Brarup und ein wenig denken

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Abendliches Riesenrad

Sonntagabend waren wir mit Ab., A. und deren Freund D. wie geplant auf dem Brarupmarkt. Eigentlich sind der Herr F. und ich ja keine „Jahrmarkttypen“ – die letzten Jahre waren wir gar nicht dort, und wenn wir in den Jahren zuvor mal dort waren, dann waren wir in einer halben Stunde „durch“. Und vor Herr. F.-Zeiten bin ich 1x pro Jahr hingefahren, habe mich eine Runde in den Breakdancer gesetzt, gejohlt – und bin wieder heimgefahren *gg* Jetzt hatten wir den Iraki eigentlich auch bloß erzählen wollen, daß es sowas gibt und wann – und dann hieß es „wollen wir fahren? Zusammen?“ Ein Blick vom Herrn zu mir und zurück – okay, zusammen! 🙂

Und dann: VIER STUNDEN!!! Und noch nie war es so spaßig wie mit den drei Iraki!

Ich bekam Blümchen (die D. und Ab. geschossen hatten), wir haben Pferderennen gemacht (das, wo man die Pferde durch einlochen geschubbelter Bälle vorwärts bringt) und waren alle zusammen im Riesenrad. Ab. und D. haben den Lukas gehauen (und zwar mit recht wenig Erfolg) und bekamen von einem einheimischen Bär von Mann gezeigt, wie’s geht – Zitat: „Junge, da mußt Du erstmal 62 werden, dann wird das auch was!“ *gg* Ab. musste natürlich Autoscooter fahren (Mann, kann der Junge strahlen! Der ist ein richtiger Sunnyboy, wenn er will…) und D. war mit.
Eine Zeit lang haben wir auf Bierbänken gesessen, etwas getrunken (A. hat ’ne Runde geschmissen) und geschnackt, gebrannte Mandeln mussten sie natürlich auch kennenlernen und den Rest der Zeit haben wir – geguckt. Und, klar: wir waren im Breakdancer, meinem ewigen Liebling. Keiner der Iraki wollte mit, aber der Herr F. hat sich erbarmt – der Preis: Übelkeit und ein leichtes Schleudertrauma – wir sind halt keine 30 mehr – UND, entscheidend: die haben da ein paar Extra-Speed-Runden eingelegt, die gab’s früher nicht. Ohje!!! Es wird wohl das letzte Mal gewesen sein….

Heute, auf dem Weg von der Arbeit nach Hause, habe ich mich gefragt, wieso es denn mit drei Iraki so viel mehr Spaß macht, auf dem Jahrmarkt zu sein als sonst jemals.
Irgendwie ist es, glaube ich, ein ähnlicher Effekt wie wenn ich früher, zu Erzieher-Zeiten, mit den Wohnheim-BewohnerInnen Sachen unternommen habe, an denen ich sonst keinen Spaß hatte:

  • normalerweise umgebe ich mich ja doch mit Leuten, die etwa dieselben Interessen haben.
  • Und die erwarten dann auch von mir, weil sie mich lang kennen, daß ich mich auf die gewohnte Art benehme – zum Beispiel eben nicht zum Jahrmarkt gehe. Oder zumindest nicht mit allzuviel Spaß dran.

Mit anderen Leuten aber, die gar nicht wissen, wie ich sonst so ticke, ist das anders. Besonders, wenn es welche sind, denen ich ja nicht den Spaß verderben will, indem ich mitfahre und dann vor mich hin gähne – und schon sieht die Sache ganz anders aus, und ich ertappe mich dabei, wie ich richtig Spaß habe….. schade nur, daß die Zelte öd und leer lagen, auch noch um halb zehn, sonst hätten wir sicher noch das Tanzbein geschwungen. Zumindest jedenfalls Ab. und ich, denn der Junge hat Spaß dran  – und Rhythmus in den Füßen, das war zu sehen, als wir so ein wenig rechts und links gewippt haben im Vorbeigehen 😉

Insgesamt habe ich langsam das Gefühl, es einigermaßen gewuppt zu haben: immer noch mache ich mir ab und an zu viele Gedanken, immer noch habe ich latent ein schlechtes Gewissen, weil ich so selten dort bin – aber inzwischen habe ich keine schlaflosen Nächte mehr, und ich kann entspannt hinfahren und dort sein, WENN ich denn hinfahre. Mich freuen, wenn ich behilflich sein kann und einfach nur Mensch und nicht Helfer sein, wenn wir was unternehmen. Und immer wieder mit großen Augen bewundern, wie die das so hinkriegen – im fremden Land, mit wenigen Kontakten, ewiger Warterei, wenig Geld und in Zwangs-WG, dazu mit großen Sprachproblemen sowie den Freunden und Verwandten im Kriegsgebiet – und trotzdem oft gut drauf und vorwärtsschauend

Macht Spaß, das!

 

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11 Kommentare zu “Brarup und ein wenig denken

  1. Bibo59 sagt:

    Ich gebe zu, ich bin gerne etwas kindisch. Das letzte mal im Phantasialand war ich leider mit absoluten Spaßverderbern, die zu alt für so was waren. (Damals haben wir studiert. Aber als ich vor ein paar Jahren mit Aikidolehrer und seinen Kindern im Heidepark war, war es auch richtig lustig. Fahrgeschäfte wie Breakdancer und Loopings kann ich aber gar nicht. Ich bekomme jedes Mal Schleudertrauma. Dabei fällt mir ein, ich könnte die sixtinische Kapelle mal nutzen, um ins Kindermuseum zu gehen. https://www.michelangelo-derandereblick.de http://www.odysseum.de

  2. ladypark sagt:

    Mich erinnert das an meine Aktivitäten mit den Kindern. Ohne sie würde ich sicher niemals in die Tolkschau oder sonstige Vergnügungsparks gehen. Und ohne sie hätte ich unser Freibad niemals von innen gesehen. Und dann habe ich tatsächlich auch Spaß an Dingen, die ich ohne die Kinder niemals auch nur in Erwägung ziehen würde.

    Toll, dass du dich hast mitreißen lassen. In einer Bahn war ich zuletzt mit L.: Achterbahn mit Loopings. Nee, nix für eine alte Frau wie mich. Nie wieder, leider. Aber den Breakdancer finde ich auch klasse.

    Pferderennen habe ich früher immer mit Norbert in Flensburg gespielt, dann gab es das plötzlich nicht mehr. Da muss ich doch unbedingt mal nach Süder und eine Runde spielen (kommst du mit?).

    Und gleich fahre ich mit dem Liebsten mit der Bahn nach HH, da wollen wir gegen Abend dann mit den Kindern zurückfahren. Wieder etwas, das ich ohne die Kinder nicht machen würde, aber sie sollen ja Bahnfahren lernen. 😉

    Schönes Foto übrigens!

    • Fjonka sagt:

      Brarupmarkt ist ja dann jetzt schon wieder zuende, das mit dem Pferderennen müssen wir aufs nächste Jahr verschieben.
      Dort gabs übrigens heuer keine Achterbahn! (Für mich egal, da hat mich noch nie Jemand draufgekriegt…)

  3. satayspiess sagt:

    Ich freue mich für euch (und für die Iraki), dass ihr einen so schönen Abend dort hattet! 😀

  4. Jane Blond sagt:

    „Mit anderen Leuten aber, die gar nicht wissen, wie man sonst so tickt, ist das anders“
    Ist das so, und wenn, warum?
    Ich bin gerne unberechenbar 😉 Es gibt eigentlich nur einen Menschen, der mich wirklich „berechnen“ kann.
    Man sollte sich ein Beispiel an den Jungs nehmen. Das Nachvorschauen, ist und bleibt bewundernswert.

    • Fjonka sagt:

      Tja, bei mir ist das so.
      Warum – hin und wieder hab ich mich das gefragt, bin auf keine schlüssige Antwort gekommen, hab mit den Schultern gezuckt und nicht weiter nachgedacht.
      Aber ich mag’s auch nicht so gern unberechenbar. Vielleicht hängt’s ja schon damit zusammen?

      Ja, ich finds auch bemerkenswet – was ja auch noch dazukommt: die Ungewißheit. Sie warten ja noch immer auf den Bescheid vom BAMF. Okay, sie haben ganz gute Aussichten (zumindest Al. und S., die ja aus Bagdad kommen – Krisengebiet hoch fünf. Ab. kommt aus Basra ganz im Süden. Von dieser Stadt höre ich nie etwas in den Nachrichten, ich weiß nicht, ob sich die offenbar ruhigere Lage dortnegativ auf seine Aussichten auswirkt)

      • Jane Blond sagt:

        Weil es gerade passt und mir jetzt zufällt. Genau das, was ich heut bei mir schrieb, dachte ich zu diesem Eintrag. Ich hatte dich ebenso eingeschätzt. Warum auch immer. Sind „Kinder“ nicht „unberechenbar“? 😉 Vielleicht erklärt das meine „Unberechenbarkeit“? Die ja nichts Schlimmes ist, nur den einen oder anderen vielleicht bisweilen peinlich berührt, wenn er in seinem Erwachsenenmodus festhängt. You know?
        Mit meiner Unangepasstheit hab ich dann aber die Möglichkeit, die Anderen mitzureißen. Wer dann immer noch nicht will, hat halt schon 🙂 Ich weigere mich da weiterhin, auf den Spaß zu verzichten, weil andere ihn nicht verstehen können.

        • Fjonka sagt:

          Für mich ist Unberechenbarkeit negativ besetzt und das sehr tiefgehend. „Nicht verläßlich“, gehört zu den Assoziationen zu diesem Begriff, „egoistisch“ auch.
          Nun gut, alles das sind auch Kinder. Aber irgendwie anders (und nachdem ich jetzt schon 5 oder 6x geschrieben und gelöscht habe, ohne mich verständlich ausdrücken zu können, belasse ich es jetzt mal bei dieser vagen Aussage)
          Da merkt man wieder, wie die unterschiedlichen Besetzungen eines einzigen, einzelnen Begriffes sich auswirken, immer wieder spannend!

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