Aktion mit Amsel – die Ergebnisse

Das waren jetzt ereignisreiche und spannende Tage. Bzw ein Abend und ein Tag – denn abends haben wir die Netze aufgestellt und schon ein paar Vögel gefangen, und dann, am Karfreitag, ging es von frühmorgens bis 16 Uhr rund…. Aber was hat es denn nun zu sehen gegeben? Ich war ja vor allem scharf auf Vögel, die ich sonst nicht wahrnehme – als alles jenseits der alten Bekannten. Den beiden Experten war jeder Vogel recht, hier geht’s ja um die Wissenschaft – beringt wird nicht (nur) zum Spaß:

Jeder gemeldete Wiederfund eines beringten Vogels trägt dazu bei, die Ursachen der Zu- und Abnahme von Vogelarten zu verstehen. Durch Wiederfunde können wichtige Rastplätze und Winterquartiere identifiziert und somit Grundlagen für ein integriertes System von Schutzgebieten für unsere Zugvögel geschaffen werden.

(Vogelwarte Helgoland) hier gibt’s noch detailliertere Infos über den Sinn des beringens

Deshalb wäre es auch wirklich klasse, wenn jeder aufgefundene beringte Vogel gemeldet würde! Im Ring steht, wo – bei unseren Vögeln/ Ringen ist es hier Und übrigens: Niemand schimpft dort, wenn der gemeldete Vogel ein Katzen-Opfer war – man freut sich über JEDE Meldung, wurde mir versichert!!! 🙂

Und jetzt zeige ich Euch also endlich, was hier im Garten so alles los ist. Erstmal die „alten Bekannten“: (Bild anklicken, Namen lesen)

*Brutfleck: nicht ausgezupft, sondern ausgefallen sind die Bauchfedern, damit die Kohlmeise es leichter hat, die Wärme ihres Bauches an ihre Eier abzugeben. Verrückt: man sieht die riesenhafte nackte Fläche nicht! Dafür muß man erst die Federn auseinanderblasen!

Hier die (mir) Neuen:

 

Insgesamt haben wir  54 Vögel gefangen, Das sind viel mehr als die von den beiden Erfahrenen erwarteten 20-30, trotz des schlechten Wetters. Kann ich stolz sein auf meinen Garten? Neeee: „Das liegt sicher zum guten Teil an der Futterstelle“, sagt der Herr I. Nuja….

Hier die genaue Liste:

  1. Hausspatz: 14
  2. Kohlmeise: 9
  3. Blaumeise: 7 (7 VERSCHIEDENE – die mit der Ring-Endnummer 56 ist echt döschig, die war bestimmt 4x im Netz….)
  4. Feldspatz: 6
  5. Amsel: 5
  6. Buchfink: 4
  7. Heckenbraunelle: 3
  8. Zilpzalp: 2
  9. Singdrossel: 1
  10. Rotkehlchen: 1
  11. Mönchsgrasmücke: 1
  12. Buntspecht: 1 (FRAU Specht konnte sich 2x befreien und war dann aus Schaden klug geworden…)

Der schwerste war eine Amsel mit 93,2 Gramm, der leichteste ein Zilpzalp – das kleine Federbäuschlein wog gerade mal 6,9 Gramm!

Der Herr I. meinte, hätten wir nicht so schlechtes Wetter gehabt, wären mehr Arten ins Netz gegangen. Die einzige Zug-Art ist die Singdrossel, alle anderen sind Stand-Arten, will heißen, solche, die hier im Garten oder in der Nähe wohnen. Bei besserem Wetter wäre noch die ein oder andere Zug-Art zu finden gewesen …

gesehen, aber nicht erwischt haben wir in der Zeit noch:

  • Grünfinken
  • Stockenten
  • Stare
  • eine Elster
  • Ringeltauben
  • einen Storch!!! Echt jetzt, der zog gleich über uns weg gen Kuhkoppel 🙂
  • Und genau jetzt, während ich hier schreibe, soll mich der Teufel holen, wenn ich nicht in der Mirabelle erstmals in diesem Jahr auch wieder die Klappergrasmücke, die immer im wilden Wein über der Tür ihr Nest baut, gesehen habe….

Zum guten Schluß ein Wort zum Streßfaktor: ja, die Vögel haben Angst. Der Herr I., Biologe und seit Jahrzehnten im Vogelschutz tätig, hat es so erklärt:
Vögel sind von ihrer ganzen Lebensweise darauf ausgelegt, sehr schnell in Streß zu kommen – aber auch sehr schnell wieder zu entspannen:

„Ein Schatten über mir? ADRENALIN! Ein Raubvogel! – Puh, nur eine Wolke. – Da, eine Bewegung im Augenwinkel! ADRENALIN! Eine Katze!? – Puh, nur ein Kaninchen!“.

So geht es den ganzen Tag. Und so konnten wir dann auch sehen: Gleich nach dem freilassen aus der Hand hatte so mancher Spatz, so manche Meise nichts anderes vor – als stracks wieder zu genau der Futterstelle zu fliegen, bei der eben das Netz zur Falle wurde – aber nun obendrüber, und ab, fressen… Wenn eine echte oder vermeintliche Gefahr vorbei ist, wird halt unmittelbar entspannt – alles ist gut.

Wir jedenfalls fanden die Aktion großartig. Wie klein, wie leicht so ein Vogel ist! Wie unterschiedlich sich bei den Arten das Federkleid anfühlt, wie viel zarter die Zeichnung des Gefieders als man von weitem sieht! Wie viele Vögel bei uns sichere Nahrung finden (heute morgen geguckt beim Frühstück: an der Futterstelle jede Menge Vögel – nur einer davon mit Ring….), wie viele Arten da leben, auch solche, die ich noch nie gesehen habe! Und das jetzt waren ja bloß die Vögel …. *g* Mein Garten? Ha! Von wegen! – Allerdings habe ich es in der Hand, ob all die anderen sich dort wohlfühlen! Ein bißchen Gebüsch für Die, die sich gern verstecken, ein paar Bäume, uneinsichtige Ecken mit Laub zum futterfinden, eine Wasserstelle, eine freie Fläche für Diejenigen, die gern sehen, ob sich eine Gefahr nähert – und überall ist Leben, auch wenn ich gar nichts davon mitkriege.

🙂

 

Advertisements
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Fauna.

6 Kommentare zu “Aktion mit Amsel – die Ergebnisse

  1. teff42 sagt:

    Genau, vielen Dank für die ausführlichen Informationen…
    Wie kam es, dass diese Beringungsaktion bei Dir stattfand? Durch die Bekanntschaft mit der „Amsel“? Ist das diejenige, an die ich denke?
    Der Graf ist nun, wie er eben so ist, intensiv am Vögel identifizieren und zählen. Ist schon interessant, was wir hier so haben.
    Und ich muss zugeben, ich wusste, bis vor einer Woche etwa, nicht, dass es Feld- und Haussperlinge gibt, schon garnicht den Unterschied. Für mich waren es einfach Spatzen.
    Nen bisschen schade, dass wir letztes Jahr die „Spatzenburg“ weggemacht haben, sie wurde immer mehr zur Brennesselburg und das vorm Küchenfenster, fand unsere Tante unschön.
    Trotzdem gibt es hier noch genügend Spatzenhüpfgestrüppe, nur eben nicht so schön zu beobachten.

    • Fjonka sagt:

      Ja, die Amsel ist DIE Amsel. Wir trafen sie bei einem BC-Treffen und kamen ins schnacken und so entstand die Idee. 🙂
      Bei Euch gibt es sicher eine große Vielfalt, kann ich mir vorstellen! Gab es schon seltenes zu entdecken?

      • teff42 sagt:

        selten ist relativ: Goldammer, roter und schwarzer Milan, Turmfalke, Kleiber, Dompfaff/ Gimpel, Rauchschwalbe, Star, Rabenkrähe, Goldhähnchen, Schwanzmeise, Kohl- und Blaumeise, Spatzen beiderlei Art, Graureiher, Silberreiher, Storch, Nilgans, Stockenten, Ringeltaube, Waldkauz, Elster, Bachstelze (Wippsteert), Fink (grün und Buch),Singdrossel, Gartenrotschwanz und noch ein paar nicht identifizierte unscheinbare kleine Vögelchen…
        Es zwitschert jedenfalls in allen Ecken.

        • Fjonka sagt:

          Wow! Einige davon sind hier auch schon im Garten gesichtet worden: Kleiber, Dompfaff, Rabenkrähe (und Saatkrähe und Dohle), WAldkauz und Wippsteert. Dazu der Grauschnäpper und der Hausrotschwanz, Zaunkönige und Schwanzmeisen. Aber der Rest…. allerdings kenn ich mich mit Raubvögel-Silhouetten überhaupt nicht aus, die kann ich nicht unterscheiden.

  2. ladypark sagt:

    Danke für die Erklärungen! Sehr interessant und beruhigend, was du über das Thema Stress schreibst.
    Die Galerie funktioniert bei mir leider nicht.

    Und jetzt geht’s auf zum Osterfrühstück, euch auch schöne Ostern!

    • Fjonka sagt:

      Oh, schade, daß die Galerie gerade jetzt bei Dir nicht geht – bei mir war das auch schonmal für ein, zwei Tage so, in anderen Blogs las ichs von anderen Leuten auch. Muß ein wordpress-Problem sein. Die Vogel-Namen sieht man aber meist auch beim drüberfahren mit der Maus.
      Dir auch schöne Ostern

Platz für Klönschnack ...

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s