Interview

Heute hat ein großer Schwung Flüchtlinge aus der Umgebung „Anhörung“ (in Flüchtlingskreisen „interview“ genannt). Das heißt, daß sie endlich ihren Asylantrag stellen dürfen (ja, sie sind seit mehreren Monaten hier, haben aber erst jetzt die Möglichkeit, überhaupt den Antrag zu stellen! Das ist Normalität! Bei Ankunft Registrierung, dann Monate bis überhaupt der Antrag gestellt werden kann. Bis dahin auch kein Recht auf Deutschkurse, übrigens. Deshalb ist ja auch alles, was da momentan im Amt geschieht, freiwillig. Ehrenamtlich oder durch Spenden bezahlte VHS-Kurse) Um nun den Antrag zu stellen müssen sie nach Neumünster zum BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) fahren. Dort werden ihnen 25 Fragen gestellt, zu Personalien und Situation. Die wichtigsten kommen zum Schluß, die über die Situation im Heimatland und ihre spezielle. Über die Gründe zur Flucht. Ein Dolmetscher ist dabei, aber nicht unbedingt einer, der aus demselben Land kommt.

Warum das blöd ist, wird klar, wenn Unsereins sich vorstellt, daß man eine lebenswichtige Situation einem Österreicher schildert (dieselbe Sprache, aber viele einzelne Ausdrücke, die ganz anders sind oder vrstanden werden können), der sie dann einem Araber übersetzt, ohne daß man weiß, was da genau übersetzt wird. Dabei darf man keinen anderen Menschen mit dabeihaben (der evtl weniger aufgeregt ist und deshalb besser mitkriegt, wenn etwas schiefläuft). Zum Schluß gibt es kein wörtliches, sondern nur ein zusammenfassendes Protokoll, das wiederum der Österreicher Einem zum gegenzeichnen vorliest, und man muß sich drauf verlassen, daß das dann gut ins arabische übersetzt wird.

Ich habe überhaupt erst letzte Woche eine Publikation* gefunden, in der

  1. alle Fragen stehen und
  2. relativ konkret darauf eingegangen wird, was wichtig und zu beachten ist – im Prozedere und dabei, was man unbedingt erzählen sollte.

In deutsch. 😦 Den Irakern hab ichs gegeben, angeboten, dem Lehrer in englisch zu übersetzen, damit er in arabisch übersetzen kann – aber er meinte, sie versuchens mit der App, die unmittelbar deutsche in arabische Schrift umwandelt (Wunderwerk der Technik!!!!) Okay.

Heute nun gehts also los – danach heißt es warten und hoffen. Warten – es kann 2 Wochen dauern oder 2 Jahre. Und hoffen – etwas über 80% der Iraker bekommen ihre Anerkennung als Flüchtlinge. Aber eben auch etwa 20% nicht.

Daumen drücken!

* Flüchtlingshilfe konkretdas ist die oben erwähnte Publikation

*Flüchtlingsrat, Sammellink zu weiteren hilfreichen Veröffentlichungen

*Arbeitshilfen zum Aufenthaltsrecht, Sammellink asyl.net

 

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Sonst so.

11 Kommentare zu “Interview

  1. ladypark sagt:

    Daumen sind gedrückt. Hoffentlich geht es schnell mit der Entscheidung.

  2. Gerburgis sagt:

    Hallo Fjonka,
    ja, bitte unbedingt den Link heraussuchen. Auf die App würde ich mich nach meinen Erfahrungen nicht verlassen – dass Fatima nach einem mit Google übersetzten Brief überhaupt noch mit mir spricht, ist ein Wunder…
    Joachim Eberhardt hat uns beiden übrigens noch einen interessanten Link zur Gemülldiagnose geschickt:
    Hallo Gerburgis, hallo Fjonka,

    eine kleine Interpretationshilfe für das Gemüll habe ich den Anfängerkurs unter der Adresse http://www.die-honigmacher.de/kurs5/seite_35501.html eingestellt.
    Beim Anklicken der Bilder gibt es jeweils ein Beschreibung des jeweiligen Gemülls.

    Frohe Ostern, Joachim
    Gemüll – Durchsicht der Bodeneinlage
    Meist schiebt man diese Bodeneinlage für 3 bis 5 Tage ein. Anhand des Gemülls lassen sich viele Rückschlüsse auf den Zustand des Volkes und auf mögliche Parasiten und Räuber ziehen.
    die-honigmacher.de

    Wünsche Dir einen schönen Tag!

    • Bibo59 sagt:

      Auweia Gerburgis. Ich dachte Gemüll wäre ein österreichischer Ausdruck für Flüchtlingsfragen.

      • Gerburgis sagt:

        Oh je! Ich hätte doch auf Bequemlichkeit verzichten und Fjonka zum Thema Gemüll eine gesonderte Mail schicken sollen….
        Aber, so hast Du unverhofft etwas gelernt 😉

      • realkiku sagt:

        Ich hatte auch krampfhaft überlegt, was das mit der Übersetzungs-App und Fatima zu tun hat. Bis ich auf die Bienen stieß, dachte ich, das sei ein Beispiel, wie Google-Translator alles sinnvoll Geschriebene zu Müll verarbeitet 😉 Lustig 🙂

    • Fjonka sagt:

      App: ich hätte es auch anders besser gefunden – aber die Herren wollten nicht 😦 Nun sind sie unterwegs…
      Bienenlink: jetzt habe ich allein bei diesen Bildern schon einiges gelernt; und dabei dachte ich, das Gemüll kann ich schon ganz gut lesen….
      leider habe ich nach wie vor große Probleme mit dem Online-lesen. Blogartikel etc gehen gut, aber wennns intensiver und länger wird, brauche ich Papier in der Hand. Aus diesem Grund bin ich auch schon mehrfach an den supergut gemachten und sehr lehhrreichen Honigmacher-Kursen gescheitert. (Auch mit Lesezeichen und schrittweise). Aber ich werde es nun nochmal versuchen.

      • Bibo59 sagt:

        Was hast Du denn für einen Rechner? Bei Seiten mit kreativem Schriftbild (weiß auf schwarz oder hellbeige auf rosa mit feinen Buchstäbchen) und/oder viel Werbung finde ich es ungeheuer praktisch, den Reader zuzuschalten. Das ist dann so was wie schwarz auf weiß Großdruck, egal wie das Original aussieht.

        • Fjonka sagt:

          Das liegt im allgemeinen nicht an der Schrift – obwohl weiß auf schwarz für mich nicht lesbar ist. Werbung seh ich eh nicht.
          Es liegt eher – ich glaube, im Inneren! Auf dem Sofa mit Buch ist einfach eine andere Konzentration als am Rechner. Und die Kopfhaltung – lesen ist halt für mich „Buch“ … einen reader könnte ich ähnlich halten, aber ohne Seiten sondern mit dieser scrollerei und Klickerei statt blättern – das ist irgendwie für mich einfach nicht wirklich lesbar.
          Auch oben in den Links die .pdf … ich drucke mir aus, was länger als zwei Seiten am Stück ist. Sonst wird das nix.
          Ich kann ja auch schlechter mit hören lernen als mit lesen – und eben schlechter mit computerlesen als mit „echtem“.
          Und dann kommen noch die unendlich vielen Links überall dazu; man verzettelt sich so leicht!

    • Fjonka sagt:

      So. Habe den Link gefunden und mit weiteren oben ergänzt.

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