Dorf

Ein Dorf.
Stäbe aus Metall, fast zwei Meter hochragend, dicht an dicht.
Ein Durchlaß für einen Weg aus Betonverbundsteinen.
Rechts und links des Weges zweihundertfünfzig Quadratmeter hellgrauer Kies, ordentlich geharkt.
Rechts ein Kreis aus Betonsteinen, mittig hineingepflanzt ein Rhododendron.
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Ein anderes Dorf, ein anderes Grundstück.
Zur Straße hin alle paar Meter ein Busch.
Jeder Busch ein kahlgeschnittener Strunk; oben einige Zweige, die ihm gelassen wurden.
Dazwischen betongrauer Kies.
Dahinter, bis zum Haus, betongrauer Kies.
In Abständen darauf verteilt große Betonplatten, auf denen leere Töpfe stehen.
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Noch ein anderes Dorf, noch ein anderes Grundstück.
Findlinge liegen ordentlich nebeneinander an der Grenze zur Straße.
Zwischen ihnen je ein Bambus.
Der Rest ist Kies. Dunkelgrau hier.
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Vorgärten auf dem Dorf.

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Es gab Zeiten, da dachte ich, fünfhundert Quadratmeter ordentlich geschorener Rasen umrandet von immergrünen Bodendeckern – das sei das schlimmste, was Jemand aus dem ihm anvertrauten Stück Natur machen könnte.
Falsch gedacht.


P.S.: Kies kann in norddeutschem Klima nur dann moos-, kraut- und algenfrei bleiben, wenn der pflanzenfreien Ordentlichkeit mit Herbiziden nachgeholfen wird.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Sonst so.

18 Kommentare zu “Dorf

  1. Rosenfrau sagt:

    Jo, lauter so betoniertes, geplätteltes und gekiestes Zeuchs hab ich vor 2 Tagen auch wieder betrachtet. Kopfschüttelnd. Auch auf’m Dorf, Neubaugebiet. Armes Dorf…

  2. zauberweib sagt:

    *grusel* Das ist ez echt _in_? Unsere Nachbarn haben nämlich auch einen Kiesvorgarten angelegt, und der Nachbar dahinter und der dahinter auch gleich mit (Reihenhaus) – so dass da jetzt eine ganze Kiesgrube (böse gesagt) bei Nachbars im Vorgarten ist… Umso mehr sticht da jetzt unser Unkraut zwar heraus, aber das ist mir echt noch tausendmal lieber als Kies…

    • Fjonka sagt:

      Aber hallo ist das besser als Kies!

    • Bibo59 sagt:

      Vielleicht wollen sie ja Austernfischer anlocken? Die mögen Kiesdächer um zu brüten. Die Frage ist aber: Wenn da mal wieder einer hinzieht, der Garten will und keinen Kies, wie geht das wieder weg und wie verseucht ist das denn?

      • Fjonka sagt:

        Naja, weg geht das im Zweifel auch von allein, man braucht nur ein wenig Zeit 😉 Sieht man ja an unserer Auffahrt: vor knapp 10 Jahren eine kaputte-Dachziegel-festgefahren-Wüste, und jetzt kann ich schon die meisten Stellen wieder mit dem Rasenmäher bearbeiten (was übrigens garnicht so gut ist, denn der Sinn des Dachziegelbruchs war ja, daß es einen festen Untergrund gibt) Wollte man vermeiden, daß die Natur sich wiederansiedelt, müsste man extrem viel Arbeit aufwenden (Laub fegen, Unkraut zupfen….) oder – spritzen UND Laub fegen, denn der gute Laubkompost ginge auch mit spritzen nicht weg.

  3. Bibo59 sagt:

    Ist mir auch schon aufgefallen: Grün ist jetzt grau und diesen Themenrelease konnte ich mir nicht verkneifen: http://www.bookcrossing.com/journal/13309831/

  4. realkiku sagt:

    Genau das habe ich heute auch gedacht, als ich einen Vorgarten voll mit STRAHLENDWEIßEN Kieselsteinen gesehen habe. DAS Grauen! Auch auf’m Dorf, aber in der Neubausiedlung. Und, naja, zugegebenermaßen „Vorort-Dorf“.

    • Fjonka sagt:

      Das kann ich noch toppen: hier gibt es einen Vorgarten, der besteht fast ausschließlich aus Kieseln, und mittenmang haben sie mit vielleicht 1,50m Durchmesser das YingYang-Zeichen aus verschiedenfarbigen Kieseln gestreut/ gelegt…. eigentlich für sich genommen nichtmal soooo häßlich, aber weshalb im GARTEN? Und da das schon seit mehreren Jahren wie neu da zu bewundern ist, kann es nur gespritzt sein 😦

  5. herzwild sagt:

    Zum Glück gibt es auch noch andere Vorgärten: Staketenzaun unbehandelt, Büsche und Blumen in den verschiedensten Farben, dazwischen eine freie Fläche mit einer Bank …

  6. dschinny sagt:

    Und als Stadtpflanze, mit Sehnsucht zur Natur, fragt man sich, warum Menschen, die in der Natur wohnen, alles zubetonieren oder mit Kies zuschütten und ja kein Grün dulden, wo „es nicht hingehört“ – argh!

  7. ladypark sagt:

    Und dann das laute Geräusch, wenn Autos über die elend langen Kieszufahrten rollen, ätzend. Der Anblick vergilbter, totgespritzter Pflanzensprösslinge scheint auch niemanden zu stören. 🌱
    Bitter ist das.

    • Fjonka sagt:

      Ach schau Einer guck – Kies-AUFFAHRTEN mag ich eigentlich grad wegen des Geräusches sogar ganz gern, aber Kies-Vorgarten-Liebhaber haben eigentlich immer Steinauffahrten, wahrscheinlich, weil der Kies durchs drüberfahren sonst so unordentlich würde….

  8. a sagt:

    Und dann heute Morgen 5:50 Uhr: ein blühender, verwunschener Garten voller Sonnenstrahlen und Vogelgezwitscher, Bodennebel auf den angrenzenden Ländereien, aus denen einen die Rehe ansehen. Wie kann die Welt doch unterschiedlich sein 😉

Platz für Klönschnack ...

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