Erntezeit

Sonnabend, 4.7. So ganz ein bißchen Honig hatten wir ja schon mal aus diversen Bruträumen geholt – eine zu dick gebaute, nektarvolle  Wabe, und eine, weils einfach soooo viel war, wegen der brutfreien Zeit mitten in der Rapsblüte. Und dann kam die Zeit nach der Rapsblüte – die Zeit, in der hier bei uns im Norden der meiste Honig geerntet werden kann, sobald er dann, wenn der Raps verblüht ist (und die Äpfel und Kirschen – die liefern ja ein wenig früher auch viel Nektar), reif ist. Aber wann, bitteschön, ist denn so ein Honig reif? Anhaltspunkte waren jahrhundertelang

  • daß, wenn man eine Wabe kurz schüttelt, nichts herausspritzt (Spritzprobe)
  • und daß die Bienen etwa zwei Drittel der Zellen verdeckelt haben.

Aber in Zeiten der technischen Nachprüfbarkeit von allem und jedem lesen wir überall, daß das nicht mehr gilt – auch verdeckelter Honig kann mehr als die 20% Feuchtigkeit aufweisen, die er höchstens haben darf, soll er sich noch Honig nennen können (und ewig haltbar sein. Mit zu viel Feuchte kann er zu gären beginnen) Messen kann man das mit einem Refraktometer. Ja, und da beginnt auch schon unser Leidensweg. Ich nämlich habe so ein Refraktometer erstanden – im internet, bei ebay – und dem Herrn F. zu Weihnachten geschenkt. Und schnell festgestellt: verdammt, das Dingen funktioniert nicht! Probiert, gemacht, getan – mit Wasser gings wunderbar, aber bei Honig hat es gestreikt. Zeit verging. Und irgendwann las ich, was los war: es gibt Refraktometer für unterschiedliche Zwecke – und ich, das nicht wissend, habe eines – für wäßrige Flüssigkeiten erstanden! Wat’n Sch***! Was nun, sprach Fjonka? Wir beschlossen, so zu tun, als gebe es die ganze Technik nicht, und uns auf die Bienen und unser Gefühl zu verlassen! Bisher hat das ganz gut geklappt, aber jetzt!? Jetzt, wo wir erstmals Honigräume aufgesetzt haben? Jetzt haben die Sternchen ordentlich Honig eingetragen – und seit mehreren Wochen schauten wir immer mal nach, und wir sahen: die Hälfte verdeckelt. Mehr nicht! Und es tat sich auch nichts, keine Veränderung! Hmmmmm…. irgendwann aber muß mal geerntet werden, schließlich fängt demnächst die Linde an zu blühen, dann kommt frischer Nektar dazu, und damit wird dann alles wieder viel feuchter (Biens sind da nämlich nicht so ordentlich – die tragen auch den „alten“ Nektar immer wieder um, in mauen Zeiten wird davon gefressen, dann kommt frischer dazu – alles in ewiger Bewegung….) Also haben wir beschlossen: jetzt ist gut, jetzt wird geerntet. Heute Morgen hat der Herr F. die Bienenflucht aufgesetzt – und sich dabei 2 Stiche eingefangen, die Sternchen waren richtig, richtig patzig – man gut, ich musste arbeiten 😉 Und heute Abend haben wir geguckt.

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Fünf Honigwaben waren so weit, daß wir sie „für gut befanden“: voll und über die Hälfte verdeckelt. Der Rest glitzerte noch offen. Diese fünf haben wir entnommen, und jetzt tropft er, unser Sternenhonig 🙂 Fünf Waben von unserem stärksten Volk – das wirkt jetzt für einen konventionellen Imker erstmal sehr enttäuschend. Für uns aber ist es völlig okay so, denn:

  • unsere Bienen bauen ihr gesamtes Wabenwerk selbst, auch die Honigwaben. Das braucht Zeit, bindet Arbeitskräfte, und wer arbeitet, der muß auch essen! Bienen, die Naturbau haben, geben weniger Honig an die Menschen ab als solche, die ihre Waben nur noch aus vorgezogenen Mittelwänden herausziehen müssen
  • Wir haben die Sternchen mehrfach geschröpft – Drohnenbrut entnommen, eine Honigwabe aus dem Brutraum … aber sie brauchen ja Platz für ihre Brut, und so mussten sie sich auch diese entnommenen Waben immer selbst wieder neu bauen – das braucht Zeit, bindet Arbeitskräfte, und wer arbeitet, der muß auch essen, ich schrieb es ja schon.
  • Außerdem wissen wir, daß unsere Sternchen auch im Brutraum noch allerhand Honig eingelagert haben. Sollen sie ja auch – für den täglichen Sofortbedarf, für schlechtere Zeiten und auch schon für den Winter – vielleicht können wir sie ja wieder auf ihrem eigenen Honig überwintern lassen – auch das Honig, der uns beim ernten „fehlt“ Fehlt in Anführungszeichen – denn da wir keinen Honig verkaufen (wollen), möchten wir ja nicht so sehr viel Honig – also ist das nur gut so.

Demnächst kommt noch die Lindenblüte, die 2. Hauptnektarquelle für unsere hiesigen Bienen – vielleicht bekommen wir da ja auch nochmal ein paar Waben voll Honig von unseren Bienen geschenkt. Zunächst ist aber jetzt Schluß mit Erntezeit.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Jahr 5.

6 Kommentare zu “Erntezeit

  1. blue-book sagt:

    Hallo Fjonka, bin erstaunt, dass ihr jetzt erst den Rapshonig erntet?! Wir hatten unsere erste Ernte schon Mitte bzw. Ende Mai. Bei uns ist inzwischen die Linde schon fast „durch“ und wir können vermutlich in ein – zwei Wochen das letzte Mal ernten. Ist der Unterschied so groß zwischen euch im Norden und uns hier in Würzburg? Das hätte ich nicht gedacht!

    Liebe Grüße

    P.S.: Woher hast du eigentlich die 19% Wassergehalt? In der Honigverordnung stehen 20% drin. Der Deutsche Imkerbund (DIB) gibt 18% vor.

    • Fjonka sagt:

      Ja, der Unterschied ist wirklich groß – hier hat die Linde noch nicht einmal begonnen zu blühen. UND wir sind spät dran dies‘ Jahr. Auf http://www.bienenkunde.rlp.de/Internet/global/inetcntr.nsf/dlr_web_full.xsp?src=YSD25V079K&p1=8U55BX396A&p3=165V7FS7SH&p4=XF10F330RV gebe ich immer unsere Blühmeldungen ein, und ich hab mal nachgeguckt: Blühende für Raps habe ich am 6.6. gemeldet (und Blühende heißt ja noch nicht Ernte…) Erstens war es lange sehr kalt, so daß alles spät zu blühen begann, und zweitens kam dann die Sache mit dem nicht-verdeckeln der Waben… Freunde nicht weit von hier haben ein Refraktometer und berichteten noch letzte Woche von über 19%, hatten also auch noch nicht geerntet – und jetzt weißt Du auch, woher ich die 19% habe – mein Fehler, natürlich sind die Verkaufsvorgaben bei 20%, werde ich gleich mal editieren (Die Freunde verkaufen in DIB-Gläsern, warten also auf die <18%)

  2. Rabin sagt:

    wieder sehr spannend. 🙂

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