Kinobesuch

fremdHeute morgen um 11 eine Doku über einen Flüchtling, der von Mali bis Marokko begleitet wurde – über ein Jahr, weil so viele Wartezeiten dabei waren, in denen er einfach nicht weiterkam.

Zuvor war er schon einmal kurz vor Spanien gescheitert und nach Mali abgeschoben worden… Die Ochsen, mit der seine Familie die Äcker bewirtschaftete, zuhause, waren verkauft worden, um ihm seine Reise zu finanzieren. Nein, er habe nicht gehen wollen, aber er sei der Erstgeborene, und seine Mutter habe beschlossen, daß er gehen müsse, um für die Familie zu arbeiten und Geld zu verdienen.

Saisonarbeit auf den Feldern, um die nächste Etappe zu bezahlen, monatelang, denn pro Tag gibts 1,50 Euro, und es braucht mindestens 1500 … und wer erwischt wird, wird abgeschoben, also immer vorsichtig sein. Wohnen mit Vielen zusammen in abgeschlossenem Zimmer, es könnte ja die Polizei sein, die da klopft. Später in einem Ghetto in den Bergen – Zelte aus Folie oder Decken über Ästen, mit Steinen beschwert. Drei davon: „Ghetto Senegal“. Etwas weiter zwei „Ghetto Kongo“. Früher, erzählt er, war das eine Stadt mit Stadtteilen für jedes Land, mit einem Büro für Präsident, Minister und Sekretär, mit Kino. Aber das wurde abgebrannt, jetzt gibt es nichts. Und in diesem Nichts monatelang warten, warten, warten.

Später, in Marokko, ohne einen Euro – Müll sammeln auf der dampfenden Müllkippe…. und betteln, nicht um Geld, sondern um etwas zu essen. Wartend auf den Anruf der Schlepper, daß es weitergeht. Der kann in 5 Minuten kommen, oder weitere Monate später. Und daheim wartet die Familie seit zweieinhalb  Jahren auf die ersten Überweisungen aus dem goldenen Europa.

Einmal sprechen sie darüber, was denn überhaupt für ein Datum ist. Da war 2008.

Die Abmachung mit „der Automafia“ lautet: erst wenn der Flüchtling bei einer Vertrauensperson anruft und Bescheid gibt, daß er registriert als Asylant ist, bekommt der Schlepper sein Geld.

Der Film endet mit einem Telefonat heim (die Vertrauensperson war der Bruder) – nicht bezahlen!

Er war wieder kurz vor der spanischen Grenze abgefangen worden und nun immer noch in Marokko. Ein weiterer Versuch sei noch im Preis mit inbegriffen.

Ich kam sehr still aus dem Kino.

Der Film: Fremd

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Sonst so.

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