§7: Mer muß och jönne könne

§7 des rheinischen Grundgesetzes scheint mir derzeit recht wichtig. Es ist ja nicht so, daß unsereins auf fürchterlich viel verzichten müsste. Und es ist vor allem nicht so, daß Irgendjemandem hier irgendetwas gekürzt/ weggenommen würde, zugunsten Derer, die mit einer Tasche voll Zeug und sonst nichts hier zu Abertausenden ankommen.

Man muß sich das mal reinziehen: all diese Sachspenden, tonnenweise, die wir einfach so abgeben können hier – die kommen alle (sag ich mal, ich schätze, ich habe bis auf weniges auch recht damit) nicht aus unserem nötigen Hab und Gut. Man gibt ab, was man übrig hat, und was hier so alles übrig ist, das sind gute, oft neuwertige und auf jeden Fall noch wunderbar brauchbare und benötigte Dinge.

Was für ein Lebensstandard! Wir haben es gut! 🙂 Wir können abgeben und tun das auch, das ist klasse 🙂

Und man muß sich auch mal klarmachen, daß diese Reisenden, die man da durch Bahnhöfe und Autobahnen ziehen sieht, wirklich nur das haben, was sie tragen. Taschen in der Größe, die ich packe, um ein Wochenende zu Freunden zu fahren. Rucksäcke, die mir nicht für einen Zweiwochenurlaub ausreichen würden. Aber sie verreisen nicht, sondern der Inhalt dieser Tasche, dieses Rucksacks ist der Grundstock des neuen Lebens, das sie sich aufbauen möchten.

Wir – die mit den vielen Sachspenden aus dem, was übrig ist – wir gucken aber trotz unserer Spendenbereitschaft durchaus mißtrauisch auf das, was da so passiert: Wieviel Platz bekommt denn so ein Asylsuchender, wenn er erstmal endlich ein anerkannter solcher ist? Sieht diese Küche nicht ganz schön gut ausgestattet aus? Hat da Jemand erzählt, daß „die“ mehr Geld bekommen als ein Hartz IV-Empfänger „von hier“? Stimmt das etwa!? Und wieso haben die eigentlich alle Smartphones?
Ist da vielleicht auch schon ein Hauch von Mißgunst zu spüren?

Man könnte sich informieren –
das mit den Smartphones ist, glaube ich, inzwischen allgemein bekannt (ohne so ein Ding läßt sich so eine Flucht nicht planen, so ein Teil ist Überlebenshilfe, nicht Luxus) Und ein Hartz-IV-ler bekommt (etwas) mehr Geld monatlich, das wurde letzt‘ in einem Brennpunkt mal ganz genau gegenübergestellt. Die anderen beiden Fragen kann ich auch nicht beantworten, aber ehrlich: ich muß das auch garnicht wissen, denn ich bemühe mich, nicht mit dem Neid-Auge zu gucken. Und ja, ich gebe zu, daß ich mich manchmal tatsächlich bemühen muss, denn ich bin – und das, obwohl es mir wirklich, wirklich gut geht – auch nicht frei von solchen Anwandlungen. Und dann denke ich ab und an an §7… oder an die Größe des Rucksacks…

Ich bin recht gespannt, wie es uns ergehen wird, wenn wir uns aufmachen, nachzufragen, ob unsere Hilfe in der Nachbargemeinde benötigt wird. Mal sehn, ob wir was tun können, und wenn, wie es so weitergeht mit mir und meiner bisher ja doch sehr theoretischen Einstellung zum Thema „Flüchtlinge“. Wir haben uns vorgenommen, am Donnerstag mit unseren übrigen und benötigten Sachen (dem Wasserkocher und den zwei Ghettoblastern) zur wöchentlichen Besprechung Derer zu gehen, die schon aktiv sind und laut Amtsblättchen Unterstützung brauchen können.


Aussortiert: ein SAT-Receiver des Herrn F. Leider können wir den nicht auch weggeben, der ist noch analog – und damit Müll 😦

 

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7 Kommentare zu “§7: Mer muß och jönne könne

  1. Drachenkater sagt:

    Zur Größe der Wohnung kann ich was sagen, beschäftige mich schon was länger mit der Thematik: Die Wohnungen sind denselben Regeln unterworfen die auch im ALGII Anwendung finden, zur Ausstattung gehört manchmal auch ein bissel Glück dazu was schon in der Wohnung ist 😉

    Ansonsten: Glückwunsch zum Engagement.

    • Fjonka sagt:

      Aha, in DIESER Beziehung also Gleichbehandlung. Interessant, danke für die Info.
      Naja, ob man mich jetzt beglückwünschen kann, das wird sich noch herausstellen – mal sehn, was da so kommt … immerhin ist ein Anfang in Sicht und der Arsch vonne Couch, sozusagen (wobei: woher wir die Zeit nehmen sollen, das muß sich auch noch zeigen- gut, daß es jetzt Winter wird, da fällt „Bienen“ und „Garten“ weitgehend weg…. – *räusper* wobei ich das mit dem Winter andererseits ÜBERHAUPTNICHT GUT finde, aber das steht auf einem anderen Blatt….)

  2. Bibo59 sagt:

    Hier im Käseblatt stand, dass das Klamottenlager schon überfüllt ist und man zur Zeit Klamotten woanders besser, also z.B. bei der Caritas spenden soll. Aber meine Frage, ob denn Deutschbücher und Kinderbücher, Bilderbücher gebraucht werden, wurde sehr positiv aufgenommen.

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