Die glühende Nadel

1975 etwa muß es gewesen sein, ich war etwa 10 Jahre alt, da entstand dieses schöne Foto *gg*

Kaduuns

Ich hatte mir ein Mikro selbstgebastelt, streng nach Vorlage der „Hitparade“ mit Kabel. Materialien: Klopapierrollen-Inlet, Schnur, ein Gummiband und ein Stück Stickgitter. Und ich sang. Stundenlang.

Ich hatte nämlich einen Plattenspieler, einen tragbaren, dieses Modell da unten, aber in militärgrün statt orange abgesetzt. Das dahinten, was da liegt, das ist der Lautsprecher. Gleichzeitig auch „Deckel“ – zuklappen und wegtragen. Genial, gell? 🙂 Mit dem Hebelchen vorn stellt man von „Single“ auf „LP“ und zurück (45 Umdrehungen/ Min oder 32), es gibt noch ’ne 3. Stellung, noch schneller als „Single“, die brauchte ich für die uralte Otto-Reutter-Platte. Kann mich aber nicht mehr an die Umdrehungszahl erinnern. Und die kleine Dreh-Scheibe in schwarz rechts, das ist der Lautstärkeregler.

Plattenspieler

Auf diesem meinen Plattenspieler also liefen Singles, die ich von Mutter und Nachbarn „geerbt“ hatte. „Puppet on the string“, Heintje, „Schuld war nur der Bossa-Nova“, Otto Reuter, ….. fast alles ging. Und ich war stolz darauf, alle „meine“ Lieder gleich bei den ersten Takten zu erkennen und mitsingen zu können. Auch die englischen! (Nicht, daß ich englisch gekonnt hätte. Macht das was? Nein! Heute lernen Kinder so deutsch, mit „schreiben nach dem Klang“. Ich lernte so englisch, mit „singen nach dem Klang“ 😉 ) Das Procedere ging so:
alle Singles raus aus ihren Hüllen, Hüllen auf die eine Seite, Singles auf die andere. Dann ordentlich mischen (!), Augen zu, blind rauf mit einer gezogenen Platte auf den Plattenspieler, blind die Nadel draufgesetzt – sonst hätte ich ja schummeln können, indem ich die Platte am aufgedruckten erkenne – und los! Und nicht daß jetzt Jemand denkt OWEIA! Die armen Platten! Neeeneeee, ich kann mich nicht an einen einzigen Kratzer erinnern! Man kann vorsichtig mischen, und man kann auch ohne zu gucken vorsichtig auflegen! Echt jetzt!!

Was ich aber eigentlich berichten wollte, das ist folgendes:
mehrfach musste ich irgendwann meinen Gesang unterbrechen:
die Nadel des Plattenspielers glühte rot! Ehrlich! Der Mutter, die’s auch erst nicht glauben wollte, habe ich das vorgeführt, sie kann’s bezeugen, sofern sie sich noch erinnert.

Adventskalender

 

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8 Kommentare zu “Die glühende Nadel

  1. humpty sagt:

    Genau, 78 war die dritte Stufe – und mein Plattenspieler war rot. Absoluter Favorit auf dem Plattenteller war das Dschungelbuch, das ich bis heute noch so gut wie auswendig kann.
    Mit dem Nachbarsjungen wurde immer die Elefantenparade nachgespielt – Korridor rauf, Korridor runter, Korridor rauf, Korridor runter. Natürlich unter lautstarkem Gesang: „Kompaniiiiie, ein Lied!“). Aber dass die Nadel glühte?? Hut ab und vielen Dank für Deine schöne Geschichte! 🙂

    Meine Großeltern hatten so eine Musiktruhe aus Holz in die man halb abtauchen musste, um die Platten aufzulegen. Zumindest erschien sie mir als Kind gigantisch.

    Und überhaupt kann man gar nicht genug singen! Dass Singen erwiesenermaßen glücklich macht, zeigt sich u.a. in diesem Experiment mit/von Anke Engelke, die seinerzeit den „Chor der Muffeligen“ (oder so ähnlich) gründete, der mittlerweile „GlücksChor“ heißt. Die Doku dazu lief vor 2 Jahren in der ARD-Themenwoche zum Thema „Glück“.

    Und vor einigen Tagen lernte ich im SWR den interreligiösen Chor „Trimum“ kennen, bestehend aus jüdischen, christlichen und muslimischen Laiensängerinnen und -sänger. Sehr berührend.
    Wer mag – hier geht es zur 1. von drei Folgen: http://tinyurl.com/hjacj7h

  2. teff42 sagt:

    Hehe, heute würdest Du Dich nach solchen Aktionen vermutlich bei Superst*r oder so ähnlich wiederfinden. Das Kind ist doch sooo begabt 😉

  3. Bibo59 sagt:

    Ich bekam mit 10 einen Cassettenrecorder „zum Vokabeln lernen“, mit etwa 16 eine Kompaktanlage mit Radio und Plattenspieler. Später hatte ich eine richtige Stereoanlage, die aber bei einem Einbruch ziemlich sofort gestohlen wurde 😦 Dann wieder eine Kompaktanlage. In Hamburg wieder eine richtige. Und hier sitze ich auf den Trümmern dieser Stereoanlage und krieg sie nicht mehr ans Laufen.
    Vorher, also für Heintje und das Dschungelbuch, habe ich den guten Plattenschrank meines Vaters benutzt. Mit 78 spielt man Schellack-Platten. Let’s Twist again!

  4. ladypark sagt:

    Genau so einen Plattenspieler hatte ich auch, nur in rot. Die schnelle Umdrehung war 78, wenn ich mich recht erinnere. Eines Tages kam ich nach Hause und der Plattenspieler war weg. Mein Bruder hatte ihn für’n Appel und’n Ei verscherbelt. Das war der Moment, als ich auf Kassetten umstieg. Die alten Platten mochte ich eh nicht mehr hören, jetzt waren The Sweet und Mercey Beat angesagt.

  5. steffi sagt:

    Die dritte Stufe war 78. Konnte mein Plattenspieler auch…

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