Zu Besuch im Dorf zu sein…

…ist tatsächlich ein grundlegend anderes Gefühl, als zu Besuch am A*** der Welt zu kommen. Die Schwingungen sind total anders, wenn ich das mal so leicht esoterisch ausdrücken darf *gg*

Besonders Ab. ist kaum wiederzuerkennen, der Junge trägt ein Lächeln auf dem Gesicht, unglaublich! Die Stimmung ist richtig gut, und auch mit der neuen WG scheint es hauptsächlich gut zu laufen. Letztlich kamen wir genau als Essen aufgetragen wurde – der Tischler (Wer???? Siehe weiter unten!) hatte richtig lecker gekocht: Reis und ein geröstetes Getreide mit Mandeln, dazu gabs Huhn in Mangold (?) mit Paprika, saugut gewürzt. (Ja, wir durften mitessen. MUSSTEN mitessen 😉 ) Es war Besuch da, vom schon recht gut deutsch sprechenden irakischen Freund, und später kam der Syrer-Cousin auch noch dazu. Alles sehr entspannt. Auch der eine Jemenit ist gern gesehen, erzählte man mir (er war nicht da), bloß der andere- der ist, das hatte schon die Frau vom Amt erzählt, schwer traumatisiert – offenbar hat das Folgen, die so unangenehm sind, daß Gesprächsbedarf herrscht. Der Lotse „ist dran“.

Aber ansonsten – ich bin wirklich froh, daß ich das regeln konnte!

Und nein – kein Wort jetzt zum Thema „Schule“, ich will mich jetzt mal kurz einfach mit den Dreien freuen! 😉

„Der Tischler“, siehe oben: Der syrische Mitbewohner der drei ist Tischler aus Aleppo. Er hat uns Bilder gezeigt. Von sehr schönen, von ihm gebauten Möbeln – in einem auf mich sehr reich wirkenden Haushalt. Wenn ichs recht verstanden habe, ist das das „Familienhaus“.  Direkt danach: Fotos von zwei kleinen, toten Kindern. Die des Bruders. Erschossen von, so sagt er, Kurden. („Not bomb, shoot! Children! Kinder!“) Der Bruder ist auch tot. Alles geschehen vor nichtmal einer Woche.
Kurden? Hier versagte jegliche Übersetzung, aber es kämpfen ja syrische und türkische Kurden gegen Assadund inzwischen wohl in einigen Landesteilen auch gegen gemäßigte Rebellen, weil sie (die Kurden)aus dem ganzen Schlamassel mit einem eigenen Staatsgebiet rausgehen wollen, was natürlich die Lage noch weiter eskalieren läßt. Wieso die aber kleine Kinder erschießen, das weiß ich nun wirklich nicht! Es ist einfach furchtbar, und mir/ uns fällt nicht ein, was wir da sagen könnten, das nicht einfach nur dumm und platt wäre.
Außerdem zeigte der Tischler Fotos von Aleppo, in dem kaum noch ein Haus steht – Russen und Assad bomben dort ja bekanntlich alles kaputt, was noch stand. Offenbar denkt er, was auch ich denke: daß „Terroristenbekämpfung“ ein gutes Deckmäntelchen dafür ist, Assad zu helfen – aus egoistischen Gründen, ohne Rücksicht auf unschuldige Menschen. Wie der Tischler das schafft, dabei die meiste Zeit recht gut gelaunt, kommunikativ und entspannt zu wirken, das weiß ich nicht. Allerdings sagt er, daß es für ihn sehr schwer ist, deutsch zu lernen, weil sein Kopf so voll ist.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Sonst so.

2 Kommentare zu “Zu Besuch im Dorf zu sein…

  1. petra sagt:

    Der Nachsatz: weil sein Kopf so voll ist – genau das ist es. Ein junger Palästinenser, der keine Chance auf Asyl hat, würde gerne mit Carsten zum Handball gehen. Er darf nicht! Unser Pfarrer, der etwas arabisch kann, hat ihn gefragt was er macht? Nichts, verboten!

    • Fjonka sagt:

      Wer behauptet das?
      Solange er damit kein Geld verdient (und nach 3 Monaten Aufenthalt hier darf er mit Genehmigung vom Amt selbst das!) und die Residenzpflicht nicht verletzt, kann er seine Freizeit gestalten wie auch immer er möchte!!!!
      Das kann nach allem, was ich bisher mitgekriegt habe, nicht stimmen! Vielleicht hat er etwas falsch verstanden!?

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