Besuch

Sonntagmittag

Seit Mittwoch haben wir beide ja jeden Tag gearbeitet und deshalb erstmal keine Zeit gehabt, uns weiter zu kümmern. Am Samstag hatte der Herr F. ja dann frei, und hat sich kurzerhand entschlossen, den drei Irakern einen Besuch abzustatten. Er hat sie dann mit zu uns genommen, damit sie schonmal Internet nutzen können, was sie wohl auch ausgiebig getan haben.
Der Herr hat mit ihnen Kosten und Möglichkeiten eines Internetzugangs dort im Nichts besprochen. Jetzt hat er aber nochmal beim Antrag online weitergelesen und festgestellt, daß, bevor zur Tat geschritten werden kann, noch ein paar weitere Dinge geklärt gehören (zB: gibt es einen Telefonanschluß? Er hat einen screenshot des Fotos einer Buchse gemacht und will gleich, wenn er dort ist, um sie zu der Einladung bei uns abzuholen, mit ihnen mal auf Suche nach so einem Teil gehen – gibt es keins, kommen weitere Kosten auf sie zu)

Zur besseren Lesbarkeit werde ich hier mal Namen einführen 😉 Die drei Iraker, das sind von nun an hier im Blog A. aus Bagdad, Ab aus Basra und S, der Neue im Bunde.S. kann wohl noch einige Brocken mehr englisch als A und Ab, und so war die Kommunikation ein wenig einfacher, lief aber dann auch hauptsächlich über ihn.

Ich habe gestern in der Mittagspause die glorreiche Idee gehabt, mir ein Bildwörterbuch deutsch-arabisch zuzulegen – ich hoffe, daß es zumindest dann, wenn wir unterwegs sein werden (und deshalb kein Übersetzerprogramm zur Verfügung steht) helfen wird.

Und jetzt bin ich gespannt, was der Nachmittag so ergeben wird…. übrigens kam heute (Sonntag!) eine Rundmail vom Ordnungsamt mit einer Zusammenfassung der Situation in dieser Woche – und einer Info: nächste Woche kommen weitere elf Flüchtlinge an. Und bräuchten Betreuung.

Abend Es ist schon frustrierend: was die drei auch nachfragen – irgendwie gehts nicht 😦

  • Arabisches Fernsehen? Anderer Satellit, dafür müsste die Schüssel umgestellt werden, und da sind mehrere Parteien im Haus, die alle da dran hängen. Eine Schüssel samt Drumrum zu kaufen ist auch blöd, solange die Wohnsituation so unklar ist – schließlich bemüht man sich im Amt durchaus noch um eine größere, zentralere Wohnmöglichkeit für die drei. Aber es gibt derzeit nichts.
  • Ein Freund in einer etwas entfernten Stadt hat Platz im Haus? Ja, aber das ist ein anderes Amt – ich werde nachfragen, aber ich fürchte, das wird schwierig.
  • Ein Fitneßstudio? Erst wieder in 10 km Entfernung.

Immerhin können wir uns drum kümmern, daß sie so bald wie möglich Internet bekommen, die Daten haben wir jetzt, die Erlaubnis auch, der Herr F. setzt sich jetzt gleich dran. Eine Buchse ist vorhanden.
Ansonsten ist so ein Online-Übersetzer wirklich extrem hilfreich, immerhin konnten wir dadurch einige Sachen erklären, andere erfahren oder auch einfach ein paar Dinge klären.
Für mich heißt es jetzt, mich um einen Deutschkurs zu kümmern. Und am DI werden wir nach Flensburg fahren. Wörterbuch kaufen (A hat Interesse angemeldet), arabischen Supermarkt besuchen – und einfach mal weiter hören, was ansteht. Außerdem haben wir, soweit möglich, ein wenig smalltalk gemacht, auf der Karte gezeigt, wo genau sie sich befinden („Denmark!? Here!? We can bike!?“) – und wir haben smartphone-Filmchen von Bagdad gesehen, das wohl gerade wegen ungewöhnlich starker Regenfälle im Wasser versinkt (steht in der Stadt mehr als kniehoch!) Wir wissen nun, daß alle drei in unterschiedlichen Berufen tätig waren, aber keine Zeugnisse darüber haben – es scheint dort dieses Art formalisierter Ausbildung wie bei uns nicht zu geben. Und daß sie sich erst seit dem Erstaufnahmelager kennen. Sowas.

Habe grad das Gefühl, total unnütz zu sein und überhaupt nicht hilfreich und fühle mich sehr verunsichert; das mag auch (vielleicht sogar ziemlich doll) daran liegen, daß ich heute eh keinen guten Tag habe, ist aber kein gutes Gefühl 😦 . Der Herr F., meine persönliche Stimme der Vernunft, merkt ganz richtig an, daß nunmal nicht alles immer so läuft, und daß es für die drei auch schon hilfreich sein kann, zu erfahren, was nicht geht, um andere Möglichkeiten zu überlegen. Und daß wir doch durchaus Einiges erklären und zeigen konnten. Er hat ja recht. Kommt bloß grad nicht im Bauch an, das.

Späterer Abend vor einigen Tagen bereits hatte ich telefonisch Kontakt mit Herrn L. der wiederum in Kontakt steht zu einer irakischen Familie, die schon länger hier ist und deutlich besser deutsch spricht. Diese Familie würde sich offenbar gern etwas „unserer“ Iraker annehmen, und ich hatte abgemacht, die drei zu fragen, ob sie das möchten. Sie freuten sich, also hatte ich nachmittags Herrn L. angerufen. Er rief nun eben zurück, und dieser Anruf hat war dann wieder sehr aufbauend – mein Bauch hat sich wieder etwas beruhigt. Ich konnte was regeln, was wohl sehr dazu beigetragen hat *übermichselbstgrins*: der Herr L. wird sich den Herrn aus Irak abends mal schnappen und mit ihm zu den dreien fahren. Tags machen nämlich „Herr und Frau Irak“ einen Deutschkurs, solange die Kinder in der Schule sind, deshalb gehts nur abends. Wir werden erstmal nicht eingebunden sein, dafür wäre dann die Terminfindung einfach zu schwierig, aber das wollen wir mal nachholen; der Herr L. hat Interesse an Austausch, er ist auch recht neu dabei. Sehr fein!

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Sonst so.

16 Kommentare zu “Besuch

  1. teff42 sagt:

    …ich musste mir grade spontan einen neuen Satelitenreceiver kaufen. Jetzt habe ich komischerweise alle bzw. viele arabischen Sender und dafür keine deutschen außer ARD mit Aussetzern. Warum weiß ich nicht so recht, da ich die Schüssel nicht verdreht habe… 😦 Die Gefahr, dass ich dann kein deutsch mehr spreche droht aber nicht 😉

    Was haben die Herren denn eigentlich für Berufe ausgeübt? Das frage ich mich schon die ganze Zeit, es werden ja wohl nicht nur Intelektuelle und IT-FAchleute kommen?!

    • Nebelkranich sagt:

      Gleich neben Astra fliegt wohl Nilsat, ein Satellit mit vielen arabischen Sendern. Vielleicht peilt deine Schüssel den an? Sollte vielleicht mal ein Fernsehtechniker mit Messgerät ran.

      Die Herren sind Maler, Bäcker und Busfahrer. Aber Busfahrer z.B. heißt, dass du einfach mit ’nem Bus fährst hat mir S. erklärt. Nix da mit mit Personenbeförderungsschein oder was auch immer. Ist eben zwangloser 😉

    • Fjonka sagt:

      Berufe: wir haben da einen Busfahrer, einen maler und einen Bäcker – und 2 davon haben Abitur (oder das, was das Bildwörterbuch als solches übersetzt) Beim 3. haben wir das nicht erfragt.
      Ich bekam einige Handyfotos von Malerarbeiten von Al gezeigt, recht kunstvoll mit metallischen Stupfern drauf, und ein marmorartig lackiertes Teil. Sieht erstmal aus, als könne er was…

  2. realkiku sagt:

    Das Fernsehproblem könnte sich mit Internetanschluss evt. auch erledigen!
    Und: Nur Mut weiterhin! Allein der Kontakt zu Euch hilft ihnen doch schon weiter, auch wenn Ihr nicht alles regeln könnt.

  3. Christian Lucassen sagt:

    Al Jazeera dürfte auch über Astra zu empfangen sein…könnte morgen mal genauer ermitteln.

    Lieben Gruß Christian

    • Fjonka sagt:

      Ja, stimmt. Sie wollen gern Nilsat – AlJazeera ist für Iraker wohl so ähnlich, als würden wir in fremdem Land ORF empfangen können. Interessiert nicht so wirklich…. Und Nilsat könnte man empfangen, indem man die schüssel leicht dreht – dann aber werden die anderen Hausbewohner uns aufs Dach steigen *gg*

  4. PurpurBête sagt:

    Letztendlich ist die Fernsehsituation vielleicht sogar positiv. Seit es Satelitenfernsehen gibt, haben die Grundschullehrerinnen das Problem, dass die migrantischen Erstklässlerinnen wesentlich weniger deutsch sprechen als davor. Als es hier nur deutschsprachiges Fernsehen gab, saße die kleineren halt davor, danach denn vor Fernsehen in den Sprachen der Eltern …
    Die Zahlen die du schreibst klingen doch gut. Da können sich noch Menschen finden, die sich persönlich kümmern. Eine Verwandte von mir wohnt in Itzehoe, wo auf 30.000 (?) Einwohnerinnen in den Gebäuden der ehem. Prinovis-Druckerei ca. 5000 (?) Flüchtlinge kommen. Klar, dass das ein Missverhältnis ist, dass sich nicht (auf-)lösen lässt. Und das nur, weil es dort dies Gelände mit den benötigten Einrichtugen (Sanitärbereich/Küche) gibt.
    In Hamburg gibt es ebenfalls Flüchtlingsunterkünfte mit drei bis vierstelligen Bewohnerinnenzahlen, da ist es schwierig, persönlich in Kontakt zu kommen.
    In der Reise-Notunterkunft wo ich 1x wöchentlich mithelfe, schlafen jede Nacht bis zu 70 Leute, die am nächsten Tag weiterfahren Richtung Skandinavien. Und abends sind dann wieder ganz andere dort. Man kann sie nur änlächeln und ihnen nach dem trockenen, warmen, sauberen Nachtlager noch einen Tee in die Hand drücken.

    • Fjonka sagt:

      Was das TV angeht, sieht die Dame vom Ordnungsamt das ähnlich. Aber ich kann wirklich verstehn, daß sie Nachrichten von daheim bekommen wollen.
      Hier gibt es auch wirklich viele Leute, die sich kümmern, aber GENUG gibt es nicht – nuja, wenn der „Herr Irak“ sich da jetzt einsetzt, sind wir vielleicht bald wieder „frei“
      So ähnlich wie bei Dir ist es, glaube ich, im Flensburger Bahnhof- da sind auch Leute, die Essen, Getränke, Decken anbieten. Aber im Grunde ists nur ein Zug von Menschen, die nach DK und Schweden wollen, der an ihnen vorbeizieht.
      Stelle ich mir auch nicht leicht vor!

      • Drachenkater sagt:

        Aktuell bleiben die meisten hier, Grund ist das die dänische Polizei Stichprobenartig Züge und Busse anhalten und kontrollieren und dann bleibt den Flüchtlingen meist nur die Wahl: Registrierung und Antrag in DK oder zurück nach Deutschland….

        Na Gut, die setzten nur die Gesetze durch, ändert aber an der Situation hier nicht wirklich was…

        • Fjonka sagt:

          Derzeit fragt man sich eh, WAS (außer einer Verbesserung der Situation in den Herkunftsländern, und die steht ja eher nicht in Aussicht) etwas an der Situation ändern könnte. Die aktuellen „tollen“ Vorschläge unserer Regierung jedenfalls sicherlich nicht

  5. Drachenkater sagt:

    Ich weiß nicht wie mobil eure Iraker sein dürfen, aber wenn es für erstmal keinen offiziellen Deutschkurs geben sollte, hier am Campus die Gruppe „Sprache für alle“
    Die bieten ehrenamtliche und kostenlose Deutschkurse für Flüchtlinge an….

    • Fjonka sagt:

      Ich habe heute klargemacht, daß wir am DO mit ihnen zum Deutschkurs können, es gibt hier welche. 2x wöchentlich 🙂 Und die Frau von der VHS sagte, daß sie dann sogar umsonst Bustickets bekommen können, damit sie per Bus dorthin kommen. Einmal wöchentlich im nächsten Ort (5km), aber das 2. mal im Zentralort, und der ist zu weit fürs Fahrrad (was für „unsere“ allerdings heißen wird: mit dem Rad die 5km, von dort aus dann in den Bus. Mal sehn, ob das klappt….)

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