Tour d’Angeln

Sonntag

Der Herr F. und zwei andere Flüchtlings-AktivistInnen hatten gerufen (eingeladen), über 70 Menschen (!) waren gekommen!

Und zwar zu einer Radtour mit Treffen in einer aufgelassenen Wirtschaft, die noch als Dorf-Treffpunkt mietbar ist.

Erst traf man sich an der Badestelle des Söruper Sees. Pünktlich eine Viertelstunde vor dem Treff-Zeitpunkt begann es zu regnen – zum Glück waren die Satruper da alle schon losgefahren – die Söruper blieben zum Teil daheim,. man könnte ja aufweichen….. trotzdem: an der Badestelle waren über 70 irakische, syrische, armenische, deutsche, iranische, afghanische Männer, Frauen und Kinder versammelt. Es gab Fußballspiele, Fotos, erste Gespräche – alles unter Bäumen, denn sooooo naß wollte man ja nicht werden….

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sieht nicht so viel aus, ist es aber!! *g*

Dann los – in Kleingruppen, immer EineR in Warnweste vorweg und EineR ebenso auffällig hintendran die vielleicht 7 km bis zur Wirtschaft. Während der Fahrt lernte ich einen Syrer kennen, der richtig, richtig gut deutsch spricht – und mir erzählte: nein, er habe keinen Deutschkurs gehabt. Als er ankam, vor einem Jahr, gab es keinen . Und dann hatte er erst ein Praktikum, dann eine Teilzeit- und jetzt eine Vollzeitarbeit beim Friseur dort, da hat er keine Zeit. Er würde aber gern einen machen, denn sprechen geht, aber schreiben – schlecht! Ich war beeindruckt. Der Mann ist blutjung (ich schätze ihn auf Anfang, Mitte zwanzig), ist verheiratet und hat zwei Kinder – das jüngere heißt: Benjamin! Doch, den Namen gebe es in Syrien auch. Und Benjamin sei in Deutschland geboren, gut, wenn er keinen so fremden Namen habe.

Am Ziel wartete schon der Amtsbus (den kann man ausleihen für solche Aktionen, dolle Sache!) mit Denen, die nicht radeln (können) und den Leckereien, die JedeR gebeten worden war mitzubringen. Doll war das und viel und lecker, aber nachdem das Buffet eröffnet worden war, war es auch schnell geplündert…. Burma, Baklava, Nudelsalat, rote Grütze, Sabalan (?), Fladenbrote, Linsensalat, Kuchen und gaaaanz viel, dessen Name ich nicht kenne…

Bei der heißen Schlacht am klaten Buffet..... *gg*

Bei der heißen Schlacht am kalten Buffet….. *gg*

Irgendwann, ich schnackte grad mit Majid und Ayad, wurden plötzlich alle LotsInnen zusammengerufen – und wir mussten – SINGEN! Ein Angeliter Kinderlied mit „action“ („Das kennt Ihr doch Alle!“ – Ich nicht. Und der Herr F. ebensowenig…. aber what shall’s…. gucken und faken *gg*) und dann „Es klappert die Mühle“. Keine Ahnung, wer warum auf DIE Idee gekommen ist, aber wir wurden ordentlich beklatscht *gg* Dann schickte man eine junge Flüchtlingsfrau nach vorn, die setzte sich ans Klavier – und hat drei Stücke gespielt- wirklich toll! Für mich hörte sich‘ ein wenig an wie arabisch angehauchte Russendisko-Klassik …. und zum Schluß spielte noch ein Armenier. Normalerweise Akkordeon, sagte er, als ich im Amtsbus ihn und seine Frau zurückfuhr. Aber Klavier gehe auch „Nicht so gut“. DAFÜR fand ichs allerdings wirklich gut…

Beeindruckend war für mich, wie viele Leute dann Hand in Hand abgeräumt, abgewaschen und saubergemacht haben. Übrigens nicht nur Frauen, um den Vorurteilen zuvorzukommen!

Geradelt sind allerdings nicht viele nichtdeutsche Frauen – für einige ists schon wegen der bodenlangen Gewänder schwierig, Andere können es schlicht nicht – aber in der Gruppe, mit der ich fuhr, war eine junge Frau, die es frisch gelernt hatte und nun wacker mit dabei war.

Schade: kein einziger aus „unserer“ WG war mit dabei. Majid, den ich über sie kenne, hatte extra noch dort angerufen: Neeee, es regnet ja. Na, die sollen mir nochmal vorjammern, daß es ihnen langweilig ist…. 😉

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Sonst so.

4 Kommentare zu “Tour d’Angeln

  1. realkiku sagt:

    Toll! 🙂

  2. ladypark sagt:

    Klingt nach einer rundum gelungenen Aktion. Schade, dass das Wetter nicht so mitgespielt hat. Allerdings denke ich, dass auch Ur-Schleswig-Holsteiner bei Regen gerne kneifen, wenn eine Draußenaktivität ansteht, insofern, ganz normal.

  3. Danke fürs erzählen, es macht die Flüchtlinge so menschlich. Es sind ja Menschen und liebenswerte sicherlich auch – aber auch bestimmt andere. Menschen halt!

    • Fjonka sagt:

      Danke für diesen Kommentar!
      Weil: ich habe den Beitrag noch etwas überarbeitet (ein wenig gekürzt und klarer strukturiert) und dann an das hiesige Nachrichtenblättchen geschickt – in der Hoffnung auf genau diese Wirkung (deshalb habe ich auch nicht nur berichtet, was wir getan haben, sondern persönliche Eindrücke eingeflochten)
      Da ich aber kein Profi-Schreiberling bin, hatte ich nach dieser spontanen Aktion doch ein mulmiges Gefühl – und das ist jetzt fast weg 🙂
      Ich habe übrigens auch eine Frau aus dem Strick-Treffen wiedergetroffen, mich aber hauptsächlich mit ihrem Mann unterhalten. Und wurde auf einen Chai eingeladen (und weiß jetzt nicht, wie ernst ich so eine Einladung nehmen soll- er hat mir aber extra die genaue Adresse von dem kleinen Sohn, der schon fast akzentfrei übersetzt, sagen lassen….)

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