Couchsurfing im Iran

Ich bin ja nicht so die Buch-Rezensentin (heißt das so????) , aber dieses Buch rezensiert sich ein wenig selbst, insofern kann ichs Euch ohne allzu große Mühe ans Herz legen:

Stephan Ort war 2014 couchsurfend im Iran unterwegs. Warum ich das, was er darüber (sehr anschaulich übrigens) schreibt, lesenwert finde, zeigt dieses Zitat:

In den Wochen seit meiner Landung ist einiges passiert im Iran. Europäische Medien brachten wie üblich vor allem Nachrichten, die mit Atomstreit, Todesstrafe oder Frauenrechten zu tun haben. Sie alle haben ihre Berechtigung, es ist wichtig, darüber zu schreiben. Und doch gibt es noch so viel mehr, das einen Bericht wert ist. Wer die Welt über die „Tagesschau“ kennenlernt, verschubladet sein Unterbewußtsein mit Extremen: Afrikaner hungern, Afghanen verüben Selbstmordattentate, Chinesen plagiieren und Iraner mit Bärten tüfteln an Atombomben. Der Alltag kommt nicht vor. Und wenn er doch vorkommt, in Auslandsreportagen, findet häufig eine andere Form von Verklärung statt: weg vom modernen und hin zum traditionellen und altmodischen, weil das ästhetischer und exotischer ist als die Bilder, die genausogut aus jeder europäischen oder US-amerikanischen Großstadt kommen könnten. Leser und Zuschauer vergessen leicht, daß die Realität in jedem Land 10.000 Mal vielfältiger ist, als sie gezeigt wird

Natürlich lernt Stephan Ort durch seine Art des reisens vor allem gebildetere und nicht so religiös-konservative, jüngere Leute kennen, auch das wird im Buch kurz thematisiert, zumal couchsurfen im Iran nicht erlaubt ist. Aber prinzipiell hatte ich vor der zitierten Stelle schon ab und an Gedanken, die zeigen, daß auch ich verschubladet bin – ein sehr hübsches Wort im übrigen  😉 Und das macht das Buch spannend: zu lesen, wie es dort auch ist. Selbstverständlich hätte ich lieber ein Buch namens „Couchsurfing im Irak“ gelesen. Aber aufgrund der Umstände dort wird es sicher lange dauern, bis so ein Buch rauskommt. Obwohl ein Reisender erwähnt wird, der einfach losfährt, egal wohin, und auch in Krisengebiete – nach dem Motto: besser ein kurzes, spannendes Leben… auch eine Einstellung. Ich kann eher nachvollziehen, warum man nicht dorthin sondern von dort weg geht.

 

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Lesen!.

Ein Kommentar zu “Couchsurfing im Iran

  1. Bibo59 sagt:

    Und ich finde es schön, dass Du einen Ring daraus gemacht hast, der mit der Pizza reist. 😉 Bislang bewegt er sich flott voran.

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