Imkerlatein – die Brutwabe

Als wir unsere Pflegevölker zum ersten Mal durchgeguckt haben, kam uns auch ein „Unfall“ des Vorbesitzers in die Finger:
er hatte eine Lücke gelassen, wo eigentlich ein Rähmchen hingehört hätte, mitten zwischen den anderen Rähmchen – und mittig ist das Brutnest! Biens mögen das gar nicht – und haben sich beholfen: in die Lücke haben sie ans Absperrgitter* eine Brutwabe gebaut, die voller Brut gewesen war. Nun waren die allermeisten Bienen geschlüpft, und wir haben die Wabe entnommen. Eine wunderbare „Erklärbär“- Wabe!

Wer genau hinguckt, sieht Pfeile, Kreise, Zahlen. Und ich erkläre jetzt, was Ihr da seht 🙂 Das Foto (und auch das 2. weiter unten) hab ich extra groß gelassen – wer das in einem zweiten Tab öffnet, kann noch besser gucken!
P1110078

  1. Ein Spielnäpfchen*. Sowas weist den Imker zur Schwarmzeit im Frühsommer darauf hin, daß Biens schwarmlustig werden. Später im Jahr bauen sie auch noch manchmal sowas – den Anfang einer Weiselzelle* – wenn es ernst wird, würden sie aus diesem Anfang eine Weiselzelle ausziehen und darin eine neue Königin heranziehen
  2. Wenn man das Bild anklickt, kann man es in größer sehen, und dann kann man wunderbar erkennen, wie schön so ein Wabenwerk gebaut ist – genau in der Mitte jeder diesseitigen Zelle treffen die Ränder dreier anderer auf der Rückseite aufeinander. Diese hellen Waben waren noch nicht bebrütet.
  3. Hier sieht man das Absperrgitter und daß die Wabe einfach an dieses Gitter rangebaut sind.
  4. Am Rand der Wabe sind noch verdeckelte* Brutzellen, in denen Bienen sich entwickeln. Die Bienenlarven da drin wurden nach dem Foto eingefroren – ein hoffentlich sanfter Tod. Sie werden im Winter den Vögeln als Futter dienen.
  5. Hier glitzert ein wenig Nektar.
  6. Hier ist zu sehen, was mir immer so richtig leidtut: man wird es nie schaffen, eine solche Wabe herauszuholen und einzufrieren, ohne daß ein oder zwei Bienen währenddessen schlüpfen. Diese Bienen finden aber nicht in ihre Beute zurück, sie müssten ja auch ersteinmal ein wenig Zeit haben, sich zu putzen, gefüttert zu werden etc. Zwei haben wir zur Beute getragen und direkt ans Flugloch gesetzt. Ob sie drin angenommen werden – ich weiß es nicht. Reingekrabbelt sind sie. Übrigens: wer sucht, der sieht auch die 2. Jungbiene schlüpfen….
  7. Normalerweise hat so eine Brutwabe oft einen Pollenkranz (3-4 Reihen von Zellen voller Pollen oberhalb vom Brutnest) und darüber einen Futterkranz (einige Reihen Nektar zur Sofortversorgung). Diese Wabe war so vollständig bebrütet, daß es das nicht zu sehen gibt, aber in diesem Kreis sieht man mehrere Zellen mit Pollen in verschiedenen Farben.

Ein zweites Foto zeigt eine andere Wabe:

P1110079

  1. In dieser Wabe war eine Mittelwand* eingelötet, denn der Vorbesitzer läßt nicht im Naturbau* bauen wie wir. Im Kreis sieht man die Mittelwand, unten, und weiter oben, wie die Bienen die vorgeprägten Zellenanfänge mit ihrem Wachs ausgezogen haben, bis sie die richtige Tiefe haben.
  2. Das frische Wachs ist fast weiß. Dieser unbebrütete Wabenteil hat bräunliche Ränder obendrauf, weil die Bienen die Wabenzellen mit Propolis überziehen. Wirkt antibakteriell etc (Link anklicken für mehr Info)
  3. Zellen, aus denen bereits Bienen geschlüpft sind. Da diese Wabe frisch ist, erkennt man in der Vergrößerung sehr gut die Häutchen. Von jeder Generation schlüpfender Bienen bleibt in jeder Zelle ein Häutchen, dadurch werden die Waben immer dunkler.
  4. Vergessen habe ich, daß ich noch zeigen wollte, wie Biens die Drähtchen in den Rähmchen (die die Mittelwand stabilisieren) mit einarbeiten. Man sieht den Draht vorblitzen, wenn man am rechten unteren Ende des dunkleren Kreises der bebrüteten Zellen genau hinschaut. Entdeckt Ihr’s??

* Sternchen an Wörtern weisen darauf hin, daß diese Begriffe in anderen „Imkerlatein“-Folgen bereits erklärt wurden 🙂


Aussortiert: eine hübsche Dose. Die ich aber nicht brauche. Kann als Geschenkverpackung wiederverwendet werden.

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5 Kommentare zu “Imkerlatein – die Brutwabe

  1. Muri sagt:

    Tolle Fotos, tolle Erklärungen!
    In unserer Nachbarschaft hat eine Imkerin 2 Völker stehen, die Biens sind viel in unserem Garten, jetzt habe ich ein Glas von „unserem“ Honig bekommen, der schmeckt nach Zuhause 🙂

    • Fjonka sagt:

      Wie schön!
      Wir haben ja eher ein Nicht-Verhältnis zur Nachbarschaft (also kein schlechtes, aber auch kein gutes), deshalb halte ich mich da sehr zurück. Wer weiß, vielleicht sollte ich auch mal rundgehen, aber ich scheue selbst in Gedanken sehr davor zurück….

  2. teff42 sagt:

    mein Papa hat auch immer die Platten eingelötet. Das alles ist aber auch schon sehr lange her, bestimmt 15-20 Jahre, dass er das Imkern aufgab.

    aussortiert: heute nix, aber ich habe das Zeugs von vorgestern weggebracht. An der Sammelstelle erfuhr ich, dass erstmal Annahmestopp ist, da sie umziehen müssen und auch mit dem Sortieren nicht hinterher kommen. Es geht erst MItte Oktober weiter, allerdings wussten die auch noch nicht wo das dann sein würde…

    • Fjonka sagt:

      Ohnee, wie doof! Und – was hast Du gemacht?
      Weißt Du, warum er aufgehört hat? Vielleicht war’s, wie beim Vater des Herrn F., die Ankunft der Varroa? Obwohl das eher – laß‘ überlegen – um die VIERZIG Jahre her ist…. also wird es doch was anderes gewesen sein!?

      • teff42 sagt:

        Meinen kram haben die noch angenommen. Baten mich aber die imfo des annahmestopps zu verbreiten. Und warum mein papa das imkern aufgab?! Ich weiss es nicht genau, aber ich glaube die letzten Völker sind abgeschwärmt oder haben den winter nicht überstanden. Ne seuche wars nicht. Jedenfalls hatten die Bienen nicht do viel familienanschluss wie eure…

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