Hier und anderswo

Ich halte mich ja hier im Blog meist zurück, was „außerhäusliche“ Meinungsäußerungen angeht, außer wenns um Umweltdinge geht, weil das der einzige Bereich ist, in dem ich meine einigermaßen fundiert mitreden zu können.

Das heißt aber weder, daß ich mich nicht informiere, noch, daß mir am A**** vorbeigeht, was in der Welt so geschieht. Aktiv werde ich aber eher nicht. Außer daß ich Geld spende. Immerhin. Das tue ich durchaus nicht nur im Umweltbereich, auch wenn ich darüber gebloggt habe. Und heute möchte ich dies (drüber bloggen, daß ich Geld gespendet habe) nochmal tun, um evtl anderen Weitgehend-NichtstuerInnen eine Anregung mitzugeben, so wie auch ich in einem konkreten Fall (Flüchtlingsproblematik) erst eine konkrete Anregung brauchte, um tätig zu werden.

Also – was denn nun?

Ich las in einem anderen Blog von der Barada Syrienhilfe. Es haben sich Leute verschiedener Nationalitäten, und, für diese  Gegend wichtiger, verschiedener Religionen zusammengetan, um vor Ort Flüchtlingen in Lagern, aber auch „Übriggebliebenen“ zB im weitgehend zerstörten Aleppo zu helfen. Nachdem ich mich durch die Seite geklickt hatte, schien mir, daß das eine Sache ist, die ich unterstützenswert finde. Man schickt Lebensmittelhilfen, aber man hat auch zB eine Schule in einem Flüchtlingslager erbaut und unterhält sie auch.

Ich habe einen Dauerauftrag eingerichtet. Auch hier nach dem Motto „Kleinvieh macht auch Mist“ – 50 Euro im Monat sind auch Geld. Ich finde Daueraufträge gut, weil sie eine Basis bilden, auf die Verlaß ist. Wenn ich mir vorstelle, daß ich Jemand bin, der solche Hilfen organisiert, dann bin ich froh, wenn ich nicht plötzlich einmal viel Geld bekomme, und dann ists wieder vorbei und ich muß wieder auf Suche nach Spendern gehen, sondern wenn viele Leute verläßlich jeden Monat kleine Summen geben, mit denen ich rechnen kann. Denke ich mir so und mach das dann auch so. – Es gibt natürlich noch jede Menge anderer bespendenswerter Initiativen, angefangen von den bewundernswerten „Ärzten ohne Grenzen“ bis hin zu regionalen Flüchtlingshilfen hier in Deutschland.

A propos „hier in Deutschland“ – Es passiert ja nicht nur „in der Welt“ was! Was hier bei uns im Land momentan geschieht – „Lügenpresse“-Rufe; sich die Hände reibende, feixende Nazis, die hoffen, „das Volk“ nun bald wieder repräsentieren zu können; „ganz normale“ Leute, die ihrer Mißgunst und teils auch ihrem Haß freien Lauf lassen und sich ungerecht beurteilt fühlen, wenn man ihnen Paroli bietet; brennende Flüchtlingsunterkünfte undundund – ich sitze mit großen Augen vor diesen Bildern und Nachrichten und bin entsetzt! Man möchte sie alle durchschütteln, und wenn das nicht hilft, möchte man sie  – ich weiß auch nicht, was – denn man hat das Gefühl, da hilft irgendwie überhaupt nichts mehr, wenn die Menschlichkeit zusammen mit dem Hirn einfach abgeschaltet wird.

Andererseits die Frau, die vor einigen Tagen für über 50 Euro bei uns einkaufte – Inhalt für die Schultüten von Flüchtlingkindern. „Die werden doch auch eingeschult, und die Eltern haben ja nichts!“. Sie berichtete von unglaublich großer Hilfsbereitschaft überall, und sie bekam „von uns“, dem Laden halt, dann noch eine große, proppevolle Spendentüte mit Sachspenden mit. Hat sie sich sehr drüber gefreut.

Und dazwischen ich. Die Entsetzte, die mit dem schlechten Gewissen, weil sie es nicht über sich bringt, aktiv zu werden. Das Leben ist eh schon so voll, ich schaffe das einfach nicht, bisher jedenfalls. Und es gibt so viele Baustellen, überall….

Naja, jetzt immerhin erstmal Geld. Ist auch nötig.


Aussortiert:
Eine alte Thermo-Kaffeekanne. Die ist hübsch, weißes Porzellan mit Metall-Thermo. Aber benutzt haben wir sie trotzdem noch nie, denn sie hält nicht gerade dolle warm. Und als Deko – ich habe ja nicht mehr so recht Lust auf diese Stehrümchen 😉 Kommt mit zum Sozialladen, verkaufen läßt die sich da sicher noch. Oder will sie Jd. hier haben?

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Sonst so.

11 Kommentare zu “Hier und anderswo

  1. Bibo59 sagt:

    Also die Bookcrosser haben ja schon mitbekommen, dass ich jetzt Bücher sammle.
    Bilderbücher und Kinderbücher werden gern genommen, aber auch Sprachkurse und Spiele. Aber auch hier sind die Lagerkapazitäten begrenzt.

  2. Martin sagt:

    Meine Arbeitskollegen unterstützt durch unsere Firma wollte Sachspenden abliefern. Aber: Caritas, Rotkreuz und Co. nehmen nichts mehr an. Nicht, weil die Flüchtlinge das alles nicht brauchen. Sondern schlicht, weil die teils Hilfsorganisationen die ganzen Sachspenden nicht mehr verteilt bekommen. Unsere Gesellschaft ist nicht vorbereitet, obwohl die Flüchtlings-Problematik seit etlichen Jahren absehbar war. Da wird in der Politik lieber über „Einwanderungsland“, „Wirtschaftsflüchtlinge“ etc. gestritten ohne Konsens. Und die Flüchtlinge baden dann mangelnden Entscheidungs-Mut aus.

    • Fjonka sagt:

      DAS ist natürlich noch blöder als wenn keine Spenden mehr benötigt würden. Bei uns in der Gemeinde gibt man alles im Ordnungsamt ab – aber eben nur, was benötigt wird – und da die Leut‘ nicht vorher im Netz danach gucken (klar, auf die Idee muß man auch erst kommen und im Amtsblättchen steht es nicht) sind die potentiellen SpenderInnen dann genervt, wenn sie ihre Sachen nicht loswerden.
      Ein strukturelles Problem, das auf der untersten Ebene abgeladen wird, da hast Du recht. Aber andererseits finde ich auch gut, daß jetzt so viele der bisher Inaktiven aktiviert werden (siehe Meineeine)

  3. ladypark sagt:

    50,- € pro Monat finde ich sehr großzügig, Hut ab.
    Hier im Ort werden vor allem Leute gesucht, die Zeit für Deutschunterricht haben und da muss ich leider passen, auch wenn ich das vermutlch könnte. Aber Zeit ist etwas, wovon ich immer zu wenig habe – Fulltimejob, Kinder, Hund, Haus und Garten, nee, da bleibt nix mehr übrig. Deshalb habe ich erstmal nur Sachspenden abgegeben.

    • Fjonka sagt:

      So könntest Du meinen letzten Satz ein wenig umschreiben: Naja, jetzt immerhin erstmal Sachspenden. Sind auch nötig.
      Wir waren heute in Kappeln und haben eine Kiste voll im Sozialladen abgegeben. Dort standen draußen Zettel, was sie besonders brauchen können: Kinderkleidung, Haushaltswaren, Bettwäsche, Textilien.
      Mehrfach hatte ich gelesen, daß an Sammelstellen schon keine Kleidung mehr angenommen werde, zu viel sei angekommen. Nicht in Kappeln offenbar.
      Als wir da waren (haben übrigens auch eingekauft: 2 Handtücher, ein Krimi, eine CD – insgesamt 2,50 Euro …) war da u.a. eine Familie mit 3 Töchtern, die haben zwei große Säcke voll Kleidung eingekauft. Und Töpfe. Sprachen etwas arabischklingendes. Der Bedarf ist da…. Als ich fertiggestöbert hatte, waren einige unserer gespendeten Sachen schon in den Regalen verräumt.
      Kleidung habe ich nicht anzubieten – wer was hat und in unserer Gegend lebt, weiß jetzt, wo’s gebraucht wird….

      • ladypark sagt:

        Gut zu wissen, hier wollte man ja vorerst nichts mehr annehmen. Werde dann bei der nächsten Aussortieraktion mal in Kappeln abgeben.

  4. Bibo59 sagt:

    Hat dies auf Bibos kleine Fluchten rebloggt und kommentierte:
    Als hier eine Flüchtlingsunterkunft geplant wurde, direkt in einem Sporthotel und neben einer neu entstandenen Wohngegend, da dachte ich nun werden sich die Häuslebauer aber aufregen. Aber passiert ist nix, bzw. das: http://winbrueck.de
    Köln, oder?

Platz für Klönschnack ...

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