Der Amtsschimmel – ein Test ;-)

Bis jetzt hatte ich ja nur gutes zu berichten, was die Zusammenarbeit der Ehrenamtlichen/ Flüchtlingshilfe mit den Ämtern betrifft. Nun aber wiehert der Amtschimmel – aber buckelt er auch noch so, wie ichs von früher kenne? Oder galoppiert er, oder hat er sich gar aufs Altenteil zurückgezogen? Das durfte ich jetzt live testen.

Unsere Drei hatten in der letzten Woche ihres Deutschkurses Besuch vom Arbeitsamt. Bzw von der Agentur für Arbeit, nicht zu verwechseln mit dem Jobcenter, das sich schön denglish auch noch klein schreibt: jobcenter.
jobcenter, das habe ich mir heute erklären lassen, ist im Grunde der schöne(?) neue Name fürs Sozialamt. Erst als ich wieder auf dem Weg heim war, fiel mir ein, daß die drei ja auch bereits mit einer weiteren Stelle, dem Sozialzentrum zu tun haben – was zur Hölle ist dann das???
Egal jetzt, beim Deutschkurs also kam Jemand von der Agentur für Arbeit. Dieser Jemand war sogar, so sagte man, mit Übersetzer unterwegs, was aber leider überhaupt nicht zur Folge hatte, daß die drei Iraker nun wohlinformiert heim kamen. – A. und S. berichteten, sie hätten ab dem 11.4. einen Deutschkurs „mit Job“ in Flensburg. Mehr wußten sie nicht („Post“) Okay, da soll also Post kommen. Gut. Ab. aber, der ja noch nicht alphabetisiert ist, sollte da nicht mit hin. Er erzählte mir am Freitagnachmittag, dem 4.3., daß er am Montag, dem 7.3. zu einem Deutschkurs solle. Wo? „Flensburg“. Wo da? „Ich weiß nicht – Post“. Na, aber wo ist denn die Post „No Post, ich weiß nicht“ *seufz* Okay. Ich erkläre: ich rufe am Montag dort an, jetzt ist eh geschlossen. Und dann, so dachte ich bei mir, frage ich auch mal gleich für die anderen beiden nach.
Schnitt – Montag. Anruf Fjonka Arbeitsamt (nein, Agentur für Arbeit….) Düdeldüdeldüdel, wenn sie das wollen, drücken Sie hier , wenn sie dies wollen, drücken sie…. ich drücke. Düdeldüdeldüdel – Zack- Hotline. Ich erkläre mein Anliegen, und man darf mir nicht helfen. Datenschutz. Okay, isso. Habe mich eh schon gewundert, daß ich so oft einzig auf meine nette Stimme hin jedwede Auskunft bekommen hatte … bisher war das immer ziemlich pragmatisch gelaufen, jetzt also sind wir bei „förmlich“ angekommen. Immerhin geht das Ganze per Telefon – ich wollte eh noch ins Dorf, fahre also hin und verbringe dort etwa eine halbe Stunde damit, den Jungs zu erklären, worum’s geht. Erklär mal Datenschutz, Agentur für Arbeit, Hotline usw…. dann angerufen. Düdeldüdeldüdel…. zack – DIESER Hotline-Mitarbeiter hatte ebenfalls ein Problem wg. Datenschutz, erst als ich drauf bestand, der Kollege habe aber doch gesagt, wenn A. am Telefon sei…. ging das auch ohne Schriftliches. Nun sollte A. sein Geburtsdatum sagen (Gelächter am Telefon, als ich nach diversen Verständigungsschwierigkeiten „happy birthday“ zu singen begann – aber das hat geklappt *gg*) und seine Adresse. Dann durfte ich reden, um – nichts zu erfahren. Angeboten wurde ein Rückruf binnen 2 Arbeitstagen. An denen ich nur an einem daheim wäre, und auch nur zeitweise. Ja, aber er könne auch nicht garantieren, daß die Sachbearbeiterin mich anrufe, es gäbe ja keine schriftliche Vollmacht. Auf den dezenten Hinweis, daß es wenig hülfe, A. anzurufen, zumindest nicht, wenn die Sachbearbeiterin nicht arabisch spricht, verblieben wir dann so: dienstags packe ich die Jungs ein und fahre mit ihnen hin. Und mit einer Vollmacht.
Schnitt- Dienstag. Wir also ab ins Auto und nach Flensburg. Dort (wow!!) keine 10 Minuten gewartet und schon dran. Aber (nicht wow!), wie ich schnell feststelle, nicht etwa beim zuständigen Sachbearbeiter, sondern bei einer Dame, auf deren Schild „Eingangsbetreuung“ steht – und die offenbar nur rudimentäre Akteneinsichten hat. Zum Beispiel kann sie nicht sehen, ob A. tatsächlich zu einem Deutschkurs „mit Job“ angemeldet ist. Aber daß Ab. das nicht ist, das sieht sie. Denn bei ihm steht, es sei abgemacht, daß sich Ab.  – tadaaaa – mit betreuendem Lotsen bei der Agentur für Arbeit melde. Ja, warum geben die dem denn keinen Zettel mit??????? Na, nun sind wir ja da. Das allerdings hilft uns nicht weiter, denn wir kommen auch nicht zum zuständigen Sachbearbeiter. Wir müssen auf einen Rückruf in den nächsten zwei Arbeitstagen warten, den dank der unterzeichneten Vollmacht nun wenigstens ich bekommen soll. Dasselbe bei A.
Also gut. Ich habe das dumpfe Gefühl, daß A. und Ab. nicht so ganz kapieren, was das ganze denn nun sollte. Aber immerhin. Ich rufe noch aus Flensburg den Herrn F. an, wer weiß, wann die Rückrufe kommen. (Und ja, ich hatte daran gedacht, abzuklären, daß auch er informiert werden darf – hier schlug die volle Flexibilität des Amtes zu: das wurde für okay erachtet, obwohl die Dame „Eingangsbetreuung“ ein wenig sparsam guckte. Ich war ziemlich erleichtert, hatte ich doch daheim nicht dran gedacht, uns beide auf die Vollmacht zu setzen) Und tatsächlich, man gut. Denn noch während wir auf der Heimfahrt waren, kam der erste Rückruf. A. ist vorgemerkt für einen Kurs, der irgendwann Mitte April beginnt, Träger noch unbekannt. Er bekommt Post. Da ist also fast das richtige ‚rübergekommen beim Gespräch.
Später am selben Tag (!) auch der Rückruf wegen Ab. Hier ist alles komplizierter. Der Sachbearbeiter schlägt die Flensburger VHS vor. Die hat mittwochs morgens erst wieder Telefonsprechstunde. Mal sehn, was ich morgen erreichen kann. Hoffentlich kann ich Ab. für einen Kurs anmelden. (Und hoffentlich geht er dann auch regelmäßig hin….) Sollte das klappen, dann kann ich den Sachbearbeiter (ein doppeltes heureka) direkt anmailen, denn dann wird ein bestimmtes Formular notwendig….. huh-ha!


Hotlines, die zu Eingangsbetreuerinnen, die zu Sachbearbeitern, die zu Formularen weiterleiten – hier zeigt sich „Behörde“ in ihrer schönsten Ausprägung – und doch: zwei Rückrufe am selben Tag und zwei Sachbearbeiter, die zwar recht müde und ausgelaugt wirkten, aber doch nicht unfreundlich waren! Es hat sich was getan, seit ich das letzte Mal in den Fängen der Behörden war. Der Amtsschimmel galoppiert wie eh und je, aber momentan scheint mir, daß er wenigstens nicht bockt, scheut und verweigert, wo er kann.

To be continued…….

 

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12 Kommentare zu “Der Amtsschimmel – ein Test ;-)

  1. Als wir damals unsere Austauschschülerin amtlich anmelden wollten, haben wir auch einen Einblick in die deutsche Amtslandschaft erhalten dürfen. Inklusive respektloser Antworten und Mobbing im Nachbarraum.

    Oder von einem Kommilitonen so schön formuliert: „Das Prüfungsamt ist der einzige Platz an der Uni, wo man selbst dann nicht weiterkommt, wenn man laut wird“

    Ich wünsche euch viel Durchhaltevermögen!

    • Fjonka sagt:

      Da hatten wir es ja noch gut getroffen; aber ich kenne tatsächlich beides: Unfreundlichkeit bis hin zu demütigend verächtlichem Verhalten- aber auch unglaublich hilfreiches und so menschliches, daß ich vor Jahren einmal zum Arbeitsamt gegangen bin, als ich wieder eine Arbeit hatte, nur um mich bei der Sachbearbeiterin zu bedanken. Was wiederum dieser dir Tränen in die Augen getrieben hat, weil sie das so auch noch nicht erlebt hatte. Er jibt nix wat er mit jibt…. 😉

  2. teff42 sagt:

    irgendwie erinnert mich das doch sehr an „das Haus das Verrückte macht“ aus „Asterix – die Odyssee“ (ich meine mich zu erinnern, dass das so hieß *g*)
    Im Ernst: Respekt, man muss daja nun wirklich mächtig Durchhaltevermögen besitzen, um nicht irgendwann das Handtuch zu werfen.

    • Fjonka sagt:

      Leider habe ich heute nichts erreicht. Alphabetisierung gibts nur als Integrationskurse. Und ein Integrationskurs steht nur dem zu, der eine Aufenthaltsgenehmigung hat, die aber gibt es erst (Wochen? Monate?) nach der Anhörung. Und die ist am 30.3. Da können sie alle überhaupt erst ihren Asylantrag stellen. Monate, nachdem sie angekommen sind. Sabur, sabur…. Dagegen ist meine Geduld dann wieder etwas – nuja- mir fehlt das richtige Wort.

    • Micha sagt:

      Passierschein A 38. Gibts an Schalter eins. Das Stück Asterix sollte man wirklich dringend gesehen haben, bevor man zu irgend einem Amt mus. 😀

      • Fjonka sagt:

        *lol* Ich habs vor ewigen Zeiten gelesen, fast so anstrengend wie Loriot!

        • teff42 sagt:

          ich muss mich korrigieren, „das Haus das Verrückte macht“ war aus „Asterix erobert Rom“…

          Und so sieht man wie unterschiedlich man sein kann: Ich fand Loriot weitgehend ungenießbar und Asterix überwiegend genial… (und für mich existieren eigentlich von Asterix nur die Comics)

  3. ladypark sagt:

    Ein kleiner Tip: Lass dir immer die Durchwahlen und Mailadressen der Sachbearbeiter geben (von denen selbst, andere geben sie dir nicht). Dann kannst du sie direkt anrufen. Ansonsten nur Hotline. Ätzend sowas.

    • Fjonka sagt:

      Mailadresse immerhin hab ich, vom einen – werde das beim nächsten telefonieren probieren. Wirklich ätzend!!! Aber, wie geschrieben: ich persönlich habs schon deutlich schlimmer erlebt!

  4. Hallo Fjonka!

    Oh mein Gott, da wird mir ja beim Lesen schwindlig!

    Ich bewundere Deine Geduld, ganz ehrlich!

    lg
    Maria

    • Fjonka sagt:

      Wie sagte F., der Mann aus dem Jemen mit riesiger Narbe rings um den vorderen Haaransatz (Folteropfer, so wurde mir gesagt) und Zähnen, die so schlecht sind (und schmerzen müssen ohne Ende), daß sie alle demnächst rausoperiert werden sollen, gestern zu mir – „Hej, you not good? Relax!“
      (Btw – ich fühlte mich ziemlich ertappt; ich war wirklich SEHR unentspannt gestern)

Platz für Klönschnack ...

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