Gelernt (Vögel füttern)

a fragte neulich nach Teilhabe an dem, was ich aus dem Buch im Baum gelernt habe. Aber gerne doch, ich wusste vieles, aber auch vieles nicht.

Das Buch plädiert sehr für ganzjähriges füttern von Vögeln. Gute Gründe dafür gibt es:

  • In den letzten Jahren gibt es dramatische Einbrüche in der Insektenpopulation – man muß nur mal überlegen, wann man im Sommer das letzte Mal die Scheiben von toten Insekten säubern musste – und wie oft man das noch vor 15 Jahren tat. Ebenso schlecht sieht es mit Körnern, Früchten, Saaten für vegetarische Vögel aus in unserer aufgeräumten Industriegarten- und Agrarlandschaft
  • Man konnte inzwischen nachweisen, daß es ein Märchen ist, die Vögel würden durchs füttern „faul“ und nicht mehr in der Natur nach Nahrung suchen. (Wer wissen will, wie und Beispiele lesen, der kaufe das Buch *g*)
  • Viele Vogelarten sind bereits in ihren Beständen zusammengebrochen, als Beispiel mal der Spatz – früher allgegenwärtig, steht er heute unter Naturschutz. Warum? Spatzen sind sehr standorttreu (Futtersuchradius ca 400m ganzjährig). Früher haben Horden generationenlang von Misthaufen, Kuhställen, auch dem weniger aufgeräumten Umgang mit Müll profitiert- das ist selten geworden. Folge: Spatzen sind selten geworden. Da ärgere ich mich doch gleich viel weniger, wenn unsere Spatzenhorde die Meisentasse ausräumt 😉

Die Meisentasse ist übrigens offenbar ein ganz guter Kompromiß zwischen dem, was ich will (nicht zentnerweise Futter ranschaffen wie bei beim Streufutterbuffet, Vögel beobachten können, möglichst viele Arten erreichen) und dem, was gut für die Vögel wäre (MEHR Futter, unterschiedliche Darreichung – auch als offenes Streufutterbrett oder als gestreute Gabe zB bei der neuen Benjeshecke, damit Zaunkönige und andere scheuere Gesellen auch profitieren)

Sehr wichtig ist aber, wie man sich auch entscheidet, eines: Konsequenz und Zuverlässigkeit! Das wurde an einem Beispiel sehr gut erklärt:
eine Blaumeise wiegt etwa 20g. Und von diesen 20g kann sie in einer frostigen Winternacht leicht mal 2g zur Aufrechterhaltung der Lebensfunktionen verbrauchen. ZEHN PROZENT! Und wenn sie dann zuverlässig weiß: jeden Morgen kann ich mich zuallererst mal an dieser Stelle da wieder sattfressen, und jeden Abend den Kropf für die Nacht füllen, dann ist das etwas, was (Stichwort ausgeräumte Landschaften) überlebenswichtig sein kann.
Dieses Beispiel erklärt aber auch gut, warum etwas anderes überhaupt keinen Sinn hat, nämlich: viele Leute (so auch ich bis vorletztes Jahr) beginnen erst bei frostigen Temperaturen und/ oder geschlossener Schneedecke zu füttern. So ein Vogel braucht aber Zeit, um eine neue Futterstelle überhaupt zu finden. Und gerade dann, wenn er sie am allernötigsten braucht, ist sie zwar da – aber unser Vogel weiß das nicht! Bis er sie gefunden (und sich hingetraut) hat, vergehen einige Tage – und das kann durchaus zu lange sein. Man sollte also unbedingt spätestens im September zuverlässig und kontinuierlich zu füttern beginnen, wenn man sich entscheidet, nur im Winter zu füttern.

Aber auch für die ganzjährige Fütterung sollte man zuverlässig sein – es wurde zB festgestellt, daß Meisen zwar ihre Jungen mit Insekten füttern, aber oft weit dafür fliegen müssen (Stichwort Insektenmangel) – „daheim“ angekommen, bekommen die Küken die Beute, dann fliegen die Alten zur Futterstelle und versorgen sich dort mit Fettfutter (gute, schnell verstoffwechselbare Reserve für weite Flüge), um sich dann zu neuen Beuteflügen für die Küken aufzumachen. Das zeigt, wie wichtig füttern auch im Sommer sein kann. Außerdem bekommen viele Jungvögel die Futterstelle gezeigt (das haben wir letztes Jahr auch beobachten können) und wissen dann im Winter schon, wo es sichere Nahrung gibt.

Tipp für ImkerInnen: Bienenlarven werden ausdrücklich als besonders gutes Futter gelobt – wer eine große Gefriertruhe hat, kann Brutwabenstücke einfrieren und im Winter füttern. Die Autoren halten die Vögel für dümmer als sie sind: man solle die Waben vorher entdeckeln *g* – unsere Vögel tun das selbst, einfach aufhängen, die Waben! Aber eben: entweder im Frühsommer, wenn die Bienen nicht dort rangehen, oder im Winter. Nicht im Sommer/ Herbst. Dann gehen Biens an die Nektarreste in den Waben, und damit kann man Krankheiten verbreiten. Ist im übrigen deshalb auch verboten!
Und wer Jäger im Freundeskreis hat, kann auch ein Fell aufhängen – es gibt ein Foto davon, wie eine ganze Schar Meisen Fett- und Fleischreste davon aberntet. Ich überlege allerdings, wie man es hinkriegt, sich dabei weder Ratten noch den Zorn von Nachbarn einzufangen 😉

Einen Kritikpunkt habe ich: Im Buch gehts eigentlich ziemlich ausschließlich um Vögel. Ich aber finde es – auch im Sinne der Vögel – wichtig, ein wenig weiter zu denken. Beispiekl: Meisenknödel werden im Buch als prima Basisfutter gelobt. Aber mit keinem Wort werden die Plastik-Einwegnetze kritisiert. Dabei ist das selbermachen wirklich einfach (es wird übrigens auch beschrieben), und Futter ist entweder in großen Säcken zu bekommen, oder man kann sich beim Fachhandel kleinere Portionen aus Großsäcken abfüllen lassen, statt Ein-oder Zweikilo-Plastiksäckchen zu kaufen. Ich mache es mit großen Teedosen (die Größe die im Teeladen in den Regalen stehen): eine für Erdnüsse, eine für Körnermischungen, und dann habe ich einen Papiersack mit kleinen Bio-Haferflocken. All das mische ich NICHT mit Palmöl (Umwelt!!!!), sondern mit Kokosfett, bio. Besser noch ist Rindertalg, aber da habe ich keine Bezugsquelle. Es gibt auch nur einen kleinen Abschnitt darüber, wie man den Garten vogelfreundlich gestalten kann – schade.

Meine persönlichen Konsequenzen aus dem Buch (gleich versehen mit noch nicht erwähnten Infos *’gg*):

  1. Ich werde besser auf Sommer- und Winterfutterkörnermischungen achten (einige Arten brauchen zur Jungenaufzucht dringend sehr kleine Saaten, die sie im Kropf vorverdauen können, bevor die Küken sie bekommen. Die sind in Winterfuttermischungen nicht enthalten)
  2. Ich werde mir eine Erdnußspendersäule als zweites „Standbein“ meiner Fütterung zulegen. Als Urlaubsvertretung (wegen der Zuverlässigkeit) – so eine Tasse langt oft nur für 2 Tage – und als Ergänzung.

Das ist jetzt nur eine Zusammenfassung dessen, was ich für interessant gehalten habe. Das Buch bietet mehr, und es hat einen großen Teil mit Artenportaits, die auch gut gemacht sind. Also, falls dies jetzt interessant war: Link zum Kosmos-Verlag


 

Gesagt-getan. Ostersamstag. Mal sehn, wie lang die Vögelchen brauchen, um sich wieder zur Futterstelle zu wagen.

Gesagt-getan. Ostersamstag gegen Abend. Mal sehn, wie lang die Vögelchen brauchen, um sich wieder zur Futterstelle zu wagen.

Nicht lange – Am Ostersonntag morgens war die erste Blaumeise zu sehen, dann gings schnell. Nur die Buchfinken habe ich noch nicht am Spender gesehen, die Tasse nutzen sie aber weiterhin.

Ostermontag gegen Abend

Ostermontag gegen Abend. Tasse leer, Spender zeigt oben schon einen leeren Rand.

Es waren schon vier Vögelken gleichzeitig am Spender zu sehen, nicht nur läppische zwei wie auf dem Foto *g*…. sie werden mir die Haare vom Kopf fressen, ich weiß es genau!!

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Fauna.

19 Kommentare zu “Gelernt (Vögel füttern)

  1. a sagt:

    Tja, dank Urlaub bin ich ja wieder mal recht spät dran 😉
    Aber für einen Dank ist es ja nie zu spät! Also: vielen Dank für die sehr interessanten Infos!
    Und auch wir werden uns bemühen das ganze Jahr hindurch zu füttern. Und vor allem wenn wieder Nachwuchs da ist 🙂
    Letztes Jahr hat übrigens der Herr aus unserem Hause den Talg besorgen wollen und gleich den ganzen Flomen mitgebracht, den wir dann stundenlang abgekocht haben – nie wieder!!!

    • Fjonka sagt:

      Uuuuuh! Das ist hardcore, olfaktorisch! *gg*

      • Fussel sagt:

        Nö. Wenn man’s frisch vom Fleischer bekommt und VOR dem Auslassen alle Fleischreste und Blutblasen sauber rausschneidet, stinkt das nicht. Ich drehe das Zeug immer noch mal durch den Wolf, dann geht das Auslassen erfreulich schnell. Ach ja: Das Fett sollte auch nicht zu heiß werden, sonst riecht es doch etwas und wird dunkel. Also immer mal abgießen und dann die Grieben weiter auslassen.
        Ich brauche den Rindertalg für Seife und da ich keine Lust habe, öfter solche Aktionen zu machen, verarbeite ich da schon mal 3-5 kg auf einmal und friere dann portionsweise ein.

  2. Fjonka sagt:

    So. Eure Kommentare haben mich in den Hintern getreten – da ich eh neue Tassen füllen musste, hab ich den einzigen Metzger aufgesucht, der in meinem „normalen Umfeld“ ohne größere Umwege zu finden ist. Und was? Gerade noch rechtzeitig – ich habe das letzte Kilo Rindertalg bekommen „dann erstv wieder im Winter“.
    Nachdem ich jetzt eben das erste Pfund verarbeitet habe, müssen die Vögel sich allerdings ÄUSSERST begeistert zeigen – das stinkt abscheulich!
    Naja, außerdem spricht ja auch noch die Regionalität fürs Talg. Werde mal in mich gehen……

    • Bibo59 sagt:

      Ich vergaß zu erwähnen: Talg stinkt. Weshalb die reichen Leute ihre Kerzen aus Wachs machten oder Öllampen verwendeten.

      • Fjonka sagt:

        Wenn ich mir vorstelle, damit die Bude zu erleuchten (und diesen Geruch dadrinhängen zu haben) – *grusel*
        so, so, so gern würde ich mal für wenige Tage 200 Jahre zurückrutschen können – man KANN sich ja garnicht vorstellen, wie das ausgesehen, sich angehört – und eben gerochen hat, damals!

  3. Jane Blond sagt:

    Na, dann mach ich das ja beinahe perfekt.
    Beruhigend zu wissen.

  4. Hallo Fjonka!

    Sollte man Rindertalg nicht bei jedem Fleischer bekommen? Ich denke das Fett ist Großteil Abfall und sollte ganz günstig zu kaufen sein.

    lg
    Maria

  5. wattundmeer sagt:

    Ich hole mir vorm Winter auch noch gebrochenen Mais aus dem Landhandel. Dann haben die Elstern, Tauben (ja!) und Fasane auch was zu futtern.

  6. Herrlich! Das hab ich mir abgespeichert, für wenn wir mal in den Ruhestand gehen. Falls das jemals der Fall sein wird.

    Ansonsten haben bei uns alle Vogis Winter und Sommerfütterung. Die Kunden bröseln im Außenbereich rum, und bei den täglichen Lieferungen fallen sooo viele verschieden Körnchen aus den Gitterkörben beim Verladen…

    Rindertalg oder Schweineschmalz kannst fast bei jedem Metzger bestellen. Ich hab’s immer so gemacht: Ästchen an Hanfschnur, Schnur durch Loch von Blumentopf. Fett mit Körnern einfüllen, erstarren lassen, aufhängen. Ist jetzt aber wirklich schon zu warm dafür.

    Danke für die Frühjahrseinstimmung 🙂

  7. realkiku sagt:

    Was ist denn mit Schweineschmalz? (statt Rindertalg?)

    • Bibo59 sagt:

      Zu teuer. Außerdem schon mal geschmolzen und oft gesalzen.
      Außerdem wird Schmalz aus der Speckschwarte geschmolzen, Talg ist das Fett, was um die Nieren rum liegt. Im Prinzip kannst Du aber jedes tierische Fett nehmen.

      • realkiku sagt:

        Ah, gut, danke. Hier gibt es so ein Schmalz wie ein Butterstück, das ist ohne Salz und auch nicht so teuer. In erster Linie für Grünkohl, vermutlich (Oldenburg eben). Das hatte ich noch im Kühlschrank liegen, aber dachte, es sei nicht geeignet für Vogelfutter.

  8. Bibo59 sagt:

    Nach Rindertalg könntest Du mal den Metzger/Schlachter Deines Vertrauens fragen. Da es ja kaum noch Unschlittkerzen gibt und die meisten Leute Nierenfett bähbäh finden, dürfte er Reste haben.
    Hier gibt es Spatzen, ich sehe aber keinen direkten Zusammenhang zum Plastikmüll, sondern eher zu Nachbars Tauben.
    Die Tassen wurden hier vorigen Winter erst spät, und dann nur von Meisen angenommen. Diesen Winter habe ich nur gelegentlich mal gestreut. Die Menge der Wintervögel ist ungefähr gleich geblieben. Ich gehe davon aus, dass sie sich hier lieber an den Feldhecken verpflegen.
    Ein Fell – Das kann aber mal streng riechen. Ich habe mal dezent Fischinnereien ausgelegt. Die waren innerhalb von drei Minuten weg. Unklar ist, ob der Fuchs oder die Krähen und Elstern sie geholt haben.

  9. PurpurBête sagt:

    Ich wollte eigentlich auch ganzjährig füttern – aaaaber …
    Erstens schmilzt auf dem Balkon das Fett schon bei diesen Temperaturen und tropft raus, krieg ich von den Platten nie wieder ab, weil es einsickert. Außerdem stehen im Sommer hier immer alle Balkontüren offen. Und so saß dann letztes Jahr das Rotkehlchen in der Küche auf dem Rand der Obstschüssel. Sooo nett find ich Freundin Robina dann doch nicht 😉
    Falls du mit Palmfett auf der Markennamen Palm*n anspielst: Das heißt nur so. Es ist Kokosfett. Allerdings nicht bio. Bio-Kokosfett für Vögel, da blutet mir ein bisschen das Herz, ich finde es sogar für mich selbst oft ein bisschen zu teuer.

    • Fjonka sagt:

      Och, wie knuffig – Robina im Obst *gg* – im GRunde musst Du dann ja nur Deine Fütterung umstellen – von Fettfutter auf Streufutter mit Obststückchen drin 😉
      Ich meinte keine bestimmte Marke, aber es gibt sehr viele „Blöcke“ Fett, die aus Palmöl bestehen. Soweit ich bisher nachgelesen habe, ist Kokosfett, was Pestizidbehandlungen, Düngung und Nachhaltigkeit angeht, nicht so schlimm (auch konventionell). Kommt aber natürlich auch von weit wech.
      Vielleicht finde ich ja noch eine Quelle für Rindertalg …
      Achso, zum Thema „bio“ – da hab ich mich bisher noch nicht drum gekümmert, habe auch keine wirkliche Idee fürs rankommen. Nur die kleinen Haferflocken sind bio.

      • PurpurBête sagt:

        Hast du mal bei der Schlachterei gefragt? Das wäre für alles „mit Tier“ meine erste Anlaufstelle. Vielleicht weiß er/sie zumindest Rat.

        • Fjonka sagt:

          Hier gibt es so wenige Schlachter, nur die unechten im Supermmarkt, oder man müsste extra hinfahren…. deshalb: nein, ich hab mich noch nicht drum gekümmert

Platz für Klönschnack ...

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