Imkerlatein: sterzeln; sich einfliegen

Heute eine weitere Folge der Imkerfachsprachen-Erklärungen, diesmal zu dem schönen Wörtchen

 sterzeln

Das ist zumindest mal kein Wort, bei dem man denkt „ja, warum hat sie das denn nicht gleich gesagt“ – denn es gibt kein einfaches, sich selbst erschließendes Wort für das, was die Bienen da tun. So sieht es aus, wenn sie’s machen:

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das helle vor dem letzten, spitz zulaufenden Segment des Hinterleibs, ist die Duftdrüse

Sie tuns vor den Eingängen zu ihrer Bienenbehausung, und was sie da tun ist: eine Wegmarkierung setzen. Denn sie sitzen mit dem Kopf zum Einflugloch, recken ihr Hinterteil in die Höhe und knicken dabei das allerletzte Stückchen davon ab, um ihre Duftdrüse freizulegen. Das ist deutlich zu sehen, es ist der hellere Teil, zwischen vorletztem und letztem  Segment des Hinterleibs. Dort sondern sie dann Duftstoffe ab, die sie mit den emsig schlagenden Flügeln in die Luft vor ihrer Behausung verteilen. Und so können Flugbienen gut heimfinden. Genutzt wird diese Art Wegweiser

  • wenn Jungbienen sich zum ersten Mal hinausbegeben, was sie meist in Gruppen tun, und sich in der Umgebung orientieren – das nennt man „sich einfliegen“
  • wenn ein Schwarm abgeflogen ist – dann sterzeln Bienen am Bienenstock – immer gibt es auch Bienen, die mit dem Trubel herausgesogen wurden, aber garnicht schwärmen wollen, die finden dann besser zurück
  • und auch an der Sammelstelle des Schwarms sterzeln viele Bienen, damit versprengte Schwarmbienen sie finden
  • außerdem natürlich immer dann, wenn das Bienenvolk eine neue Heimat gefunden hat – der Schwarm im neuen Bienenstock, oder das Volk, wenn der Imker es woandershin gebracht hat, oder ein Ableger, der in eine neue Behausung gebracht wurde

Übrigens hat jedes Volk seinen eigenen Duft – für Menschennasen nicht zu unterscheiden, aber selbst bei direkt nebeneinanderstehenden Völkern wird jede Biene riechen können, wohin sie gehört, wenn überall sterzelnde Bienen stehen!


Und jetzt könnt Ihr gleich mal anwenden,was Ihr gelernt habt, denn es gibt Neues von Biens, und das hat sehr damit zu tun:

Freitag
Als ich von der Arbeit kam, erzählte mir der Herr, begleitet von Fotos, dies:
mittags lief er durch den Garten, als ihm auffiel, daß am Mondvolk auffallend viele Bienen saßen und sterzelten

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Er fragte sich, warum wohl dies. Aber da das Volk ja garnicht schwärmen KONNTE (schließlich hatten sie erst vor kurzer Zeit Weiselzellen auszubauen begonnen, die neue Königin konnte noch garnicht geschlüpft sein), hat er sich zunächst nicht viel dabei gedacht. Vielleicht viele Jungbienen auf ihrem ersten Flug unterwegs oder so. Aber da sterzeln schon bemerkenswert viele Bienen! Naja. Okay. So dachte er. Bis er dann hinten im Garten dies sah:

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Noch immer war nur beim Mondvolk auffälliges zu sehen (die sterzelnden Bienen). Er hat dann das Schwärmchen abgefegt (er sagt, das Bild täuscht, es war weniger als es scheint) und vor dem Mondvolk abgestoßen. Es geschah dies:

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und nach einer Weile waren sämtliche Bienen ohne Kämpfe (also waren es wohl auch keine aus einem anderen Volk, oder??) wieder im Flugloch verschwunden.
Tja. Und jetzt? Ein Volk ohne Königin schwärmt doch nicht! Wir haben große blinkende Fragezeichen auf der Stirn.


Samstag

Der Herr F. muß ran, schließlich wollen wir wissen, was da los ist – und möglichst nicht, daß mittags wieder ein Schwärmchen irgendwohin fliegt. Ich muß arbeiten, blöd! Und was sieht der Herr F., als er das Mondvolk öffnet? Dies:

von der Sorte gab es zwei!

von der Sorte gab es zwei!

Zwei Weisel (Königinnen-)zellen mit säuberlich geöffneten Deckelchen. Da waren also gleich zwei Jungköniginnen geschlüpft!! Und beide Zellen an einer der alten Waben! Die jedeR von uns einmal in der Hand gehabt hatte, um zu suchen – ohne Weiselzellen zu entdecken!! Deshalb hatten wir ja frisches Wabenwerk mit Stiften (Stifte – nachzugucken unter der Rubrik „Imkerlatein!! *g*) zugehängt – und komischerweise hatten die Bienen ja auch daran einige Weiselzellen angesetzt – warum sie das getan haben, wenn sie doch offenbar schon auf der ursprünglichen Wabe 2 Zellen in Arbeit hatten – das ist mir ein Rätsel. Diese Zellen (die jüngeren) waren übrigens auch noch da – aber mindestens eine davon hatten die Bienen zerstört. Vielleicht also wollten sie auf Nummer sicher gehen, 2 Zellen waren ihnen zu wenig – und nun, wo gleich 2 Königinnen geschlüpft waren, konnten sie die jüngeren aufgeben? Wie auch immer – der Herr F. hatte also am Freitag tatsächlich ein Schwärmchen abgefegt und in den Bienenstock zurückgebracht …. da sie heute nicht wieder zu schwärmen versucht hatten, wird entweder die abgeschwärmte Königin beim fegen gestorben sein, oder sie haben das anders gelöst- so wie es eigentlich hätte sein sollen und normal gewesen wäre: eine Königin wird vom Volk „gekrönt“, die andere totgestochen. Aber unsere Bienen machen ja immer alles gaaaaanz anders *seufz*.

Wo er dabei war, hat der Herr F. auch noch in die anderen Völker geschaut und festgestellt: auch das Sonnenvolk wollte schwärmen. Mehrere Weiselzellen hat der Herr entfernt… auch seltsam – normalerweise soll ein per Flugling geteiltes Volk zuverlässig die Schwarmlust verlieren. Unseres nicht. *nochmalseufz*

Die Sternchen sind auch ordentlich stark geworden, aber die haben keine Weiselzellen, sind also (noch) nicht in Schwarmstimmung. Zumindest hat der Herr F. nichts gesehen – inzwischen traue ich uns da nicht mehr über den Weg….. Wir haben eine verdeckelte Brutwabe mit (hauptsächlich) Drohnenbrut entnommen – einerseits um die Varroen zu dezimieren (die sich in den verdeckelten Brutzellen, besonders gern bei den Drohnen, vermehren) und andererseits, um die Sternchen nicht in Schwarmstimmung kommen zu lassen.

Wieder ein Bienen-Abenteuer …..

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5 Kommentare zu “Imkerlatein: sterzeln; sich einfliegen

    • Fjonka sagt:

      Aber gerne doch!
      (Und danke fürs kommentieren, ich finde es schön, wenn ich sehe, daß auch ältere und gerade diese erklärrenden Beiträge noch gelesen und genutzt werden!)

  1. berlinbee sagt:

    … aber, trägt der Drohn nicht zur Volksstimmung bei und die Damen entscheiden über das Maß? Ist die Varroabrut nicht unterbrochen, wenn der Bien schwärmt??? Das sind so die Gedanken, die i c h mir mache, wenn ich von Drohnenbrut und Varroa höre … ein Gedanke ist es allemal Wert

    • Fjonka sagt:

      Ja, das ist, meine ich, der große Vorteil für uns Imker beim schwärmen – daß der Schwarm und das Ursprungsvolk eine Zeit lang keine Brut haben und so die Varroa natürlich eingeschränkt wird in ihrer Vermehrung. Trotzdem empfinde ich den Gedanken an die Schwärme, die uns entkommen und in unserer Industrie-Agrarlandschaft hier keine Chance auf ein ihnen gemäßes Zuhause haben als Belastung. Deshalb versuchen wir, ohne Schwärme auszukommen.

      Wir versuchen wohl so etwas wie einen Mittelweg – nicht konsequent „wesensgemäß“, wie das in Imkerkreisen so genannt wird, aber wir lassen Biens mehr so tun, wie sie es für richtig halten als mancher konventionelle Imker.

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