So war das

Geschätzt 350-400 DemonstrantInnen (Fotos: das wirkt wenig, weil die Fläche sehr groß war, auf die sich das verteilte – eine laaaange Auffahrt zur Mühle und ein breiter Platz davor, außerdem noch längs der Straße. Unheimlich die vielen PolizistInnen, alle martialisch in schwarz mit Schußwesten und Helmen. Dabei war nix (agressives) los, nur Trillerpfeifen und Sprechchöre. Für mein Empfinden war es gut, daß so viele DemonstrantInnen da waren. Ich glaube nicht wirklich daran, daß sich die AfD „schon von selbst erledigt“ (Zitat Nachbar), denn sie ziehen ihr Potential aus der Angst vor Veränderung. Und ich denke, daß sich Vieles in den nächsten Jahren verändern wird, nicht nur zum Guten. Doch hilft das abschotten gegen alles Neue Niemandem weiter, das schüren der Ängste nicht und einfache Lösungen wird es, ganz gegen deren Propaganda, wirksam nicht geben. Deshalb denke ich, daß es nötig ist, etwas zu tun, damit sie nicht tatsächlich zur Volkspartei mutieren können.
Allerdings hätte ich lieber FÜR als GEGEN demonstriert (oder zumindest für UND gegen, aber dies war halt ausschließlich eine GEGENdemo, das wussten wir ja auch vorher) und lieber gegen Pegida als gegen die AfD – aber auch Denen (und denjenigen, die sich dort nicht öffentlich zeigen, aber sympathisieren) möchte ich zeigen, daß sie halt NICHT „das Volk“ repräsentieren, wie sie es immer für sich reklamieren. Das ist auch ein Grund, aus dem ich es für richtig halte, dorthin zu gehen – weil diese Leute dazu neigen, sich umso stärker zu fühlen, je weniger der Wind ihnen ins Gesicht bläst. Und zu proklamieren, daß Alle ihrer Meinung sind, wenn nicht deutlich ist, daß das nicht stimmt. Und weil unsere Politiker viel zu sehr auf die Schreihälse hören – also müssen wir, die wir anderer Meinung sind, auch Laut geben und in der Öffentlichkeit sichtbar sein. Ich weiß ja auch von mir selbst, daß ich erleichtert bin, wenn ich von GegendemonstrantInnen lese oder höre und mitkriege, daß deren Zahl höher war als die der Rechten, die sich versammelten.
Auch in Westerholz war das so: ich schätze etwa 50 BesucherInnen der Veranstaltung. Größtenteils die Sorte „braune Feincordhose und weißes Hemd“ (Mann, die Mehrheit) oder „marineblaues Kostüm, weiße Bluse und Halstüchlein“ (Frau), Ende fünfzig bis Mitte sechzig. Leider habe ich auch einen Laden-Kunden gesehen.

Ich persönlich muß feststellen, daß demonstrieren mir keinen Spaß macht. Ich bin allergisch gegen gleichgeschaltete Menschenmengen, sogar, wenn ich ganz auf deren Wellenlänge liege. Sprechchöre verursachen bei mir Übelkeit, und wenn ich merke, daß es mehr werden, die sich anschließen, rücke ich ganz automatisch weg und distanziere mich innerlich. Ich glaube, daß das immer noch die Folge von einer Art Klein-Trauma meiner Jugendzeit ist: irgendwann hatte ich Originalaufnahmen aus der Nazizeit gesehen – in demselben Film sowohl welche von den lebenden Leichnamen bei den KZ-Befreiungen als auch Bilder von den jubelnden Heil-Hitler-Menschenmassen. Das hat mich damals tagelang nicht losgelassen und nachhaltig beeindruckt – für Massendynamik bin ich offenbar nach wie vor unempfänglich. Allerdings reagiere ich leider schon immer heftig auf wabernde Stimmungen, und da war natürlich vieles, was da waberte …. dementsprechend ging es mir zwischenzeitlich mal richtig schlecht, so daß ich dachte „Das kann ich nicht! Nie wieder!!“. Aber ich habe dann hier und da mal geschnackt, unter anderem auch mit einer Polizistin, und dann ging es auch wieder.

Übrigens: der Herr Habeck war auch da, wie es schien so privat, wie das ein Herr Habeck so kann. Das finde ich richtig gut, denn sonst war bis auf einen Lokal-SPDler (die SPD hatte diese Gegenveranstaltung angemeldet) Niemand von der Polit-Prominenz zu sehen. Und auch Niemand vom NDR, geschweige denn von anderen Sendern. Ich hoffe zumindest auf einen Bericht in der Zeitung….. schließlich würde mich schon interessieren, wie die offiziellen Zahlen lauten und was es sonst zu berichten gab, was ich nicht mitgekriegt habe.


Heute, im Netz gut versteckt, Folgendes: 50-60 AfDlerInnen, 300-400 DemonstrantInnen, 150 PolizistInnen, weil sich die Antifa angekündigt hatte. Waren auch da, ein kleiner „schwarzer Block“ von vielleicht 30 Leuten. Drei Anzeigen, eine davon wegen Körperverletzung (Antifaler -> Polizist) Es muß ganz zu Beginn kleinere Rangeleien um die Räumung der Zufahrt gegeben haben, da waren wir noch nicht da.

Edit: In den Kommentaren wurde noch ein Link zu einem ausführlichen Bericht gepostet, danke dafür: *klick*

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8 Kommentare zu “So war das

  1. Jane Blond sagt:

    Schietemistdreck. Verpasst 😦 Da wäre ich mitgekommen …

    • Fjonka sagt:

      Täglich Fjonka lesen und stets up to date sein…. *ggg*

      • Jane Blond sagt:

        Grrrr …

      • Jane Blond sagt:

        Ich hab gerade bei Beatrix von Vogel auf der FB-Seite geguckt. Die behauptet das Gegenteil von friedlich. „Man wurde angepöbelt und bespuckt.“
        Ich wundere mich anhaltend über deren verschobene Wahrnehmung.

        • Fjonka sagt:

          Also, bepöbelt stimmt durchaus. Die meisten haben bloß gepfiffen und gebuht, aber da war auch die „verpiss Dich“-Fraktion unterwegs, mit Stinkefingern und Co. Wer austeilt, muß auch einstecken können, denke ich dazu.
          Von spucken hab ich nix mitgekriegt (der komische Vogel kam eh in Limousine bis vor die Tür, die hat man garnicht gesehen, nebenbei gesagt)

          • Jane Blond sagt:

            Ich zitiere mal:
            „Was für ein irrer Abend im Kreis Schleswig-Flensburg: der stellvertretende Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Robert Habeck, steht Schulter an Schulter vor der Tür mit den A-Faschisten, die versuchen unsere Wahlkampfveranstaltung zu sabotieren. Wer zur Veranstaltung will, wird aus dieser Gruppe heraus bedroht, beleidigt und bespuckt. Nicht alle kommen durch und erreichen das Ziel. Eine Schande, dass auch höchste Amtsträger des Landes bei diesem antidemokratischen, strafrechtlich relevanten Treiben mitmachen und wir vor Habeck und seiner Horde mit massivem Polizeiaufgebot geschützt werden mussten. Aber Jungs- Ihr könnt es vergessen! Ihr haltet uns nicht auf. Die AfD wird in den Landtag auch in Schleswig-Holstein einziehen. Besonders großer Dank an Frank Hansen, Direktkandidat – für den ganzen Abend! Und an Jörg Nobis, Spitzenkandidat und Katja Jung-Buhl. SO wird das was! Schleswig-Holstein meerumschlungen“
            „A“-Faschisten. Wenn ich das immer lese, ist das für mich ein Eingeständnis, selbst Faschist zu sein, was sie ja nicht sein wollen. Warum dann aber jeder, der gegen sie ist, ein Antifaschist ist … Keiner weiß nichts genaues.

  2. Frank sagt:

    Im folgenden Bericht wird der Nachmittag so geschildert, wie ich es auch wahrgenommen / erlebt habe. Der weicht aber von Deinem nicht wirklich ab.
    https://akopol.wordpress.com/2017/03/25/erfolgreiche-demonstration-gegen-afd-wahlveranstaltung-in-westerholz/

Platz für Klönschnack ...

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