Für die wilden Bienen

Letztlich hatte ich ja berichtet, daß ich Mitglied beim Naturgarten eV geworden bin. Zusammen mit einem Begrüßungsbrief bekam ich nicht nur das neueste Heft des „Naturgarten“s, der 4x jährlich erscheint, sondern auch noch die Hefte des vergangenen Jahres – und da ist eines dabei, das wirklich ganz ausgezeichnet ist, über Nisthilfen für Wildbienen.

Man bekommt ja derzeit überall Insektenhotels – was ich aber nicht wusste, ist, daß die meisten für die meisten Arten eher ungeeignet sind. Es beginnt schon damit, daß die abgeschnittenen Pflanzenstengel, beispielsweise, nicht glatt abgeschnitten sind – was bedeutet, daß Bienen, die nach einem Brutplatz suchen, diese Stengel nicht annehmen, weil beim reinschlüpfen zu leicht die Flügel verletzt werden. Dasselbe gilt oft auch für Baumscheiben, in denen Löcher sind – Biens nisten natürlicherweise in Löchern im aufrecht stehenden Holz. Löcher darin sind nicht so splittrig wie in Baumscheiben gebohrte – und es reichen da schon ganz winzige Fasern, um die zarten Flügel zu zerstören.
Manche Hotels sind auch ganz schlicht nicht tief genug für die Nistgänge, in denen ja mehrere Brutzellen hintereinander samt Futtervorräten lagern müssen. Und Kiefernzapfen, die in vielen Insektenhotels hinter einem Gitter liegen, werden höchstens mal zum übernachten von einem Ohrkneifer benutzt, nicht aber zum nisten welcher Bienenart auch immer.
Ein tolles Heft, das, wirklich lehr- und hilfreich.

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Aktiv: Specht und allgemeine Verwitterung … Schief: das Bild, nicht Hotel und Stein.

Aber was ich eigentlich berichten wollte, ist, daß es dort auch einen ausführlichen Hinweis auf die Internetseite wildbiene.com gibt. Die hab ich mir daraufhin mal angeguckt. Dort gibt es diese und andere Infos auch – und einen Shop. Und bei dem habe ich mir einen Niststein bestellt. Eigentlich wollte ich damit unser vorhandenes Insektenhotel „renovieren“. Das hat nämlich im letzten Jahr unter Spechtattacken gelitten. Aber dann habe ich festgestellt, daß 1. viele Nisthilfen belegt sind (die Kleinen  schlüpfen ja erst im Frühjahr, und besonders die Bambusstengelstückchen sind beliebt und viele davon ordentlich zugemauert) und 2. der Stein garnicht reinpaßt. Was ich aber auch festgestellt habe ist, daß beim Stein – das steht nicht in der Beschreibung – ein einziges Loch bis durch geht, so daß man ihn an einem Nagel befestigen kann. Und das hab ich heute getan.

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Der Neue

Ich finde es ja immer schön, wenn Dinge nicht nur nützlich, sondern auch schön sind – etwas, das für meinen Geschmack hier definitiv zutrifft. Nun erwarte ich noch sehnlicher den Frühling, um zuschauen zu können, wer sich wann hier einfindet 🙂 Es muß sich noch herausstellen, ob der Platz optimal ist. Nässegeschützt soll er sein und sonnig – vielleicht hängt er für letzteres etwas zu hoch!? Aber die Balken gehen da oben längs – und dann erst wieder auf Brusthöhe; das ist an diesem Platz ungünstig. Den Stein aber nur in einem Brett festzunageln- dafür ist er zu schwer. Mal sehn, was geschieht – 163 Nistgänge sind in so einem Stein, 3-4 Eier legen die Wildbienen in jeden Nistgang… es könnte also ordentlich was passieren!

Übrigens gab es in Deutschland einmal 547 Bienenarten, aber von denen sind schon 1997 52% in die rote Liste aufgenommen worden, und seither sind die Bedingungen in unseren aufgeräumten Landschaften dramatisch schlechter für wilde Bienen geworden.

Zu den Bienenarten gehören ja auch die Hummeln, und von denen haben wir viele Arten hier. Die leben, wie die Honigbienen, in ganzen Völkern. Die Insektenhotels aber sind für Einsiedlerbienen. Bienen also, die allein leben. Das sind die unauffälligeren  – und die meisten Arten. Sie paaren sich, dann stirbt der Drohn, und die Frau Biene legt ihre Eier samt Nahrungsvorräten (Pollen) in mehreren Zellen hintereinander in so einen Nistgang. Manche Arten gehen in Holz, manche in hohle Stengel, manche in Stein. Vorn kommt noch eine leere Zelle vor den Gang, als Schutz vor Räubern, und dann wird zugemauert. Und meist wird dann auch schon gestorben; viele Wildbienen leben nur wenige Wochen lang. Die Eier oder Maden, das ist je nach Art unterschiedlich, überwintern im Nistgang.

Wer genaueres wissen will, der lese bei wildbiene.com nach, dort gibt es ausführliche Artenportraits!

Ich jedenfalls bin schon gespannt, was (bzw wen) ich demnächst werde beobachten können 🙂

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10 Kommentare zu “Für die wilden Bienen

  1. Frau Tonari sagt:

    Hach, eben wollte ich doch glatt einen Niststein als Geburtstagsgeschenk kaufen, aber das Gewicht hielt mich dann doch davon ab. 3,5 Kg und mehr sind einfach zu schwer, um sie mal eben so im Paker nach NZ an unsere innerfamiliären Bienenfreunde zu verschicken. Schade.

  2. Hallo Fjonka!

    Viel Erfolg mit Deinem Niststein, sieht wirklich sehr hübsch aus! Bin schon auf weitere Berichte gespannt!

    lg
    Maria

    • Fjonka sagt:

      Dankeschön 🙂
      Ich hoffe, es wird allerhand zu berichten geben!
      Heute war übrigens mal wieder Bienen-Flug-Tag (ich meine HONIGbienen) Aus allen Völkern sind sie geflogen gekommen, denn es hatte 7° (von wegen, Honigbienen brauchen mindestens 10°) und Sonne, zeitweise. Die haben sie genutzt. Ich schrieb’s ja gestern: die WOLLEN!
      Wildbienen hab ich aber noch nicht gesehen.

  3. Gerburgis sagt:

    Uns macht der Nisthilfenbau auch großen Spaß. Wir haben mal als Ferienaktion welche in Schubladen gebaut – siehe Bienenblog: http://derbienenblog.de/2014/04/20/nisthilfen-werkeln-fuer-wildbienen/
    Für mich war neu, dass die Wildbienenweibchen entscheiden können, ob sie ein männliches oder weibliches Ei ablegen. Das erste Ei, das nach der leeren Zelle in der Brutröhre abgelegt wird, ist ein männliches. Warum? Falls ein Vogel hineinpickt und doch einmal bis zur ersten Zelle gelangt, erwischt es nur ein Männchen und davon brauchen sie nicht so viele….
    Dazu gebe ich jetzt keinen weiteren Kommentar ab – wird so oder so falsch verstanden.
    Viele Grüße

    • Fjonka sagt:

      *lol*
      nein, sowas braucht keinen weiteren Kommentar …
      aber ich wusste das auch noch nicht, spannend!
      Die Schublade als Grundgerüst finde ich interessant – ich hab nämlich noch eine liegen 😉 Muß mal messen, ob die tief genug ist.

  4. Bibo59 sagt:

    Bei den ganzen Ansprüchen, die die stellen, muss man sich ja wundern, dass die in der freuen Natur überhaupt was finden.
    Ich habe hier Zaunrüben, die von Zaunrübenbienen bestäubt werden, die in den kahlen Stellen in der Wiese, die der Maulwurf hinterlassen hat, ihre Löcher graben

    • Fjonka sagt:

      Ja, stimmt- Erdbrüter gibts auch viele;
      daß viele von den Arten ganz betimmte Ansprüche haben ist ja der Grund, daß so viele davon nah am aussterben oder schon ausgestorben sind – bei uns im Garten wird das mit denen, die in lose Erde wollen, nix – weil sonnige lose Erde bei uns nicht existiert.

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