Erfolg

Heute habe ich nicht nur Einiges an Holz weggespalten, ich habe es auch hingekriegt, ein aufkommendes Katastrophendenken nach einiger Zeit in den Griff zu bekommen

Kennt Ihr Katastrophendenken?
Beispiel: Der Kopf piekt. Nach einer Viertelstunde hast Du Migräne, nach einer halben einen Tumor samt dazugehöriger Panik. Also, ich neige in anderen Lebensfeldern zum Katastrophendenken, nicht bei gesundheitlichen Themen. Aber es dürfte klar sein, was ich meine. Und ich habe also hingekriegt, daß ich jetzt, mehrere Stunden später, nicht mehr an diesem Gedanken herumlaboriere, sondern wieder entspannt mein Buch lesen kann. SEHR fein!
A propos fein: das Buch ist auch extrem fein. Ich hatte einen Bericht darüber gelesen, es mir daraufhin secondhand bestellt, und es scheint zu halten, was es verspricht: Geschichte spannend, lebensnah und gut geschrieben mir nahezubringen.

Es handelt von einer alten Amsterdamer Familie, die seit Rembrandts Zeiten von Geert Mak begleitet wird, einer gut betuchten Bürgerfamilie. Der Stammvater (naja, die Familie ist älter, nachgewiesen seit dem 11. Jhdt in der Normandie. Aber dies Buch handelt halt hauptsächlich von der Geschichte „seit Amsterdam“) hat als Tuch- und Farbenhändler die Dynastie gegründet, und nun rollt bereits der 12. Jan Six (so heißt seither der älteste Sohn) im Haus im Buggy herum. Und der 11. ist befreundet mit dem Buch-Autor und hat diesen gefragt, ob er nicht mal die Archive sichten und eine Familiengeschichte schreiben wolle. Die liegt jetzt vor, geschrieben von Geeert Mak, der offenbar Bestseller-Autor ist (und von dem ich noch nichts gehört hatte), und der wirklich wunderbar schreiben kann. Zum Glück scheinen auch die Übersetzer ihr Handwerk zu verstehen, und so lese ich gerade voller Begeisterung von Brauthandschuhen, die man auf einem Rembrandt-Gemälde ansehen kann – die aber Jan Six, der 11. auch mal eben aus einer Schublade zieht. Von dem Leben in einem Haus, in dem man sich mit Servietten den Mund wischt, die auch die Urgroßeltern schon am Mund hatten, von brennenden Weihnachtsbäumen und Frauen, die für ihren Glauben auf dem Scheiterhaufen brannten – und ich bin erst beim 2. Kapitel….


Ich bin nach einigen Wochen im späten 18. Jahrhundert angekommen *g* – das Buch hatte Längen: der allererste Jan und seine Lebensumstände wurden mir irgendwann zu ausführlich beschrieben. Also habe ich eine Pause eingelegt, aber jetzt ist es wieder hochinteressant.

Nun bin ich durch. Es ist seltsam, plötzlich über Sixe zu lesen, die im 2. Weltkrieg kooperieren oder Widerstand leisten, über Investmentgesellschaften, über eine 1989 gestorbene Tante, die doch „gerade eben“ vor einigen Seiten noch, so völlig altertümlich gelebt hatte. Spannend auch der Epilog, der aus Sicht des Autors das Buch noch einmal in einen Gesamtzusammenhang setzt- ich als geschichtlich recht unbeleckte Dame hätte dies auch gut als Vorwort brauchen können 😉

(Geert Mak: Die vielen Leben des Jan Six)

 

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Lesen!.

9 Kommentare zu “Erfolg

  1. Maenade sagt:

    Sag mal, ist einer der späteren vielleicht Archäologe? Dann sollte ich das Buch auch mal lesen. Mal abgesehen davon klingt es auch so gut!

    • Fjonka sagt:

      Bisher gibt es noch keinen Archäologen, und ich bin im späten 18. Jahrhundert angekommen *g* – das Buch hatte Längen: der allererste Jan und seine Lebensumstände wurden mir irgendwann zu ausführlich beschrieben. Also habe ich eine Pause eingelegt, aber jetzt ist es wieder hochinteressant.
      Ich kann es übrigens gern vercrossen, wenn ich durch bin 🙂
      Interesse?

  2. Sophia Reißaus sagt:

    Oh ja, ich kenne „Katastrophendenken“ sehr gut. Leider stehen mir nicht so tolle Möglichkeiten wie Holz hacken zur Verfügung.
    Stattdessen funktioniert aber auch Hausarbeit, Schwimmen oder ans-Meer-gehen-und-aufs-Wasser-gucken ganz gut bei mir. 🙂

  3. Rabin sagt:

    An dieser Stelle möchte ich um den Titel des Buches bitten, es klingt zu verlockend. 🙂 Überhaupt sind historische Bücher sehr spannend. Mir sind vor kurzem einige alte Bände Shakespeare und Dichter aus der Romantik in die Hände gefallen, letztere mit einigen Beiträgen über/von Wilhelm Grimm.

    LG, Rabin

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