Vom A*** der Welt ins Dorf!

Letzte Woche war ich beim Amt und habe der Dame vom Ordnungsamt geschildert, wie die mentale Situation von Al., Ab. und S. ist, und wie isoliert sie in ihrem Haus sind – und was? Tatsächlich war unser „Oberlotse“ auch schon dort vorstellig geworden (ich hatte beim Lotsentreffen berichtet), und es gab das Angebot, in eine bestehende WG nach und nach „einzurücken“, sobald dort Plätze frei werden. Was kürzer oder länger dauern kann. Wochen oder Monate. Während des Gesprächs kam dann noch der Gedanke, daß ab nächster Woche auch noch eine andere große Wohnung bezogen werden kann; aber das war noch nicht abgesprochen innerhalb des Amts, also war nicht gleich zu klären, ob das für die drei auch eine Option sein könnte.

Ich war ja am Wochenende weg, aber der Herr F. ist hingefahren und hat’s ihnen erzählt – die Freude ist groß! Dem Fairphone sei Dank hatte ich  eher zufällig angerufen, als der Herr noch dort war- und hatte so erst S., dann Ab. am Ohr, die sich so froh, daß man’s durchs Telefon prima hören konnte, bedankten „Fjonka – danke Haus dankedanke!“ Befragt, was sie denn lieber wollen würden, hätten sie die Wahl, zogen S. und Ab (Al. war nicht da) den kleineren Ort vor: der Bahnhof und die Nähe zu einer irakischen Familie, die sie dort kennen, gaben den Ausschlag.

Wieder bin ich so froh darüber, wie menschlich die Damen vom Amt sind – für sie bedeutet das auch Mehraufwand, und natürlich haben sie dann neue Flüchtlinge, die in die abgelegte Wohnung der Unseren müssen – und irgenwann auch wieder ins Zentrum, wahrscheinlich…. das hätte auch anders laufen können!
Und schon tags drauf kam die mail:
Sie können bald ins Dorfzentrum! In die ab dieser Woche zu gründende Männer-WG, sechs Mann stark. Ein ganz frisch angekommener Jemenit und ein Syrer, der aus dem Zentraldorf dazuzieht, weil ein Verwandter gleich gegenüber wohnt, sind schonmal dabei, ein letzter Flüchtling kommt dann irgendwann dazu, wenn’s paßt und Jemand Neues kommt. Es gibt drei Doppelzimmer und ein Wohnzimmer. Die drei sind noch auf dem Stand vom letzten Wochenende, aber morgen (Mittwoch) fahren wir hin und erzählen ihnen, daß es schon am nächsten Wochenende losgehn kann! Darauf freue ich mich schon! :-)*

Ich freu‘ mich sehr für die drei; hoffentlich ists dann wirklich so gut für sie wie sie’s sich erhoffen!
Den Umzug machen wir mit ihnen – ich finde, das muß nicht auch noch das Amt leisten, und ich finde umziehen ja eh toll *g* Allerdings hab ich sicher noch nie einen so winzigen Umzug mitgemacht – selbst mein allererster Umzug, in dem alles, was ich hatte, in einen Mitsubishi Colt paßte, war größer, denn ich hatte einzelne Möbel und Hausrat. Angekommen sind die drei im Oktober mit jeweils einem (leichten) Koffer – inzwischen sind da noch Lebensmittel, ein paar neue Kleidungsstücke und viele „papers“ dazugekommen …

* Erstens kommt es anders: heute haben wir vergebens geklingelt – alle drei Iraker waren ausgeflogen – erstmals alle drei auf einmal, ausgerechnet! Nuja….

Advertisements
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Sonst so.

11 Kommentare zu “Vom A*** der Welt ins Dorf!

  1. Bibo59 sagt:

    Na hoffentlich stellen sich nicht die Ureinwohner so an wie hier.

  2. ladypark sagt:

    Schön, das freut mich sehr für die drei. 🙂

  3. Hallo Fjonka!

    Ich finde es beeindruckend, wie sehr Du Dich für Deine Schützlinge einsetzt!

    lg
    Maria

    • Fjonka sagt:

      🙂
      Trügt ein wenig, weil Ihr ja immer nur lest, was wir tun oder schaffen. Daß wir es aber zB nicht mehr öfter als 1x wöchentlich zu ihnen hin schaffen, das liest man hier ja eher weniger…. aber ich bin schon etwas stolz, daß ich dazuhelfen konnte, ihnen aus der Diaspora herauszuhelfen, auch wenn’s mich bloß ein Gespräch gekostet hat.

      • a sagt:

        Stellt Euer Licht mal nicht so unter den Scheffel! 😉 Auch wenn Ihr nur 1 x die Woche hingeht, ist Eure Hilfe ja doch sehr effizient und Ihr macht sogar Ausflüge u. ä. mit ihnen. Ich freue mich für die 3. Die haben echt Glück gehabt, auch wenn sie erstmal am *A* gelandet waren, ist es schon toll, wie das dank Menschen wie Euch auf dem Land mit der Integration klappt. Sorgen mache ich mir da eher, wie es in den größeren Zentren aussieht. Und wenn man dann noch von den ach so überflüssigen Social-Networks hört…

        • Fjonka sagt:

          Einerseits sind in den größeren Zentren, scheint mir, verhältnismäßig deutlich mehr HelferInnen. Weil dort, wie man liest, auch junge Leute mit einsteigen – hier tun SchülerInnen Einiges, dann kommt lange wenig, und dann gehts ab unserem Alter wieder los. Schade, aber ich kanns verstehen, denn das eigene Leben zu managen kostet Viele einfach so viel Zeit und Kraft, daß nicht so viel über ist – und das geht dann eher in die Feuerwehr (was ja auch extrem wichtig ist) uÄ In den Zentren sind die StudentInnen, das geht schon ab Flensburg los – die reißen echt was.
          Aber vielleicht ist das auch nur dieselbe Verschiebung der Realität, die ich oben gemeint hatte: man (im Zentren-Fall: ich!) liest und sieht im TV ja nur, was passiert. Leider sehr dominant auch was bei den inzwischen schon an die 15% passiert, die nichts als „ich will meine heile Welt behalten“ denken können, und das sehr agressiv fordern. Was nicht passiert, sieht und liest man ja nicht.
          Ich bin zB sicher, daß die Unsrigen schon viel besser deutsch sprächen, würde ich ein weiteres Mal die Woche hinfahren und mit ihnen aktiv üben.
          Andererseits geht es mir mental wesentlich besser, seit ich etwas mehr Abstand halte- und so kann ich über längere Zeit DAS tun, was ich halt kann.

          • a sagt:

            Und das ist ja auch extrem wichtig, dass Ihr auch auf Euch achtet und nicht über Eure Grenzen geht. Du hast ja neulich beim Essen von As. gehört, wie viele Stunden sie gemacht hat, um nun letztendlich aufzugeben, weil sie einfach nicht mehr kann. Damit ist niemandem geholfen!
            Und Du hast natürlich recht: wenn man nicht den direkten Kontakt hat, erschließt sich aus den Medien kein reales Bild. Da freu ich mich doppelt von Euch so gut informiert zu sein. Danke! 🙂

  4. Mario sagt:

    Toll, dann sind die 3 endlich etwas näher am Leben.

    • Fjonka sagt:

      Ja. Und es gibt schon jetzt die Aussicht auf mehr deutsch: der Jemenit hat auch einen Lotsen – also werden schonmal DREI Deutsche immer mal dortsein 🙂

Platz für Klönschnack ...

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s