..da war doch noch wer?

Ja, da waren doch noch Al., Ab und S.!?
Und jetzt war ich auch (endlich) mal wieder dort, zum ersten Mal seit der Vorweihnachtswoche.

Immer wiederkehrendes Thema: der Wohnort. Helfen können wir da nicht. Sie müssen sich einfach damit abfinden, auch wenn’s noch so sch*** ist, da am Ende der Welt.

S. möchte Musik hören können. Eine Stereoanlage möchte er, sie darf auch gebraucht sein.
A propos „gebraucht“ – „gebraucht“, das versteht er nicht, aber „nicht neu“, das versteht er. Vor einem Monat hätte das noch nicht geklappt, daß er das verstanden hätte.
Mal sehn, was sich da machen lässt – morgen gucken wir mal zusammen ins Internet, bei eb**-Kleinanzeigen oder im An- und Verkauf wird sich da doch hoffentlich was finden lassen, das er sich leisten kann…. er hat mir ein kleines Handy-Video seines Bagdader Zimmers gezeigt, mit seiner dortigen Anlage – ein Sony-Turm, nix neumodisches; sowas sollte nicht die Welt kosten, hoffe ich.

Al.s Rad ist kaputt. Das heißt, eigentlich hat sich nur eine Schraube gelöst, dadurch ist das Hinterrad nach vorn gerutscht und die Kette hängt durch. Blöderweise ist die Schraube durch einen Verhau von Plastik verdeckt, so daß es erstmal herauszufinden gilt, wie man das abkriegt, ohne es zu zerstören. Diese Aufgabe hat sich der Herr F. gestellt. Mal sehn, ob er sie lösen wird können. Im besten Falle natürlich zusammen mit Al., aber da die drei überhaupt nix an Werkzeug im Haus haben ist das mit der Selbsthilfe in weiter Ferne 😉

Insgesamt ist mir inzwischen absolut klar, was ich vorher hätte wissen können, hätte ich es nicht schon wieder verdrängt gehabt: mich um Menschen zu kümmern ist mir mental einfach viel zu viel! Bin ich dort, ist alles gut. Bin ich fort, kreisen die Gedanken, schmerzt der Bauch, schlafe ich schlecht – meist für mehrere Tage. Es ist besser, seit ich mich (rein zeitlich schon) mehr auf Abstand halte – aber das ist nicht, was ich unter einem verantwortlichen „Lotsen-Dienst“ verstehe.
Für diese drei Männer wäre sonst noch viel weniger geschehen als wir jetzt tun, und sie brauchen uns inzwischen ja schon deutlich weniger als zuvor, haben auch ein Netzwerk aus Bekannten und Freunden (die allerdings alle auf etwa demselben Stand sind – Niemand, der gut übersetzen könnte oder deutsche Freunde hätte, oder…. soweit ichs mitkriege) Und ich mag sie. Insofern ist und bleibt das jetzt eben so. Aber wenn diese drei nach ihrem Asylbescheid „wech“ sind (und das werden sie sicher sehr schnell sein), dann wird es für mich vielleicht organisatorische Aufgaben geben – aber kein Lotsentum mehr. Egal wie wichtig ich es finde, daß das Jemand macht – ich werde es wohl nicht mehr sein (können).
Es sei denn, es ändert sich bis dahin grundsätzliches bei (in) mir. Das wäre die beste Lösung, auch für mich; indirekt werde ich was dafür tun. Hängt mit meinem Neujahrsvorsatz zusammen. Ob es schnell und umfassend genug fruchtet, um das Lotsentum betreffend etwas zu ändern, das wird sich zeigen.
Übrigens waren wir eher zufällig letzte Woche bei einem angeleiteten Lotsentreffen, das auch hilfreich sein könnte. Austausch über solche Dinge wie: wie geht es überhaupt den Lotsen mit ihrer Arbeit? Und wie können sie dafür sorgen, daß es ihnen damit gut geht? Als wir da raus kamen, waren wir uns einig: das war gut!

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Sonst so.

6 Kommentare zu “..da war doch noch wer?

  1. teff42 sagt:

    Wir haben letzte Woche eine über ibäh-Kleinanzeigen verschenkte Lampe in ein Flüchtlingswohnheim gebracht. 3 iranische Männer in einem kleinen Zimmer, in das nicht viel mehr als 2 Betten (eins davon war Doppelstock), ein Tisch und 3 Stühle passten (ich gebe zu ich habe mich nicht zu genau umgesehen, nen Schrank wird es wohl auch gegeben haben?!) Zwei der Herren waren da und soooo dankbar für die Lampe und dass wir sie persönlich brachten. Viel Zeit hatten wir nicht, weil wir noch weiter mussten und die Herren zu Schule. Anschließend gab es noch mal ein zwei Nachrichten über die ibäh Seite… Einer der beiden sprach schon sehr gut deutsch.
    Das war unser erster direkter Kontakt, das war sehr nett. Natürlich nicht vergleichbar mit Lotsentum, und doch hatte ich vorher soviel Bedenken. Wie ist es dort, wie kommt man rein, wie wird man (und die Lampe, die nun wirklich eher altbacken war) aufgenommen…

    Letztendlich war es alles sehr einfach. Parken, reingehen, zum genannten Zimmer, da wurden wir schon erwartet. Was mich wunderte, dort war nichts zur Sicherung, keine Betreuung, die sich uns gezeigt hätte. Einfach ein Wohnheim und sonst nix, ob das normal ist?

    • Fjonka sagt:

      Wie schön, daß Ihr Nette erwischt habt (allerdings ist das meiner Erfahrung nach auch nicht so schwierig, hier gabs bisher nur nette….) Und wie schön, daß Du Deine Bedenken nicht hast überhand nehmen lassen, sondern es ausprobiert hast!

      Ja, königlich wohnen tun die nicht, die Leute. Auch die Wohnung am A*** der Welt ist ja eher kärglich ausgestattet; alle Möbel sind alte, gespendete, und das sieht man auch.
      Bewacht sind eigentlich nur die Heime in Gegenden, wo es schonmal Ärger mit „besorgten Bürgern“ gegeben hat (und die Erstaufnahmelager). In Flensburg hats ja sogar schonmal gebrannt – trotzdem ist kein Zaun ums Containerdorf, und Wachleute haben wir da auch nicht gesehen. Sind nämlich gestern mal da längs gefahren.

  2. Hallo Fjonka!

    Kann ich sehr gut verstehen, wir haben darüber eh schon einmal geschrieben.

    Ich denke, es gibt viele Möglichkeiten zu helfen, das eine passt für den einen und das andere für den anderen. In Wirklichkeit braucht es beides, auch die Menschen im Hintergrund.

    lg
    Maria

  3. Bibo59 sagt:

    Ich hatte mich schon gefragt ob die drei heile aus Berlin zurück gekommen sind. Die Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof war ja Wasser auf die Mühlen der „besorgten Bürger“.
    Nix genaues weiß man nicht, aber die wissen genau, dass es daran liegt, dass Deutschland den Flüchtlingen die Tür aufgemacht hat.
    Schade.

    • Fjonka sagt:

      Soweit sie dabvon erzählen konnten, hat ihnen die Tour Spaß gemacht, trotz der nächtlichen, klaten Bahnhofsaufenthalte (2 Stunden in Kiel, 2 in HH, der Kosten wegen)
      Durchsucht wurden sie nicht, waren wohl nicht auf der Partymeile (dort war abgesperrt), aber im Zentrum.
      Ja, Köln…das hat viel kaputtgemacht. Wir werden sehen, WIE viel- ich lese grad den neuen Spiegel, dort gehen sie davon aus, daß sich so einiges tun wird, was auf den Kölner Vorfällen basiert und nicht flüchtlingsfreundlich ist. Abwarten.

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