Kontakt

Dienstag

Haben wir die ersten drei Wochen in der Zeit, die wir aufbringen konnten und wollten hauptsächlich „geregelt“, so entwickelt sich langsam ein wenig „echter“ Kontakt.

Nach dem Deutschunterricht, zu dem wir sie in dieser Woche wegen der superschlechten Öffi-Möglichkeiten ja noch bringen, habe ich noch anderthalb Stunden am A*** der Welt gesessen und mit Hilfe des Bildwörterbuches fast schon eine Art Gespräche mit S. geführt. War er wirklich Bäcker oder vielmehr Konditor – das war die Ausgangsfrage (und ich denke, er war eher Konditor) von der aus es dann über Eß- und Trinkvorlieben, Sport und Musik bis hin zu Fotos in Dokumenten (warum muß da eigentlich JedeR aussehen wie ein Verbrecher??), Fragen nach Arbeitsmöglichkeiten und weiteren Lektionen in der deutschen Sprache ging. Und um den Asylantrag. Ich hatte den Eindruck, daß S. zwar weiß, daß er im März seine Anhörung für den Asylantrag hat, aber keine Ahnung, was ihn genau dort erwartet (und damit auch: auf was er – und die anderen beiden natürlich auch- sich vorbereiten muß)
Gut, daß ich in den Kommentaren letztlich auf die Seite von proasyl hingewiesen wurde, in der dann der Hinweis auf diese ausgesprochen nützliche Seite stand: refugeeswelcomepad Dort konnte ich in deutsch und arabisch Erklärungen zum Asylverfahren und zur Anhörung herunterladen. Für uns ist ja auch alles neu, da hilft sowas sehr! Mal sehen, was die drei mit den Infos anfangen werden….

Leider musste ich feststellen, daß Al. heute fort war; „at a friend“, hieß es.
Einerseits kann ich nachvollziehen, daß man seine Freunde wiedersehen möchte.
Andererseits denke ich aber auch: LEUTE!! DEUTSCHKURS!!! NEHMT DAS ERNST!!!!
Und so habe ich dann auch beim Thema „Arbeit“ sehr deutlich nochmal darauf hingewiesen, daß ein Flüchtling zwar nach 3 Monaten unter bestimmten Umständen arbeiten darf – daß es aber ohne Deutschkenntnisse so gut wie unmöglich ist, eine Arbeit zu finden.

Abwarten.

Momentan bin ich wieder etwas gelassener, weil ich nicht nur weiß, sondern auch fühlen kann, daß nicht ICH verantwortlich dafür bin, was die 3 aus ihrem Leben machen – ich kann sie nur, so gut ich kann, unterstützen, wenn sie selbst etwas draus machen wollen.
Ich wäre dankbar, wenn es so bliebe. Und ich gestehe: ich habe so meine Zweifel.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Sonst so.

7 Kommentare zu “Kontakt

  1. Hallo Fjonka!

    Du kannst nur Deine Hilfe anbieten, ihr Leben regeln müssen Deine Schützlinge selbst, das liegt in deren eigener Verantwortung.

    lg
    Maria

  2. Woran hast Du denn Zweifel? Daß Dein Gemütszustand so bleibt? Oder daß sie was auf die Füße stellen wollen?

    • Fjonka sagt:

      An der Dauerhaftigkeit meines relativ gelassenen Gemütszustandes.
      Allerdings inzwischen auch daran, daß die drei sich bewusst sind, daß so ein täglicher Deutschkurs eine Riesenchance ist und wie wichtig es wäre, diese Chance ernstzunehmen und zu ergreifen. Wir waren nämlich gestern abend dort am A*** der Welt, und da war Al. wieder da – es stellte sich heraus, daß der Freund, bei dem er war, in einem nur 5km etfernten Örtechen auf der anderen A***backe der Welt wohnt – ja, kann man denn da nicht an einem der immerhin noch fünf wöchentlichen NICHT-Deutschkurs-Tage fahren??
      Auch gestern wurde allerdings wieder auf S. Initiative viel deutsch geübt…..
      Nuja, man wird sehen.

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