Will wer was…

…für die Bienen tun? Klar! In allen Zeitungen werden sie derzeit gehypt, modern sind sie! Jeder mag Bienen, fragt man in die Gegend, wenn nicht „persönlich“, dann doch als Prinzip, sozusagen 😉 Prima, eigentlich!

Dann gucke ich in die Vorgärten und sehe: Kiesaufschüttungen. Pflastersteine. Möblierung. „Pflegeleichtes“ Gestrüpp ohne Blüten.

Dann lausche ich ins Dorf und höre: Kettensägen.
Gekappte Großbäume überall, gekappte Linden, Buchen, Birken gar! Baumtod auf Raten, weil diese Baumarten das nicht abkönnen.

Dann schnuppere ich und rieche: nichts. Sofern nicht grad Gülle gefahren wird. Weil da kein Heu trocknet, keine Blüten in die Nacht duften.

Dabei wäre es so leicht! Pflegeleicht sogar – einfach alles ein wenig in Ruhe lassen. Wachsen lassen. Nicht mehr wöchentlich den Rasen mähen, sondern zweimal im Jahr. Da wachsen dann an manchen Orten auch Brennesseln. Oder Disteln. Aber genau über die freuen sich die Bienen (Schmetterlinge/ Vögel/ Käfer/ ……….) Und die zweimal sind natürlich etwas aufwändiger, ersparen aber unzählige andere Male! Ich zB mache es so, daß ich die Plätze mähe, an denen ich sitzen oder liegen möchte und deren Zuwegungen. Der Rest ist in meinem Garten hohes Gras (weil: dunkel, unter den großen, ungekappten Buchen)
Auch die Staudenbeete kann man ruhig in Ruhe lassen, gucken: welche Pflanze mag diesen Ort – die wächst. Die anderen, die man dauernd schützen oder nachpflanzen müsste – gehen lassen. Die, die bleiben, sind allermeistens prima für die Insekten, weil es robuste, unkomplizierte Sorten sind, die oft ungefüllte und nektarbietende Blüten haben.
Belohnt wird der faule Gärtner durch große Blütenfelder – ich mache das seit Jahren so (seit wir die Bienen haben fällt deutlich weniger Zeit zum zupfen und rupfen ab). In meinen Staudenbeeten ist das wichtigste und arbeitsintensivste, einmal im Jahr von den Rändern her den Giersch dran zu hindern, hineinzuwachsen. Ansonsten merke ich, wenn mir etwas so nicht mehr taugt und mache dann erst was. Im letzten Jahr habe ich zB ein riesiges Asternfeld ausgegraben, weil die Astern an dieser Stelle eh selten zur Blüte kamen, aber alles andere verdrängten. Nun werde ich sehen, wer sich den Platz erobert, der dadurch frei geworden ist. Da überall Saat ist und Zwiebeln eh, siehts bereits jetzt nicht mehr leer aus. Und immer, wenn ich so rumlaufe, zupfe ich hier, da und dort Grasbüschelchen aus. Achja, und an einigen Stellen muß ich dicke Laubschichten entfernen. Die dünnen auf den größten Flächen dürfen bleiben. Das wars.
Dann noch drauf achten, daß irgendwo ein Reisighaufen rumliegt (und liegenbleibt, mit Nachschub immer mal) , und sollte man einen Baum oder Strauch pflanzen, sich vorher informieren: wer paßt und ist möglichst noch insektenfuttertauglich. Schon hat man zwar keinen Gottweißwie anspruchsvollen Naturgarten mit X unterschiedlichen Biotopen für jedes einzelne Insekt – aber doch einen Garten, der vielen Insekten und Vögeln und Pflanzen und Kleinsäugetieren Heimat bietet.

Das ist dann gar nicht so viel arbeitsintensiver als ein Kiesschüttgutvorgarten mit Gabiolen oÄ: wenn der nicht nach ein bis zwei Jahren nur noch verwahrlost aussehen soll, muß man Laub einsammeln, Unkraut zupfen, was gegen Grünalgen tun (will heißen: Dampfreiniger oder Giftspritze) Als Minimum. Wenn das viele Menschen merken und es wagen würden, ihren Garten unordentlich sein zu lassen, dann gäbe es ein wenig Hoffnung für die derzeit massiv einbrechende Insekten- und Vogelpopulation auf unseren Dörfern. Und auch die Bienen müssten wir Imker nicht, wie in den letzten Jahren immer öfter, zwischen Raps und Linde mit Zuckerwasserfütterungen am Leben halten, weil sie mangels Blütenangebot sonst verhungern würden. Und das wiederum müsste doch Ansporn sein für all Die, die wenn nicht die gehypten Bienen, dann doch Igel, Fledermäuse oder zumindest niedliche Eichhörnchen und buntschillernde Schmetterlinge wieder öfter hüpfen und flattern sehen wollen!?
Und stellt Euch vor, dann würde auch noch die Landwirtschaft umgestellt oder zumindest würden endlich die Subventionen auf andere Füße gestellt (nicht nach Fläche, sondern nach Qualität zB)

Hoffen und harren hält manchen zum Narren, ich weiß. Aber träumen muß erlaubt sein, wenn ich demnächst, wenn der Frühling richtig kommt, wieder meinen Bienen zuschaue, hier und da ein Vogelnest entdecke, vielleicht ja sogar mal wieder einen Molch oder einen Kolibrischwärmer sehe und abends die Fledermäuse ums erleuchtete Wohnzimmerfenster flitzen……. ich jedenfalls versuche, meinen Garten so zu gestalten, daß möglichst viel davon noch möglichst lange zu sehen sein wird.

 

 

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Fauna, Flora.

19 Kommentare zu “Will wer was…

  1. teff42 sagt:

    Manchmal denke ich, ich wohne hier im Paradies…
    Vögel verschiedenster Arten vom Dohmpfaff bis zum roten Milan bevölkern den Himmel und/oder Futterhaus.
    Auf Nachbars Teich wohnen grad Nilgänse, ich sehe wieder öfter rote Eichhörnchen und weniger die schwarzen. Bei Sonne brummselt es allerwärts und wir haben eigentlich immer Fledermäuse, auch wenn ich dieses Jahr noch keine sah.
    Und was mich besonders freut, die Obstbäume knospeln wie verrückt… Hier liegt mein Augenmerk natürlich auf denen, die ich frisiert habe. Heute den roten Jonathan. Samstag folgt noch der Prinz Albrecht. Danach ist Schneidepause bis zum Herbst
    .

    Was mache eigentlich unsere letztjährigen Patienten?

    • Bibo59 sagt:

      Die roten und die schwarzen Eichhörnchen sind eigentlich Farbvarianten einer Art scirus vulgaris. So wie es hell- und dunkelhäutige Menschen gibt. Es gibt sogar eine graue Farbvariante, habe ich allerdings erst eimal in einer extremen Inselpopulation mitten in Köln gesehen. Die schwarzen und die grauen sind also nicht schlechter als die roten. Ich habe hier ein schwarz-rotes Pärchen eben Ahörnchen und Bhörnchen.
      Also nicht zu verwechseln mit den eingeschleppten Amerikanischen Grauhörnchen scirus Carolinensis.
      Seitdem diese Viecher durch die Medien geistern, glauben viele Menschen, wenn sie ein schwarzes oder graues Eichhörnchen sehen, sie hätten es mit dem bösen Eindringling zu tun. Ehrlich gesagt, habe ich noch nie ein wild lebendes Grauhörnchen gesehen. An ihren Ohrpuscheln sollst Du sie erkennen.
      Ob die rote oder die schwarze Farbvariante dominiert hängt allein davon ab, in welcher Umgebung die Tarnung besser ist. Vielleicht hat jemand Fichten gefällt und Eichen gepflanzt.

    • Fjonka sagt:

      Die Mirabellen knospen, die Kirschen noch nicht. Aber hier ist alles nochnichtso weit, daß man richtig was sagen könnte.
      Was Euer Paradies angeht: gibt es denn bei Euch noch nennenswert Insekten an der Frontscheibe beim autofahren? Daran merkt man es derzeit am anschaulichsten, es ist ja zum Glück (noch) nicht so, daß garnichts mehr summt und zwitschert. Und kommt Euch da vielleicht sogar die vielbeäugte „Ökokommune“ zugute?? *gg* Abgesehen natürlich von den eigenen Obstbäumen und Co

  2. naliestewieder sagt:

    Ich breche mal mein Internetfasten und frage ein paar Fragen; weil ich ja nun nicht so vorbildlich bin. Also: Mein Rasen ist ein Moosen. Vertikutieren? Neu ansäen, und dann was?
    Das war nur mal so vorab. Was mich wirklich interessiert ist folgendes:
    Wir wohnen im Thüringer Schiefergebirge. Früher, nach dem Krieg, lebten hier ca. dreimal soviele Menschen plus dazugehörigem produktiven Gewerbe. Die vorhandenen Flächen wurden genutzt für Ziegenweide, kleine Garten- und Ackerflächen. Heute beginnt der Wald sich bis an die Grundstücke auszubreiten. Man sieht das deutlich im Vergleich von alten Fotos und heute. Wir wohnen also mitten in der Natur. Da müsste doch für Insekten u.a. Getier genug Lebensraum vorhanden sein. Ich denke aber, auch hier haben die Insekten abgenommen. Warum? In anderen ländlichen Räumen hat durch die Landflucht etc. die intensive Bewirtschaftung auch abgenommen. Die Lebenräume müssten sich doch regenrieren? Vorgärten, Randbepflanzungen dürften doch nur einen kleinen Anteil der Biotope bilden?
    Übrigens ist unser Garten auch unordentlicher, weil ich leider nur noch mehr oder weniger alleine verantwortlich bin. Und so hat sich letztes Jahr Mädesüß am Bach ausgebreitet. Ich freue mich dieses Jahr schon auf die tollen Blüten und den Tee, den ich mir trocknen werde.

    • Fjonka sagt:

      Rasen: mich persönlich stört das Moos nicht (wo ich mähe, habe ich nämlich, den Buchen sei Dank, auch mehr Moos als Gras) Moos speichert viel Wasser, ist immer schön grün und schön weich. Deshalb gilt für mich auch da: warum sich viel Arbeit machen, um anzusiedeln, was dort nicht wachsen mag (Gras nämlich)
      Was die Insekten angeht, ist es erschreckend, wenn selbst in nicht industriell bewirtschafteten Gegenden so stark die Auswirkungen zu spüren sind:-(
      Aber in einschlägigen Untersuchungen wird das auch so berichtet. Ursachen könnte in Deinem speziellen Fall aber uA auch sein, daß in Wäldern ja eh nicht so viele auffällige Fluginsekten unterwegs sind wie zB in offener Wiese (mit Blumen) Da gibt es dafür dann mehr Bodenbewohner oder Totholzliebhaber. Und die sieht man halt nicht so.
      Ist aber bloß eine unfachfrauliche Überlegung.

    • Fjonka sagt:

      Achja, und das mit dem Mädesüß stützt ja aufs erfreulichste meine These vom wachsenlassen, wie schön!
      Der Herr F. merkt noch an: Glyphosat zB wird inzwischen flächendeckend im Grundwasser nachgewiesen und sogar in der Arktis! Die Regenerationsfähigkeit der Natur scheint an ihre Grenzen zu stoßen

    • Bibo59 sagt:

      Ich habe zur Zeit auch Moosen. Tolles Wort! Zunächst mal: Moos ist eine Pionierpflanze, die oft dort wächst, wo kein Gras wächst. Moos speichert viel Wasser und gibt es langsam wieder ab.
      Über Winter stirbt Gras zu großen Teilen ab. dann dominiert das Moos. Im Sommer geht das Moos wieder zurück und andere Pflanzen werden mehr.
      Ich habe an so einer Stelle, wo kein Gras wächst, die Zwiebeln verschiedener Frühblüher gepflanzt. Frühblüher an Moos sieht gut aus.

    • Bibo59 sagt:

      Zu zwei: Insektenrückgang. Die unterschiedlich genutzten Flächen bildeten verschiedene Kleinstbiotope Zum Beispiel Trockenrasen (Ziegenweide), Garten, Acker, Hecke, die sehr unterschiedlichen Insekten eine Heimat boten. Im Wald gibt es nur Insekten, die auch an Wald angepasst sind.

  3. wattundmeer sagt:

    Fallobst darf man auch gern mal liegenlassen. Das freut die Bienen, Schetterlinge, Igel, Amseln und wohl auch die ein oder andere Maus. Was soll’s.

  4. Bibo59 sagt:

    Hat dies auf Bibos kleine Fluchten rebloggt und kommentierte:
    Mein Garten ist ja auch eher von der Unordentlichen Art. Und auch hier ist es so: Wenn ich irgend etwas wegschneide, wächst etwas anderes in die Lücke. Manchmal gibt es Findelpflanzen, die werden dann eingepflanzt. Gut, wenn sie anwachsen, wenn nicht, haben sie eben Pech gehabt. Auf diese Art ist zum Beispiel meine Frühblüherwiese entstanden. Die Natur dankt es mir mit verschiedenen Tieren, die sich in meinem Garten wohl fühlen. Vögel, Insekten, Eichhörnchen, Marder, Fuchs… aus der Traum vom Huhn.

  5. ladypark sagt:

    Danke für deine Gedanken, sie sind mir immer wieder eine Inspiration. Habe demnächst Urlaub und will mal wieder was im Garten machen, dabei werde ich deine Tipps beherzigen.

  6. bienensommer sagt:

    Klasse Fjonka!
    Du machst das super und Du schreibst auch so! Bei uns sind gerade die Zäune mit durchwebtem Plastikband modern. Neben dem Umweltaspekt frage ich mich, was das mit den Leuten macht, wenn sie aus ihrem Fenster dauernd auf eine graue Plastikwand schauen. Da kann doch nichts Gutes dabei herauskommen?!
    Kürzlich machte eine Beet-Schwester (https://beetschwestern.net/) auf einen interessanten Artikel zum Thema aufmerksam – wer sich gruseln möchte, schaue sich die Bilder an: http://neuelandschaft.de/artikel/sag-mir-wo-die-blumen-sind-6411.html.
    Herzlichen Dank und liebe Grüße
    Gerburgis

    • Fjonka sagt:

      Dies von einer Journalistin zu lesen freut mich natürlich besonders (Du bist doch eine, oder täusche ich mich da grade?)
      Freunde von uns lieben den Sommer auf dem Campingplatz. Wenn ich da zu Besuch bin, stellt sich mir auch jedesmal die Plastikfrage. Ich fühle mich allein deshalb immer sehr unwohl dort.

Platz für Klönschnack ...

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