Schnell! Schwierig!!

Das ist das momentane Fazit der drei Iraker zum Thema Integrationskurs. Und tatsächlich, die Arbeitsblätter, die wir heute zu sehen bekamen, haben es in sich, wenn man bedenkt, daß die drei gerade mal einen Monat dabei sind. Zwei Beispiele:

Europa: Land? Nein: Kontinent.
steht da, und nun sollen sie einen Frage- und einen Antwortsatz daraus bilden.

Oder:
Wasili kommt aus Rußland. Er ___ (sein) neu in Deutschland. In die Lücke soll die korrekte Form des Wortes „sein“. Bei manchem haben alle drei nicht einmal verstanden, was überhaupt die Aufgabenstellung ist. Die Lehrerin sagt, sie kann nix dran ändern- so ist der Lehrplan nunmal, und da hat sie recht – es ist allgemein Thema, daß der Integrationskurs-Plan extrem schnell und straff ist. Nachhilfe ist dringend nötig, aber leider hat sich von der Flüchtlingshilfe aus bisher nichts getan.

S. und A. wollten sich ja eigentlich einen Minijob vormittags suchen, und heute waren sie hier, um mit mir eine Bewerbung zu formulieren (nix da, hingehn und fragen – alle Märkte wollen eine offizielle Bewerbung 😦 ) Haben wir auch gemacht, aber nachdem danach klar wurde, daß auch diese beiden inzwischen Probleme mit dem hinterherkommen im Kurs haben, habe ich ihnen zu bedenken gegeben, ob es nicht sinnvoller wäre, wenn sie, statt zu arbeiten, sich mehr Zeit zum lernen nähmen, ggfls ebenfalls mit Nachhilfe. ICH meine, das wäre sehr sinnvoll. Sie wollen sich das in den Herbstferien nochmal durch den Kopf gehen lassen, denn während der Ferien sind sie nicht hier und deshalb hat’s keinen Sinn, da vorher noch was auf die Füße zu stellen.

Schwierig.

Was ich ü-ber-haupt nicht kapiere ist, daß sowohl A. als auch S. nun einen Einladung nach Kiel zur Anhörung bekommen haben. Nachdem sie dort vorstellig geworden waren, weil „ein Freund“ damit angeblich Erfolg gehabt hatte, was ich für absolut unnötig gehalten hatte, weil sie

  1. in Neumünster beim BAMF gewesen waren und
  2. ich bisher überall und immer zu hören bekommen hatte, daß man die Vorgänge eh nicht beeinflussen/ beschleunigen könne

Wir hatten uns daraufhin auch noch extra beim Amt informiert (und das Amt extra bei der Ausländerbehörde), weil sie ja gesagt hatten, daß der Termin im März nur eine schnelle Daten-Aufnahme war und keine richtige Anhörung, und hatten die Info bekommen, alle drei hätten ihre Anhörung gehabt und müssten jetzt nur noch auf den Bescheid über’s Asyl warten. ICH VERSTEHE DAS NICHT!!!

Im Moment ist wieder alles nur Chaos und Wirrwarr, wenn nicht sogar Desinformation. Ich mag mir garnicht vorstellen, wie das weitergeht. Und ich komme mir reichlich bescheuert vor, wenn ich ihnen die Info vom Amt weitergebe – und dann kommt dieser Wisch, anderthalb Wochen später 😦

Advertisements
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Sonst so.

8 Kommentare zu “Schnell! Schwierig!!

  1. Eva sagt:

    Das sind allerdings zwei wirklich schwierige Probleme, mit denen du dich auseinandersetzten musst.
    Zum einen die Geflüchteten, die lieber arbeiten würden als die Sprache zu lernen. Das das eine mit dem anderen zusammenhängt und sogar Voraussetzung ist, kann man nicht so einfach erklären. Zum anderen, wer will gerne den ganzen Tag lernen und sonst nichts machen?

    Dann die Schwierigkeit mit dem Amt, mit den Aemtern und deren nicht vorhandene Kommunikation. Das ist sehr mühsam. Vor allem keine Person fühlt sich wirklich zuständig, man immer wieder verwiesen wird an andere Stellen und man dazu noch lange auf eine Antwort warten muss.

    Ich bewundere dich, dass du da nicht komplett durchdrehst und weitermachst so gut es geht. Ich wäre sehr überfordert und würde irgendwen anschreien und durchdrehen 🙂

    • Fjonka sagt:

      „Das das eine mit dem anderen zusammenhängt und sogar Voraussetzung ist, kann man nicht so einfach erklären.“ Sie sehen durchaus die Notwendigkeit zum deutschlernen (das ist nicht bei allen so, leider), aber es ist auch schwer auszuhalten, daß man so lange so wenig Geld zur Verfügung hat und man immer weiß: Andere müssen für mich bezahlen, diese Männer wollen nicht den Deutschen auf der Tasche liegen, sie wollen für sich selbst sorgen! Was ja eigentlich super ist.
      Ich bin nicht so der Durchdreh-Typ, eher der Schlechtschläfer 😉 aber ich persönlich kann auch mit Ämter-Ärger besser umgehen als mit persönlichem Ärger (Konflikte innerhalb der Flüchtlings-WG zum Beispiel – sowas macht mir viel mehr zu schaffen).
      Allerdings finde ich den Umgang des BAMF mit Flüchtlingen und Helfern einfach unerhört!
      Zum Glück beweisen unsere Männer Eigeninitiative und haben damit allerhand erreicht, wo unsereins gewöhnt ist, sich an die vorgegebenen Wege zu halten, weil anderes eh nix nützt. Momentan scheint sich im deutschen Behördendschungel da etwas zu ändern, ob ich’s gut finden soll, weiß ich nicht. Ungerecht ists allemal, so oder so.

  2. ladypark sagt:

    Hatte gerade ein Gespräch mit der Nachbarin, die auch als Lotsin arbeitet. Ihre Schützlinge sind auch bei der DAA und stehen vor genau den gleichen Problemen. „Ich gehe in DIE Schule“ aber „Ich stehe vor DER Schule“. Das ist aber auch schwierig.

    • Fjonka sagt:

      Die Iraker sind bei der VHS – aber der Lehrplan ist ja gleich. Helfen Eure Nachbarn dann beim lernen, oder wie regeln die das?

      • ladypark sagt:

        Ach ja, VhS. Ich wusste nur noch, dass wir über DAA und VhS gesprochen hatten.
        Die Nachbarn helfen ab und zu, aber nicht im Sinne einer kontinuierlichen Nachhilfe. Mehr nach dem Motto: Wir unterhalten uns und ich korrigiere. Ab und zu gehen sie mal die Hausaufgaben durch und beantworten Fragen.

  3. ladypark sagt:

    Da verstehe ich dich gut. Und wie soll erst ein Asylsuchender mit rudimentären Sprachkenntnissen all das verstehen. Umso wichtiger, dass ihr versucht, Licht ins Dunkel zu bringen so gut es eben geht.

    • Fjonka sagt:

      „So gut es eben geht“ – das scheint aber nicht nur uns so zu gehen, das hiesige Amt ist hilfreich (soweit ihre Kompetenzen halt reichen), nach wie vor, aber alles „darüber“ ist einfach furchtbar. Beim BAMF zB gibt es keine Möglichkeit der Kontaktaufnahme! Niemand geht ans Telefon, Mails werden nicht beantwortet, Termine bekommt man nicht. Kommunizierter Grund: wenn die dauernd Anfragen beantworten müssten, würde Alles ja noch länger dauern. ABER: es passiert, daß Leute schlicht vergessen werden. Oder daß man vorschriftsgemäß Jemanden, der umgezogen ist, ummeldet, der Asylbescheid aber MONATE später per Einschreiben an die alte Adresse geht, dann natürlich als unzustellbar zurückgeschickt wird und Wochen vergehen, bis die Ausländerbehörde das klärt. Sowas.
      Es ist einfach unglaublich, manchmal schon kafkaesk, was man da mitkriegt.

Platz für Klönschnack ...

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s