beginn des Brutnestes aufgehört, es war zu kalt, um alles auseinanderzurupfen) Da Biens schon wieder Nektar eintragen, haben wir 3 volle Futterwaben hinters Schied gehängt (da können sie sich noch bedienen), eine am Brutnest belassen und die anderen beiden rausgenommen. Leider gab es keine vollständig verdeckelte Wabe, die wir für einen Ableger oÄ hätten aufheben können, in allen Waben war 3/4 verdeckelt, der Rest aber voll mit ganz frischem, noch ganz flüssigem Nektar. Wir haben ohne Trenngitter schonmal den Honigraum aufgesetzt, damit sie genug Platz für den Honig und das hoffentlich bald große Brutnest haben. Das soll man, lasen wir, damit sie nicht durch zu wenig Platz wegen der frühen Tracht der Weiden schon früh ans schwärmen zu denken beginnen.

Ja, das sind keine guten Nachrichten, ich bin grad traurig – wir trösten uns mit Arbeit: die toten Völker werden uns noch das Wachs für die ein oder andere Kerze schenken, die wir zu ihrem Gedenken anzünden können, und so läuft unten in der Küche der Dampfentsafter, während ich dies schreibe: beim letzten Treffen sagte und Sabine Imkerin, daß man auch nektarschwere Waben so einschmelzen kann, weil das Wachs sich beim erkalten oben auf Wasser und Honig absetzt. (Den Honig können wir eh nicht nutzen)

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Jahr 5.

15 Kommentare zu “Traurig

  1. Zora sagt:

    Oh man, überall diese Verluste! Mir ist ganz Angst und Bang, gerade jetzt einsteigen zu wollen. Ich fühle mich nicht dazu in der Lage…
    Sag mal, das Buch „Imkern in der Oberträgerbeute“ von Fröhlich – habt ihr das? Taugt es was? Ich orientiere mich immer noch, was Beuten angeht und denk jetzt doch wieder an eine TBH.
    LG Zora

    • Fjonka sagt:

      Diesmal ist es überall schlimm. Das heißt aber ja nicht, daß es im nächsten Winter nicht besser wird!! Nur Mut!!!
      Das Buch haben und kennen wir nicht, es soll ganz gut sein, hilft aber beim entscheiden nicht wirklich, vielleicht hilft da aber dieses hier ganz gut weiter: Bienenbeuten und Betriebsweisen, von Franz Lampeitl. Ich habe es nicht, aber ich habe gutes davon gelesen

  2. Rosenfrau sagt:

    Ach wie schade – das tut mir leid für euch. Und für Biens natürlich auch :-/

  3. Ich möchte Dir einfach alles Gute für dieses Jahr wünschen!

    lg
    Maria

  4. Friederike sagt:

    Oh, wie doof. Und wie schrecklich. Ich nehme an, es ist völlig egal, ob man Pferde oder Hunde oder Bienen zu versorgen hat: man fühlt sich einfach verantwortlich für deren Leben… und dann ist sowas einfach zum heulen. Aber was für eine schöne Idee, aus dem Wachs noch Kerzen zu machen.

    • Fjonka sagt:

      Zum Glück ist es doch ein großer Unterschied. Ja, es IST traurig. Aber wenn ich dran denke, wie es uns ging, als unser Kater Kilian gestorben war – das kann man wirklich garnicht vergleichen! So ein Bienenvolk ist Einem (mir/ uns jedenfalls) dann emotional doch längst nicht so nah.
      Man fragt sich, was man nun besser hätte machen können, man denkt durchaus auch, daß man als Imker einfach nicht taugt und ob man überhaupt noch weitermachen soll. Aber man sitzt dann abends auch fröhlich beim Osterfeuer (was mir nach des katers Tod so nicht möglich gewesen wäre)
      Und es tröstet mich, daß selbst gestandene, langjährig erfolgreiche Imker wie des Herrn Onkel in Bayern in diesem Jahr statt mit 5 nur noch mit einem schwachen, eigentlich nicht recht lebensfähigen Volk dastehen. Das ist keine Schadenfreude, sondern einfach der Gedanke, daß es nicht nur uns getroffen hat, daß wir vielleicht nicht so „schuldig“ sind wie wir uns /ich mich am Tod der Völker fühle/n

  5. beithe sagt:

    Ach, das tut mir leid für euch und die Bienen. Dieses Jahr startet aber auch doof. Ich drück euch die Daumen, das es jetzt besser wird.

    • Fjonka sagt:

      Danke.
      Es heißt ja immer, die Imker sind schuld, wenn … aber diesmal meine ich, alles getan zu haben was ging, und auch keine gravierenden Fehler gemacht zu haben außer einem bei den Roten: nach der Brutentnahme hätten wir mehrfach mit Milchsäure behandeln sollen, was wir da nicht wussten.
      Tschä.

  6. Steffi sagt:

    ach wie traurig und schade… Knuddel Euch mal.

  7. Bibo59 sagt:

    Ach schade. Dieses Frühjahr war ja auch nicht einfach für die Bienen. An den wenigen schönen Tagen waren meine sämtlichen Kroküsschen voller hungriger Bienen. Sonst gab es noch nicht. Und jetzt im Sturm sind alle daheim geblieben.

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